Lied: EKG 1, Macht hoch die Tür


Beim Blick auf den Kalender habe ich gestern realisiert: Dieses Jahr ist die Adventszeit mal wieder nur drei Wochen lang! Kürzer geht es gar nicht. Schade, denn ich mag diese Zeit der Erwartung und Besinnung, die den oft trüben Tagen etwas wunderbar Feierliches, Bedeutungsvolles geben kann. Advent, die Ankunftszeit, in der wir uns besonders darauf vorbereiten, was sich an Weihnachten erfüllt. Die intensive Erinnerung, dass Gott in Jesus für uns lebendig geworden - geboren ist, damals in Bethlehem, im Stall.

Diese Zeit ist heutzutage angefüllt mit Vorbereitungen. Es muss wieder vereinbart werden, welche Teile der Familie wann mit wem und wo feiern. Wie das alles ablaufen soll (Hoffentlich ‚bekommt‘ unsere Familie den Oma- und Opa Besuch an Heilig Abend, oder sind dieses Jahr andere Enkel damit an der Reihe?). Was es zu Essen gibt (etwas leckeres Traditionelles oder etwas Experimentelles?). Unsere frohen Erwartungen sind oft hoch, der Aufwand groß. Manchmal größer, als wir ihn uns wünschen.

Und dann das Besorgen der Geschenke. Finde ich für alle etwas Passendes? Womit machen wir uns eine Freude, wenn wir doch eigentlich alles haben? Womit beglücken wir unsere Kinder und lassen sie gleichzeitig spüren, was der Kern von Weihnachten ist? Es ist schön, andere zu bedenken und sich etwas zu schenken, dabei ist es nicht immer einfach, die eigenen Erwartungen und die Erwartung der anderen gleichermaßen zu erfüllen.

In Lukas 10, 38-42 hören wir folgende Geschichte:
Maria und Marta: Als sie aber weiterzogen, kam er in ein Dorf. Da war eine Frau mit Namen Marta, die nahm ihn auf. Und sie hatte eine Schwester, die hieß Maria; die setzte sich dem Herrn zu Füßen und hörte seiner Rede zu. Marta aber machte sich viel zu schaffen, ihnen zu dienen. Und sie trat hinzu und sprach: Herr, fragst du nicht danach, dass mich meine Schwester lässt allein dienen? Sage ihr doch, dass sie mir helfen soll! Der Herr aber antwortete und sprach zu ihr: Marta, Marta, du hast viel Sorge und Mühe. Eins aber ist not. Maria hat das gute Teil erwählt; das soll nicht von ihr genommen werden.

Da sind also die beiden Schwestern. Die eine bietet ihre ganze Gastfreundschaft auf. Sie ist beschäftigt und dabei sogar gestresst, sie kümmert sich um Jesus. Sie wünscht sich, dass Jesus das sieht. Sie empfindet es als ungerecht, dass ihre Schwester ihr gar nicht hilft.

Und dann diese Antwort von Jesus: Maria hat das gute Teil erwählt, aber Martha soll sich nicht so sorgen.
Maria hat das gute Teil erwählt. Sie hat die Wahl selbst getroffen. Sie wählt die Begegnung mit Jesus. Sie wählt die menschliche Zuwendung. Sie hört seine Worte.

Martha hingegen ist die Initiatorin der Begegnung: Sie ist es, die Jesus einlädt. Sie macht den Rahmen schön. Sie versorgt die Gäste. Sie spielt eine wichtige Rolle in der Begegnung. Doch ihr Einwand zeigt: ganz glücklich ist sie nicht, mit ihrer Rolle.

Was können wir aus dieser Geschichte von Maria und Martha mit hineinnehmen in die kommende Adventszeit?
Wir können lernen, wenn wir den Rahmen für Advent und Weihnachten bereiten, uns dabei nicht mehr Sorgen und Mühe zu machen, als sich für uns selbst richtig anfühlt. Nicht über unsere eigene Schaffenskraft hinaus.

Konkret könnte das doch heißen: Koche und backe ich gerne? Wenn das eigentlich nicht meine Lieblingstätigkeit ist, dann geht es vielleicht auch anders: Plätzchen kann ich kaufen (oder weglassen). Es könnte etwas Einfaches zu Essen geben. Vielleicht lassen sich verschiedene Gänge auf verschiedene Kochende verteilen? Was ist mit Advents- und Weihnachtsdekoration, wie viel davon ist mir selbst eine Freude, um das Kind in der Krippe willkommen zu heißen? Was stresst mich und darf wegfallen? Und zum Schenken: wann macht es mir Mühe und Sorge? Wie könnten wir uns ‚müheloser‘ beschenken?

Wir können noch mehr von den beiden Schwestern lernen. Wir können lernen, das gute Teil zu wählen. Gute Begegnungen zu suchen mit anderen, die uns dieses Jahr im Advent begegnen. Zum Beispiel an der Bushaltestelle, im Stau oder in der S-Bahn. Beim Bezahlen an der Supermarktkasse oder in der Familie.
Konkret könnte das doch heißen: Ihnen allen ein freundliches Lächeln schenken, ein herzliches Wort an sie richten, ihnen unsere Aufmerksamkeit anbieten. Maria schenkt Jesus ihre Aufmerksamkeit als Zuhörerin, Marta schenkt Jesus ihre Aufmerksamkeit als Gastgeberin. Wem/was könnten wir unsere Aufmerksamkeit schenken in der kommenden Adventszeit – und zwar ganz nach unseren eigenen Kräften?
Advent, das ist die frohe Erwartung der Ankunft Jesu. In unseren Begegnungen und im Sich-einander-Zuwenden kommen wir dieser frohen Erwartung näher.
Wir haben die Wahl. Volle drei Wochen lang.

Segen
Gott segne euch im Advent;
und schenke euch den Mut,
das zu wählen, was wichtig ist.
Gott schenke euch gute Begegnungen,
die euch wohl tun und Tiefe haben.
So segne und behüte euch Gott,
erhebe das Angesicht auf Euch und schenke euch Frieden.
Amen.


Maren Dechant, Referentin EFW


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