Das Land braucht eine Dekade der Frauen- und Gleichstellungspolitik
Pressemitteilung vom 22.3.2010
Dem Motto des Tages „Entgeltgleichheit schaffen - Ursachen angehen“, zu dem das Nationale Aktionsbündnis aufruft, schließt sich auch der Landesfrauenrat Baden-Württemberg (LFR) - der Dachverband der Frauenorganisationen im Land an.
Der im vergangenen Jahr erschienene – auf Initiative Baden-Württemberg erstellte - 1. Atlas zur Gleichstellung von Frauen und Männern zeigt eine Schlusslichtposition Baden-Württembergs in zentralen gleichstellungspolitischen Feldern auf. Das Lohngefälle zwischen Frauen und Männer, der so genannte „Gender Pay Gap“ gehört dazu.
Baden-Württemberg weist mit durchschnittlich 28,5 % den höchsten Verdienstunterschied zwischen Frauen und Männern auf. „Dieses Ergebnis muss als Aufforderung verstanden werden, mit wirksamen gleichstellungspolitischen Maßnahmen gegen zu steuern“, so Angelika Klingel, Erste Vorsitzende des LFR. So müsse sich das Land Baden-Württemberg das Ziel setzen, die Lücke bei den Verdienstunterschieden bis zum Jahr 2020 auf höchstens 10 % zu reduzieren, so wie sich die Bundesregierung zum Ziel gesetzt hat den Verdienstunterschied von bundesweit 23 % auf 10 % zu reduzieren.
„Wir hoffen, dass die Landesregierung sich mit Wirtschaft und Arbeitnehmer/innenvertretung sowie weiteren gesellschaftlichen Akteuren auf ein konkretes Programm zur Verringerung des Gender Pay Gap einigt“.
Als unabdingbar sieht der LFR ein bundesweites Gleichstellungsgesetz für die Privatwirtschaft.
Er fordert die Landesregierung auf, im Bundesrat dafür die Initiative zu ergreifen. Dazu gehören verbindliche gesetzlich festgelegte Mindestquoten für Frauen in Aufsichtsräte. Diese werden den Firmen in Deutschland und in Baden-Württemberg erfolgreichere Bilanzen bescheren und international anschlussfähig machen, zeigt sich Klingel überzeugt. Die Erfahrung mit lediglich freiwilligen Regelungen zeige, dass diese schnell kurzfristigen konjunkturellen Überlegungen geopfert würden.
Klingel appelliert an die Unternehmen im Land, bereits heute der beispielgebenden Initiative der Telekom zu folgen.
Der LFR möchte der Landesregierung und den Verantwortlichen für die Wirtschaft im Lande ins Stammbuch schreiben, was die EU-Kommission in ihrem aktuellen Bericht zur Gleichstellung von Frauen und Männern feststellt: „Da sich die Gleichstellung von Frauen und Männern als Schlüssel zur dauerhaften Lösung alter wie neuer Probleme erwiesen hat, ist es wichtig, dass das Thema Gleichstellung ein Kernelement der EU-Strategie für 2020 bleibt. Gleichstellungsmaßnahmen sollten deshalb nicht als kurzfristiger Kostenfaktor, sondern als langfristige Investition betrachtet werden.“
Die EU-Kommission fordert auf, die Anstrengungen zur Beseitigung der Ungleichheiten im Beschäftigungsbereich zu intensivieren, damit die bestehenden Unterschiede in Bezug auf Beschäftigung,
Entgelt und Führungspositionen durch Schaffung besserer Arbeitsplätze sowie durch Abbau der Segregation auf dem Arbeitsmarkt und des Armutsrisikos erheblich verringert werden können. Sie empfiehlt dabei ausdrücklich, der Verringerung des Lohngefälles zwischen Männern und Frauen sowie der Auseinandersetzung mit seinen eigentlichen Ursachen Priorität einzuräumen.
Der LFR hofft von der Landesregierung, dass sie diese Empfehlungen in landespolitisches Handeln umsetzt:
„2010 bis 2020 muss in Baden-Württemberg eine Dekade der Frauen- und Gleichstellungspolitik werden! Gleichstellung im Beschäftigungsbereich ist ein Kernelement.“
Esther Peylo, Beauftragte für Öffentlichkeitsarbeit
Bei Rückfragen zu erreichen unter 0177/604 1912
Bindung in unterschiedlichen Alters- und Entwicklungsstufen
16. bis 17. Oktober 2010 in der Evang. Akademie Bad Boll
Der Newsletter der Evangelischen Frauen in Württemberg erscheint zweimal jährlich.
Hier finden Sie die aktuelle Ausgabe vom Frühjahr 2010 als PDF.