Stuttgart: Kirche mit Humor und clowneskem Hinterfragen in Bewegung zu bringen und aktiv zu verändern - dieses Ziel hat die in Deutschland erst zum
2. Mal stattfindende Langzeitfortbildung, "Clownerie in Kirche und Gemeinde".
Dr. Gisela Matthiae, Theologin und Clownin aus Gelnhausen, hat dieses Fortbildungsangebot für Pfarrerinnen und Pfarrer sowie Beschäftigte aller kirchlichen Einrichtungen konzipiert. An der zwei Jahre dauernden Fortbildung in Stuttgart nehmen 17 Frauen und Männer aus Württemberg, Österreich und der Schweiz teil. Die ausgebuchte Veranstaltung wird als Kooperation von mehreren Bildungsträgern der Evangelischen Landeskirche in Württemberg angeboten - federführend von den Evangelischen Frauen in Württemberg (EFW).
"Dieses außergewöhnliche Angebot richtet sich an ehren- und hauptamtlich Beschäftigte im Pfarramt, in Krankenhäusern, Schulen, in sozialen Einrichtungen und in der Bildungsarbeit, die das clowneske Staunen und Stolpern für ihre Arbeit entdecken wollen", so Ariella Pavoni, Referentin der EFW und Organisatorin der Fortbildung. Die aktuellen gesellschaftlichen Veränderungen und Umstrukturierungsprozesse innerhalb der Kirchen forderten alle Entscheidungsträger und die Mitarbeitenden heraus, sich wieder stärker auf die biblischen Grundlagen des christlichen Glaubens zu konzentrieren und zu entscheiden, was für die Kirche wesentlich sei. Dazu gehören auch innovative Bildungsangebote, in denen soziale und theologische Kompetenz, sowie das Rollenverständnis der Beschäftigten in kirchlichen Einrichtungen gestärkt werden.
Das von der Theologin Dr. Gisela Matthiae konzipierte und durchgeführte Angebot verbindet theologische Inhalte mit clowneskem Wahrnehmen und Handeln und stellt konkrete Bezüge zu kirchlichen Praxisfeldern wie Gottesdienst und Seelsorge her. Matthiae: "Ein menschgewordener Gott, gekreuzigt und auferstanden - das war den einen Anlass zu Spott, für die anderen Grund zu Jubel und Staunen und damit Ausdruck eines Glaubens, der mit allem rechnet und selbst das Unmögliche wagt. So kommen im Christentum Humor und Glaube zueinander". Auch der für die clowneske Weltsicht so typische Blick vom Rand auf die Zentren der Macht sei der christlichen Tradition zutiefst zueigen. "Die Botschaft Jesus ist immer auch eine anstößige gewesen, weil sie von den Schwachen, den Ausgestoßenen ausgeht, also genau den Menschen, die heute im Mittelpunkt der Arbeit so vieler kirchlicher Einrichtungen stehen." Die Fortbildung wolle diese christlich-biblischen Grundlagen wieder spürbar machen und durch clowneske Arbeit zugleich das kritische und kreative Potential von Humor für die tägliche Arbeit mit Menschen heben.
Die subversive Kraft, die aus der Analyse des Wahrgenommenen kommt und die dem christlichen Glauben zueigen ist, entfalten die Clownin und der Clown in ihrem Spiel mit Status und Macht. Sie kehren wie Jesus die Verhältnisse um, so dass die Kleinsten die Größten werden, die Letzten die Ersten, aber sie scheitern auch an den bestehenden Verhältnissen. Doch immer geht ihr Spiel weiter, meist anders als gedacht. Es erzählt von Sehnsucht und Hoffnung und schafft Veränderung - eben auf seine Art, die den biblischen Geschichten verblüffend ähnlich ist.
Hinweis an die Redaktion
Die mit 17 Teilnehmenden aus Württemberg, Österreich und der Schweiz ausgebuchte Langzeitfortbildung "Clownerie in Kirche und Gemeinde" begann im Oktober 2009 in Stuttgart und endet im September 2010. Vier von sieben Einheiten wurden bereits absolviert. Die nächste Veranstaltung findet im Juni 2010 statt. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer schließen den Kurs mit einem für ihr jeweiliges Arbeitsumfeld entwickelten eigenen Auftritt ab.
Ansprechpartnerinnen
Dr. Gisela Matthiae, Telefon 06051/472480 E-mail: contact[at]clownin.de Internet: www.clownin.de
Ariella Pavoni, EFW-Evangelische Frauen in Württemberg, Telefon 0711-2068-213, E-mail: Ariella.Pavoni[at]elk-wue.de Internet: www.frauen-efw.de
Bindung in unterschiedlichen Alters- und Entwicklungsstufen
16. bis 17. Oktober 2010 in der Evang. Akademie Bad Boll
Der Newsletter der Evangelischen Frauen in Württemberg erscheint zweimal jährlich.
Hier finden Sie die aktuelle Ausgabe vom Frühjahr 2010 als PDF.