Landesweite „Räte“ und der „Ring“ zum Demographischen Wandel einig:
Klare Strukturen statt neue Projekte
Zum Demografischen Wandel im Südwesten waren sich der Landesfrauenrat
(LFR), Landesseniorenrat (LSR), Landesfamilienrat (LFamRat) und
Landesjugendring (LJR) am Donnerstag vor dem „ständigen Ausschuss“ im
Landtag einig: Sie sehen zwar einige Fortschritte, vermissen jedoch ein
systematisches Vorgehen um die Handlungsempfehlungen auch umzusetzen.
„Wir fordern Regelangebote mit sicherer Finanzierung statt Projekt-
Hopping", sagte der Vorsitzende des Landesfamilienrates, Jürgen Rollin.
„Zudem sehen wir bei Regierung und Verwaltung deutliches
Optimierungspotenzial, vor allem was die Zusammenarbeit der Ministerien
betrifft.“
Zu ausgewählten Bereichen haben sich die vier Organisationen in einer
zehnseitigen Stellungnahme geäußert. Sie nehmen damit auf die
Handlungsempfehlungen Bezug, die 2006 von der Enquetekommission
„Demographischer Wandel – Herausforderung an die Landespolitik“ in den
Landtag eingebracht und von diesem verabschiedet wurden.
Für den Bereich Bildung und Erziehung fordern sie dabei die Abschaffung
der seit 2007 erhobenen Studiengebühren. Angesichts des drohenden
Fachkräftemangels sei das Verhalten der Landesregierung nicht zielführend,
kritisieren die Organisationen. Studiengebühren würden zu sozialer
Ungerechtigkeit und gesellschaftlicher Spaltung beitragen. Studienabgänger
treten häufig mit hohen Schulden in ein ungewisses Berufsleben ein, so die
Stellungnahme.
In mehreren Bereichen fehlt es aus Sicht der vier landesweiten
Organisationen am Entwickeln und Umsetzen von Gesamtkonzepten. In der
Pflege könne zwar der vom Landespflegeausschuss vorgelegte
Landespflegeplan diese Funktion wahrnehmen, dazu müsste er allerdings
von der Landesregierung als sozialpolitisch verbindliche Konzeption
beschlossen und entsprechend wirksam werden.
„Für ein selbstbestimmtes Leben im Alter in der eigenen Häuslichkeit sind
flankierende Maßnahmen zwingend erforderlich“, so der Vorsitzende des
Landesseniorenrates, Roland Sing. Dazu zählen vor allem die
Weiterentwicklung von technischen Hilfen und Assistenzsystemen sowie die
Förderung von Telemedizin und Telemonitoring. Technische Hilfen für das
Leben im Alter müssen allen Menschen zugänglich und leicht anwendbar
sein.
Ein weiteres von der Enquete vorgeschlagenes Gesamtkonzept betrifft das
ehrenamtliche und bürgerschaftliche Engagement. Hier sei ein
konzeptionelles Miteinander der verschiedenen Beteiligten nötig, um
vorhandene Doppelstrukturen abzubauen und Ehrenamt und
bürgerschaftlichem Engagement zu verzahnen. Ehrenamtliche, freiwillig
Engagierte und Hauptberufliche müssten systemtisch zusammen arbeiten
und das Ehrenamt dürfe nicht als Lückenbüßer missbraucht werden.
Sozialpolitischen Sprengstoff sehen die Unterzeichner der Stellungnahme
auch bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Beschäftigte, die sich für
die Betreuung von Kindern oder die Pflege kranker und alter Menschen von
ihrem Arbeitgeber freistellen lassen, müssten besser als bisher geschützt
werden. Von einzelnen Unternehmen sei bekannt, dass sie Freistellungen
dazu nutzten, die betroffenen Arbeitnehmer/innen aus ihren
Arbeitsverhältnissen zu drängen, um so betriebliche Rationalisierungsziele
zu verfolgen. Dies müsse durch entsprechende rechtliche Maßnahmen
verhindert werden, so die Forderung.
„Bei den Fragen, welche Maßnahmen in Bezug auf den demographischen
Wandel angezeigt sind, besteht in Baden-Württemberg kein
Generationenkonflikt“, betonte die stellvertretende Vorsitzende des
Landesjugendrings, Kerstin Sommer, resümierend anlässlich der Anhörung.
„Die Organisationen, die die verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen
vertreten, sind sich über die notwendigen Politikschritte einig. Jetzt muss nur
noch die Landesregierung handeln!“, forderte Sommer.
Gemeinsame Pressemitteilung von Landesfrauenrat (LFR), Landesseniorenrat (LSR),
Landesfamilienrat (LFamRat) und Landesjugendring (LJR) in Baden-Württemberg.
Verantwortlich:
Landesjugendring Baden-Württemberg
Isabel Hoever
Siemensstr. 11
70469 Stuttgart
www.ljrbw.de
Tel. 0711/16447-0
31. 07. - 03. 08 2010
im Salemer Pfleghof Esslingen
siehe auch unter http://www.frauen-efw.de/veranstaltungen/veranstaltungen-details.html?tx_desimplecalendar_pi1%5BshowUid%5D=177
Der Newsletter der Evangelischen Frauen in Württemberg erscheint zweimal jährlich.
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