Pressemitteilung (als PDF)
„Arbeit ist das einzige was zählt“ – was zählt überhaupt als Arbeit?
Unter dieser Überschrift stand der erste Abend der diesjährigen ökumenischen Reihe „Gotteskünderinnen“ – Montagspredigten zu sozialpolitischen Themen – aus biblisch-theologischer und geschlechterbewusster Perspektive.
Die Predigerin, Dr. Antje Schrupp aus Frankfurt, Journalistin, Philosophin, Theologin und Politikwissenschaftlerin stellte in ihrer Predigt einen biblischen Bezug her zu dem bekannten Bild vom Leib mit vielen Gliedern, von dem Paulus im Römerbrief spricht (Röm. 12,1-8). Die Glieder sollen – ohne sich zu überfordern – einander mit ihren jeweiligen gottgeschenkten Gaben dienen und für einander arbeiten.
Die Mahnung des Paulus, sich nicht an diese Welt anzugleichen sei – so die Predigerin – heute wieder höchst aktuell: Ein Appell an Menschen, die auch heute für ein anderes, gerechteres, gottgefälligeres gesellschaftliches Zusammenleben eintreten wollen in einer tendenziell ungerechten, von Bürokratisierung, Gewinnmaximierung und Effizienzsteigerung gekennzeichneten Umgebung.
Ausgehend von der genannte Paulusstelle, die eine Beschreibung dafür biete, wie und aus welcher Grundhaltung heraus Menschen arbeiten sollten, identifiziert Antje Schrupp drei bis heute aktuelle und inspirierende Säulen der Arbeit, die alle drei einen besonderen Frauenbezug aufweisen: „Freude“, „Barmherzigkeit“ und „Dienen“. Freude an der Arbeit – so die Predigerin - wurde symbolisch den Frauen zugeordnet. Diese würden bis heute im Vergleich zu Männern mehr Wert auf eine ihnen sinnvoll erscheinende, nicht nur von Geld und Status definierte und somit Freude verschaffende Arbeit legen. Die Beziehung zwischen Arbeit und Barmherzigkeit, die sich aus dem mütterlichen Tun“ ableite, versteht Antje Schrupp als grundlegend menschliche, aber zu einer weiblichen Angelegenheit gemachten „Sorge für andere, die bei jeder Art von Arbeit mit im Blick sein sollte“. Schließlich sei unter dem als dritten Pfeiler angeführten „Dienen“ nach biblischem Verständnis nicht eine untergeordnete Funktion innerhalb der Organisationshierarchie zu verstehen; vielmehr gehe es darum, das Ganze im Blick zu haben, damit die Arbeit gut gelinge. Diese Verantwortung stelle sich in allen Tätigkeiten, unabhängig von Beruf und Position.
Abschließend betonte die Predigerin, dass im Zusammenhang mit der Neuorganisation der Arbeit auch über Geld nachgedacht werden müsse. Als wichtige Form der Anerkennung habe dieses unmittelbare Auswirkungen auf die drei genannten Säulen der Arbeit. Zur Arbeit, die geleistet wird, weil sie Freude macht, sinnvoll scheint und notwendig ist, gehöre gleichzeitig, dass diese Arbeit auch gesellschaftlich gewürdigt werde: nicht durch „Schmerzensgeld“, sondern durch angemessene Bezahlung.
In der anschließenden Gesprächsrunde kam die Expertin, Claudia Chirizzi, zuständig für den Bereich Frauen- und Gleichstellungspolitik bei Verdi, Baden-Württemberg, zu Wort. Die Gewerkschaftlerin betonte die Notwendigkeit realpolitischer Strategien zur Gleichstellung beider Geschlechter auf dem Arbeitsmarkt, die nicht über den Weg einer Wertediskussion erreicht werden könne. Die kontroverse Diskussion im Anschluss an die Predigt zeigte, dass mit Blick auf das Thema „Arbeit“ noch viele Fragen offen sind und in verschiedener Hinsicht Gesprächsbedarf besteht.
Die Reihe „Gotteskünderinnen“ setzt dieses Gespräch im Rahmen zweier weiterer Montagspredigten im November fort. Bei der nächsten Veranstaltung am 16.11.2009 in der Dreieinigkeitskirche in Ludwigsburg wird es dabei um das Thema gehen: „Zwischen Burnout und Hartz IV – was ist gesunde Arbeit?“
Erika Straubinger-Keuser
Veranstalterinnen:
Fachbereich Theologie der Diözese Rottenburg-Stuttgart
Evangelische Frauen in Württemberg“
Katholisches Bildungswerk Stuttgart,
Hospitalhof Stuttgart, Evangelisches Bildungswerk
Kontakt: Dr. Erika Straubinger-Keuser, Diözese Rottenburg-Stuttgart, HA XI, Fachbereich Theologie, Jahnstr. 30, 70597 Stuttgart,
estraubinger[at]bo.drs.de http://www.drs.de/index.php?id=10344
Bindung in unterschiedlichen Alters- und Entwicklungsstufen
16. bis 17. Oktober 2010 in der Evang. Akademie Bad Boll
Der Newsletter der Evangelischen Frauen in Württemberg erscheint zweimal jährlich.
Hier finden Sie die aktuelle Ausgabe vom Frühjahr 2010 als PDF.