Durchkreuzte Wege – Frauenkreuzweg für Frauen aller Konfessionen in Rot am See

22.04.11 | 09:08 | 

Von: Inge Kaletta, Rot am See

In diesem Jahr machten sich zum dritten Mal über 50 Frauen verschiedener Altersgruppen bei traumhaften sommerlichen Temperaturen auf einen Kreuzweg-Gang durch Rot am See. Der Bezirksarbeitskreis Frauen (BAF) des Dekanats Blaufelden hatte Frauen aller Konfessionen zu diesem Gang an Karfreitag eingeladen. An vier Stationen wurden durchkreuzte Lebenswege von Frauen zur Sprache gebracht im Gedächtnis an den Kreuzweg, den Jesus vor über 2000 Jahren gegangen ist.

Schweigend gingen die Frauen den Weg durch den Ort und gedachten an den Stationen den oft verdrängten Leiden, der Gewalt, aber auch den alltäglich belastenden Situationen von Frauen. Es gilt Dinge sichtbar machen, vor Gott bringen und die Kraft erbitten, sie auszuhalten oder zu verändern. Flötenstücke und Bibeltexte begleiteten die inhaltliche Ausführung beispielhafter Lebenssituationen. Mit wiederholenden Kyrierufen wurden die Betroffenheit und die Bitte um Erbarmen zum Ausdruck gebracht. Bedrohungen des Lebens sind spürbar nahe gerückt. Auch in der Schule, einem Ort der Sicherheit – zumindest glaubte man das lange Zeit. Mittlerweile wissen wir, dass auch hier Gefahren drohen können. Nicht nur auf dem Schulweg, nein auch in der Schule selbst, sei es durch Mobbing, Amokläufe oder einfach nur durch Überforderung von Kindern. Wir leben in einer Zeit in der wir unheimlich viel in unsere Kinder hineinstecken. Manchmal muss man sich jedoch fragen, ob es ihnen immer gut tut. Warum nur gibt es so viele Schulverweigerer oder warum nur nimmt das Diskutieren über die verschiedenen Bildungswege kein Ende. Wir Frauen und Mütter sind aufgerufen, uns an die Seite unserer Kinder zu stellen, mit ihnen auf ihrem Weg zu gehen und sie nicht alleine zu lassen. Ihnen aber auch einmal in den Weg zu treten, ihre Bahn zu „entschleunigen“, damit sie wieder zur Besinnung kommen.

Weiter ging der Weg Richtung Wasserturm, der zweiten Station. Ohne Wasser kein Leben – wir alle wissen das. Keiner kann ohne dieses lebenswichtige Grundnahrungsmittel existieren und doch sind wir auf unserer Welt immer noch nicht in der Lage, allen Menschen gesundes, trinkbares und sauberes Wasser zur Verfügung zu stellen. Nicht überall darf man nur den Wasserhahn aufdrehen. Für viele Frauen auf der Welt ist es ebenso selbstverständlich lange Fußmärsche auf sich zu nehmen, um an einigermaßen genießbares Wasser zu gelangen. Sie tragen es auf dem Kopf nach Hause und machen diese Wege oftmals mehrfach am Tag. Heute schon gibt es Befürchtungen, Kriege könnten um das Wasser geführt werden. Was passiert, wenn wie jetzt in Japan das Wasser radioaktiv verseucht wird, wenn selbst das Meer nicht mehr ausreicht, um diesen höchst problematischen Müll zu verdünnen? Wann werden auch wir hier das Jod oder das Cäsium in unserer Nahrungskette haben?

Die nächste Station war nur ein kurzes Stück weiter entfernt. Oberhalb der Putenschlächterei machten sich die Frauen Gedanken um das Fleisch als Nahrungsmittel, die Nachteile der Massentierhaltung für Mensch und Umwelt aber auch über die Belastung unserer Umwelt mit CO2. In den vergangenen Wochen ließen uns die Nachrichten über den Bio-Sprit aufhorchen. Leider kam der Widerstand weniger wegen des Verbrauchs von Nahrungsmitteln zu Brennstoff auf, sondern eher aus Angst , das heilige Blechle damit zu ruinieren. Durch dieses Verbrennen von Nahrungsmitteln sind die Getreidepreise weltweit angestiegen und zum Spekulationsobjekt degradiert worden. Für die Armen der Ärmsten hat dies katastrophale Auswirkungen. Sie können sich nicht einmal mehr den Getreidebrei leisten, weil die Menschen in den reichen Ländern lieber mit diesem Getreide Auto fahren. Ist es nicht wirklich an der Zeit Verantwortung für die uns anvertraute Schöpfung zu übernehmen?

Der längste Wegabschnitt endete im Park des hiesigen Pflegezentrums. Vielen Menschen fällt es schwer, hierher umzuziehen., Ja sie fürchten sich davor, ihre Selbständigkeit zu verlieren. In einer immer älter werdenden Gesellschaft lässt es sich nicht vermeiden, dass irgendwann der Punkt kommt, an dem man nicht mehr alleine leben kann. Es ist eine Aufgabe, der wir uns schon in jüngeren Jahren stellen sollten. Es gibt ja Möglichkeiten in altersübergreifenden Wohnmodellen wie z.B. dem Riedlinger Projekt zu wohnen, in eine sogenannte Residenz umzuziehen oder eine Alten-WG mit eigener Pflegerin zu gründen. Wichtig ist, hierüber nachzudenken, ehe es zu spät ist. Näher zu beleuchten war ebenfalls die Situation der Pflegekräfte. Meist sind es auch hier die Frauen, die in diesen Berufen Arbeit finden. Einem Beruf, der äußerst anstrengend ist, der an den Nerven zerrt und die Frauen oftmals an den Rand der Erschöpfung bringt. Aus den  Medien entnehmen wir , wenn Missstände auftreten. Das größte Problem in den Einrichtung ist aber oftmals, dass es zu wenig geschultes Personal gibt, weil die nervliche und körperliche Belastung enorm hoch ist. Auch der Umgang mit Sterbenden ist psychisch höchst anstrengend. Es soll niemand in Schutz genommen werden, der Gewalt gegen alte Menschen ausübt, aber wir müssen sensibilisiert werden, in welcher Überforderung auch viele Pflegende leben müssen.

Organistin Else Bach empfing die Gruppe in der Martinskirche musikalisch. Hier wurde den Frauen nochmals eindrücklich mit Worten der Ermutigung vermittelt, dass wir auf Gottes Kraft vertrauen dürfen, wenn wir selber nicht mehr handeln können. Jede Frau bekam einen Nagel, als Symbol dafür, dass Nägel tragen können, was schwer ist und dass Leiden und Not in Gottes Händen gut aufgehoben sind.
Das Opfer dieses Kreuzweges wird wieder einmal für das Frauen- und Kinderschutzhaus in Schwäbisch Hall zur Verfügung gestellt. Mit einem Mut machenden Segen wurden die Frauen zur Todesstunde Jesu in den Nachmitttag entlassen.


Pflege braucht Zukunft - EFW Unterschriftenaktion 2012

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