„Zu Hause in Baden Württemberg – Integration zwischen politischer Planung und persönlichem Erleben“

08.05.09 | 09:48 | 

Von: Esther Peylo

Pressemitteilung des Landesfrauenrats

Pressemitteilung vom 04.05.2009

Fachtag Integration des Landesfrauenrats zeigt: Mehr politische Beteiligung von Frauen mit Migrationshintergrund in Baden-Württemberg nötig

 

„Die Kommunalwahlen sind eine gute Gelegenheit, Kandidatinnen mit Migrationshintergrund zu wählen und ihnen so die Gelegenheit zu geben, sich demokratisch zu engagieren und in unseren Städten und Gemeinden am politischen Leben teilzuhaben“ appellierte die Vorsitzende des
Landesfrauenrats Baden-Württemberg (LFR), Angelika Klingel, auf dem gut besuchten Fachtag des LFR Ende April.

 

Zu Beginn wurde das Integrationskonzept des Landes Baden-Württemberg von Winfried Kleinert, Stv. Leiter des Referats Frauenpolitik beim Ministerium für Arbeit und Soziales, vorgestellt. Der Integrationsprozess sei dynamisch, fördere einerseits eine interkulturelle Öffnung auch in den Verwaltungen, fordere aber andererseits die Fähigkeit der Eingewanderten, in der hiesigen Sprache miteinander kommunizieren zu können.

 

Die angehende Kulturmanagerin Anita Pöltl stellte anschließend ihre kürzlich an der Zeppelin-University Friedrichshafen eingereichte Bachelorarbeit „Zum  Einfluss von MigrantInnen auf die Zivilgesellschaft“ vor, bei der sie besonders die bereichernden Aspekte wie Innovationsförderung, Meinungsvielfalt, unterschiedliche Strategien bei Problemlösungen sowie das Vermittlungspotential besonders im Bereich persönlicher Kontakte in den Mittelpunkt ihrer Ausführungen stellte.

 

Erfahrungsberichte von Frauen mit  Migrationshintergrund kamen in der Podiumsdiskussion „Das Eigene und das Andere in Baden Württemberg“ zur Sprache. So hatte die Ingenieurin Samia Drissi aus Tunesien mit bürokratischen Hürden während ihres Studiums zu kämpfen und war vom tunesischen Bildungssystem her einen aufgeschlossenen Umgang mit Frauen in technischen Berufen gewöhnt. Die Türkin Asuman Yavuz wollte ihren fünf Töchtern in Deutschland vor allem zu einer guten Ausbildung verhelfen, was ihre Tochter Esra Yavuz ihr bis heute hoch anrechnet. Die Jurastudentin mit deutschem Pass musste sich allerdings im deutschen Bildungssystem mit zahlreichen Vorurteilen über ihre Herkunft auseinandersetzen. Die waren der türkischstämmigen Unternehmerin Ebru Baz so nicht begegnet, sie setzte deshalb besonders auf Eigeninitiative, um sich in Baden-Württemberg voll und ganz zu Hause fühlen zu können.

 

Abschließend referierte die SWR-Journalistin Anna Koktsidou über die Verantwortung der Medien im Integrationsprozess. Um ein umfassenderes und repräsentativeres Bild von Frauen mit
Migrationshintergrund in unserer Gesellschaft in den Medien vermitteln zu können, müsse einerseits ihre Darstellung in den Medien überarbeitet, andererseits der Zugang zu Medienberufen für Frauen mit Migrationshintergrund erleichtert oder zumindest stärker beworben werden.

 

 

Auf dem angeschlossenen Delegiertentag des LFR wurden Anträge an die Landesregierung verabschiedet, Gender Budgeting institutionell als verbindliche Vorgabe für die Haushaltsaufstellung des Landes zu verankern, das Chancengleichheitsgesetz zu einem verbindlichen Instrument der Chancengleichheitspolitik in den Kommunen auszubauen, künftige Konjunkturprogramme unter gleichstellungspolitischen Gesichtspunkten gerecht zu erstellen und Aufklärungsarbeit im Bereich der HPV-Impfung für Mädchen oder Jungen zu leisten. Bei den Nachwahlen für den Vorstand des Landesfrauenrats wurden Manuela Rukavina (DGB-Frauen) und Ingrid Fischer (Zonta International) als Beisitzerinnen des LFR-Vorstands gewählt.

 

Esther Peylo, LFR-Vorstand

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