Begegnung von Leiterinnen und Leitern kirchlicher Bildungseinrichtungen mit Muslimen und Musliminnen

23.04.10 | 08:25 | 

 

bei der Konferenz der Einrichtungen der Württembergischen Landeskirche

Vom 14. bis 15. April tagte die Konferenz der Bildungseinrichtungen der Württembergischen Landeskirche in Löwenstein unter dem Thema „Evangelisch in der multikulturellen Gesellschaft“. Der Schwerpunkt lag bei der Begegnung mit Muslimen und dem Islam.

Ins seinem Grußworte wies OKR Dr. Heckel auf die Bedeutung der Konferenz und des diesjährigen Themas hin, zu dem sich die EKD, die Arbeitsgemeinschaft der Christlichen Kirchen (ACK) und die Württ. Landeskirche mehrfach geäußert haben. Er erinnerte insbesondere an die Aussage der Handreichung der EKD „Klarheit und gute Nachbarschaft“, dass im interreligiösen Dialog sowohl der eigene Wahrheitsanspruch wie der der Dialogpartner zu achten sei. Nur ein ehrlicher Dialog sei hilfreich.

Im einführenden Vortrag von Prof. Dr. Katja Baur von der Ev. Hochschule Ludwigsburg wurden verschiedene Modelle des Dialogisierens vorgestellt und bewertet und durch die interreligiöse und missionarische Arbeit der evangelischen Schnellerschule in Ammann anschaulich erläutert. Pluralitätsfähigkeit sei und bleibe unverzichtbarer Teil des protestantischen Profils und zugleich eine bleibende Herausforderung. „Mission ohne Wertschätzung der Kultur und Religion von Menschen ist Perversion der christlichen Idee der Liebe.“ Der Protestantismus müsse jedoch aus der reinen Hörhaltung heraustreten; er sei es den anderen schuldig, nicht nur zu lernen, sondern auch zu lehren. Denn die Fähigkeit zur religiösen Mehrsprachigkeit sei ein unverzichtbarer Beitrag zur Friedensarbeit. „Wer die Heiligen Schriften heiligt wird auch den Frieden heiligen.“

Im Gespräch mit fünf muslimischen Frauen und Männer, die in die Tagung einbezogen wurden, kamen die Herausforderungen zur Sprache, denen sich landeskirchliche Einrichtungen stellen, wenn sie in den Austausch mit Muslimen und Muslimas treten.

Exemplarisch wurden Projekte aus der Jugendarbeit, der Erwachsenenbildung und der Arbeit mit Frauenvorgestellt, über interreligiöse Schulfeiern, das neugegründete „Interreligiöse Lehrhaus“ in Stuttgart und über interkulturelle Orientierung als diakonische Qualität diskutiert.

Eindrücklich und heiter waren die abendlichen Interviews mit den fünf muslimischen Teilnehmerinnen und Teilnehmern über ihre Erfahrungen mit Kirchen und Gemeinden in Deutschland. Vorurteile und Fremddefinitionen – „Ich möchte nicht auf mein Kopftuch oder abstrakte Bilder vom Islam reduziert werden, sondern als Individuum wahrgenommen werden“ – wurden ebenso angesprochen wie eine vielfach zu beobachtende erfreuliche Normalität des Zusammenlebens: „Im Gespräch entdecken wir uns jedes Mal neu“. Problematisch seien nicht klare religiöse und theologische Profile, sondern menschliche Abgrenzungen und Verletzungen und die Pflege von Zerrbildern.

 

Der inhaltliche Teil der Tagung wurde mit einem Perspektivgespräch zwischen Vertretern verschiedener innerkirchlicher Richtungen und einer Aussprache abgeschlossen. Darin wurde daran erinnert, dass die multikulturelle Situation die Ursprungssituation des Christentums war und die Kirchen in Deutschland derzeit eine „Rückkehr zur Normalität“ erleben. Die kulturelle Freiheit sei ein Charakteristikum des Christentums. Die multikulturelle und globale Situation erfordere jedoch auch, dass jeder erkennbar sei. Diskutiert wurde, wie mit dem Phänomen Angst als Grundkonstante in der Begegnung mit dem Fremden in den Gemeinden umzugehen sei. Weitgehender Konsens bestand darin, dass im Dialog Stärkung erfahren werde und dass die Förderung der religiösen und theologischen Sprachfähigkeit eine der zentralen Aufgaben kirchlicher Bildungsarbeit sei.

Die Tagung schloss mit Verständigungen über künftige Kooperationen und Handlungsstrategien.

 

Bettina Hertel / Helmut Dopffel

Im Auftrag des Koordinierungsausschusses der Konferenz der Einrichtungen

 


Tagung für Adoptiveltern

Bindung in unterschiedlichen Alters- und Entwicklungsstufen
16. bis 17. Oktober 2010 in der Evang. Akademie Bad Boll

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