"Viele Frauen sind nur einen Mann weit von der Armut entfernt“, so Christine Rudolf, Referentin und Buchautorin, MdL, in ihrem Referat auf der Jahrestagung der Evangelischen Frauen in Württemberg. Dort diskutierten fünfzig Vertreterinnen aus Bezirken und Verbänden über Fragen von Geld und Lebensmöglichkeiten. Ein geringes Einkommen von Frauen, so Rudolf, sei seit Jahrhunderten unverändert, während sich die rechtliche Stellung der Frauen verändert habe. Sie sprach sich entschieden für die Einführung eines Genderbudgeting in den öffentlichen Haushalten aus und appellierte zugleich an die Eigenverantwortung jeder Frau. Jede solle selbst überlegen, ob sie einen Betrag für Schokolade oder für Alterssicherung ausgeben wolle.
Frau Prof. Dr. Ulrike Wagener ergänzte in ihrem theologischen Referat zum Thema Frauen und Geld paulinische Gedanken zur Frage der Ökonomie. Die Theologie von Paulus sei sehr materiell und auf ökonomische Realität ausgerichtet. Für Paulus stehe Gott auf der Seite der Armen. Die Bibel formuliere insgesamt eine göttliche Ökonomie, die auf eine umfassende Gerechtigkeit zulaufe. So ereigne sich Fülle da, wo sie vorausgesetzt werde, nicht wo sie angestrebt werde.
Das Thema „Geld oder Leben - gerechte Teilhabe für alle“ wird der Themenschwerpunkt in den Veranstaltungen der Evangelischen Frauen im Jahr 2010.
Auf der Jahrestagung wurden entsprechende thematische Workshops angeboten, beispielsweise wie Geld sich auf Engagement im Ehrenamt auswirkt und welche Modelle von Existenzsicherung es gibt. Auch gab es ein Gesprächsangebot mit einer Vertreterin von pecunia, einem Netzwerk für Frauen, die ein großes Erbe antreten.
Dass die Fragen nach Geld auch die Evangelischen Frauen selbst betreffen, wurde bei der Hauptversammlung deutlich, die zu Beginn der Jahrestagung stattfand. In einer Resolution äußerten die Vertreterinnen der Bezirks- und Verbandsarbeit ihren Einspruch gegen die Vorgabe immer neuer Kürzungen im Bereich der Arbeitsstellen der Evangelischen Frauen.
Zum Abschluss der Hauptversammlung wurde das zwanzigjährige Jubiläum der Arbeitsgemeinschaft Evangelischer Haushaltsführungskräfte gefeiert. Bärbel Koch-Baisch, stellvertretende Vorsitzende der Evangelischen Frauen in Württemberg, würdigte die Arbeitsgemeinschaft, die über die Jahre mit Kraft, Geduld und langem Atem Ernährungsfragen als öffentliches Anliegen im vorparlamentarischen Bereich kritisch zur Sprache gebracht hatten. Annemarie Keppler, Vorsitzende der AEH wies auf die schwierigen Rahmenbedingungen hin, unter denen die Frauen sich für diese Belange einsetzten.
Die Versammlung schickte einen Gruß an Ruth Braun, die ihren 90. Geburtstag feierte und von 1975-1986 elf Jahre lang im Vorstand der Frauenarbeit – Vorgängerorganisation von EFW – aktiv gewesen ist.
Bettina Hertel
Bindung in unterschiedlichen Alters- und Entwicklungsstufen
16. bis 17. Oktober 2010 in der Evang. Akademie Bad Boll
Der Newsletter der Evangelischen Frauen in Württemberg erscheint zweimal jährlich.
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