Auf einem ökumenischen Kreuzweg ist Frauen mit "durchkreuzten Lebenswegen" gedacht worden. Von Viola Volland
Auf verdrängtes und alltägliches Leiden von Frauen ist bei einem ökumenischen Frauenkreuzweg am 2. April durch die Innenstadt aufmerksam gemacht worden. Es ist das fünfte Mal, dass Susanne Herzog vom Sozialdienst katholischer Frauen und Karin Lindner von den Evangelischen Frauen in Württemberg diesen organisiert haben. Von Jahr zu Jahr sind mehr Teilnehmer gekommen: anfangs beteiligten sich rund 60, gestern gingen an die 300 Gläubige mit. Die Saxofonistin Nikola Lutz begleitete den Kreuzweg musikalisch.
Der Kreuzzug nahm an der Domkirche St. Eberhard seinen Anfang und führte über drei Stationen zur Leonhardskirche. Still, ohne sich zu unterhalten, gingen die Frauen und Männer durch die Innenstadt. An jeder Station hinterlegten die Frauen einen Stein als Zeichen - zum Beispiel an der Domkirche als Symbol dafür, dass "wir wach bleiben wollen für das, was uns an Leiden und Bedrohung begegnet", wie Susanne Herzog sagte.
Am Kaufhof-Parkhaus erinnerte Pfarrerin Lindner an Frauen, die an ihre Grenzen stoßen, die an Depressionen und Burn-out leiden, weil etwas das "Lebenskonzept vehement durchkreuzt" hat. Die begrenzten Kräfte könne man im Spiegel des Leidens Jesu anschauen "und als Teil in uns zulassen", sagte die Pfarrerin. Susanne Herzog las dazu aus der Passionsgeschichte vor.
An der nächsten Station am Leonhardsplatz kam Ruth Lauterstein vom Fraueninformationszentrum zu Wort. Sie berichtete von zwei Prostituierten, die eine von ihnen, Liliana, verkauft ihren Körper freiwillig. Die andere, eine Roma, war Opfer von Menschenhandel und infolge einer Polizeirazzia befreit worden. Liliana sei nach Deutschland gekommen, um Geld für die Bildung ihrer Kinder zu verdienen. Nur einmal habe sie ihre Kinder sehen können. Als ihr Mann erkrankte, wurde der finanzielle Druck noch größer. "Im Leben kommt es oft anders, als wir denken", sagte Ruth Lauterstein. Sie selbst tröste, dass Jesus das Kreuz trug. Wieder legten die Frauen einen Stein nieder - als Zeichen der Verletzlichkeit von Frauen und ihren Kampf um Würde. An der Jakobschule, beim nächsten Halt, gedachte der Frauenkreuzweg Jugendlichen, die den Anforderungen unserer Gesellschaft nicht gerecht geworden sind. Eine Sonderberufsschullehrerin erhielt das Wort. Sie erzählte, dass nach eineinhalb Jahren nur noch sechs von 14 Jugendlichen in ihrer Ausbildungsklasse übrig geblieben seien. Und sie berichtete von Nina, einem Mädchen, das einmal die Beste in ihrer Ausbildungsklasse war und dann abstürzte, oft fehlte, an einer Depression litt. Wie das Heimkind an einem Tag aber versicherte, ihren Abschluss noch schaffen zu wollen, doch dann eine Woche später versuchte, sich das Leben zu nehmen. Die Lehrerin rang um Fassung und berührte die Anwesenden sichtlich.
"Kyrie, Kyrie Eleison" sangen alle und gingen still weiter zur Leonhardskirche.
Bindung in unterschiedlichen Alters- und Entwicklungsstufen
16. bis 17. Oktober 2010 in der Evang. Akademie Bad Boll
Der Newsletter der Evangelischen Frauen in Württemberg erscheint zweimal jährlich.
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