Interview mit der neuen Vorsitzenden Bärbel Koch-Baisch

21.06.10 | 16:19 | 

Von: Nicole Marten, Ev. Medienhaus

"Ein Service-Zentrum von Frauen für Frauen"

Die Pfarrerin Bärbel Koch-Baisch aus Schwäbisch Hall war bislang Stellvertretende Vorsitzende der Evangelischen Frauen in Württemberg. Am 18. Juni 2010 wurde sie zur ersten Vorsitzenden gewählt. Über Ihr neues (altes) Amt und die Situation von Frauen in der Kirche sprach sie mit Nicole Marten.

elk-wue: 

Wie hat sich die Situation von Frauen in der Kirche verändert?

Koch-Baisch: Frauen sind heute oft berufstätig und haben deshalb weniger Zeit für das Ehrenamt. Das führt dazu, dass sie sich häufiger in Projekten engagieren, die von der Zeit her überschaubar sind. Andererseits sind die Frauen selbstbewusster und kompetenter geworden – gerade auch dann, wenn sie in Gremien sitzen. Mich freut es sehr, dass sich der Frauenanteil auch und gerade in Kirchengemeinderäten oder anderen Gremien erhöht hat. Dadurch, dass weniger Zeit zur Verfügung steht, laufen viele Sitzungen konzentrierter ab, auch das ist zu loben.

elk-wue: Wohin sollte sich Ihrer Meinung nach das EFW entwickeln?

Koch-Baisch: Ich wünsche mir, dass das EFW als Kompetenz-, Informations- und Servicezentrum von Frauen für Frauen wahrgenommen wird und dass wir durch die vielen Kontakte, die wir haben, Frauen gegenseitig weiterhelfen können. Wir müssen nicht alles wissen, aber es hilft vielleicht schon weiter, jemanden zu kennen, der es wissen könnte!

elk-wue:  Was kennzeichnete ihre Arbeit als Stellvertretende Vorsitzende der EFW?

Bärbel Koch-Baisch: Das EFW wird geleitet von einem ehrenamtlichen Vorstand, der aus fünf gewählten Mitgliedern besteht. Wir haben in den vergangenen vier Jahren insbesondere die Fusion von Frauenwerk und Frauenarbeit zu bewältigen gehabt. In beiden Einrichtungen gab es ganz unterschiedliche Arbeitsstile, Referentinnen, Tätigkeiten. Dies galt es zu koordinieren. Dazu haben wir seinerzeit eine Ordnung erarbeitet, nach der die Fusion praktisch bewältigt werden sollte. Das Frauenwerk war in der Gemeindearbeit vor Ort aktiv, die Frauenarbeit kümmerte sich um die Verbände. Dies zusammen zu führen zu einem gemeinsamen Handeln, war ein großes Ziel.

elk-wue: Welche Schwerpunkte wollen Sie setzen?

Koch-Baisch: Die vorhin angesprochene Ordnung für die Fusion wird modifiziert werden: So wollen wir das Müttergenesungswerk und das Dorfhelferinnenwerk, die ja beide bereits zum EFW gehören, noch besser integrieren. Seit zwei Jahren geben wir uns immer ein "Jahresthema" für unsere Arbeit. 2010 heißt es "Geld oder Leben! – Gerechte Teilhabe für Frauen", das den Aspekt "Frauen und Armut" aufnimmt. Im kommenden Jahr wollen wir uns einem theologischen Thema widmen, es heißt "Am Anfang war der Apfel – Sünde neu gedacht". Darunter verstehen wir zum Beispiel auch die Frage, in wie weit unser Lebensstil ungerechte Strukturen fördert, in wie weit wir auf Kosten der Menschen in der dritten Welt leben. Während der Hauptversammlung am 22. Oktober 2010 werden wir dazu einen theologischen Vortrag haben mit der Privatdozentin Dr. Elisabeth Hartlieb. Darüber hinaus wird sich die Theologische Arbeit verstärken – Politik und das Hineinwirken in die Gesellschaft ist wichtig, aber wir müssen auch unseren theologischen Hintergrund in die Arbeit einbringen und von diesem Hintergrund her die gesellschaftlichen Fragestellungen bewerten. Dann wollen wir Frauen ermuntern, sich für Ehrenämter nicht nur zur Verfügung zu stellen, wir wollen sie auch dazu qualifizieren. Die diakonische Arbeit wollen wir genauso fördern wie die geistliche. Sprich, wie wollen auch spirituelle Angebote ausbauen. Außerdem liegt mir auch der Weltgebetstag am Herzen: Viele Frauen, auch jüngere, lassen sich damit erreichen, dieses Projekt am Anfang eines neuen Jahres anzugehen – und Anfang März ist es dann abgeschlossen. Das freut mich sehr. Und doch ist auch die Arbeit in Gremien wichtig – dazu wollen wir ermuntern. Frauen sollen ein Bewusstsein dafür entwickeln, wie wichtig und sinnvoll die Arbeit in einem Gremium ist – es geht im Kirchengemeinderat oder in der Synode ja auch um sie! Das wollen wir fördern und so dazu beitragen, dass Frauen sich beispielsweise zur Wahl stellen.

elk-wue:

Vielen Dank für das Gespräch – und einen guten Start als erste Vorsitzende!


Tagung für Adoptiveltern

Bindung in unterschiedlichen Alters- und Entwicklungsstufen
16. bis 17. Oktober 2010 in der Evang. Akademie Bad Boll

Cascade

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