Annegret Braun

Beratungsstelle für Pränatale Untersuchung und Aufklärung (PUA)

Annegret Braun berät werdende Eltern vor und nach der pränatalen Untersuchung und gibt ihnen Selbstvertrauen.

Wenn gute Hoffnung zur bösen Ahnung wird...

Annegret Braun
Annegret Braun

Wenn sie vor öffentlichen Vorträgen aufgeregt ist, summt sie oft eine Melodie in sich hinein. Das macht Annegret Braun Mut. Erst danach fällt ihr der Text dazu ein: "Hilf, dass ich rede stets, womit ich kann bestehen, lass kein unnützlich Wort aus meinem Munde gehen", heißt es in dem Kirchenlied "O Gott, du frommer Gott". Sie lächelt, während sie dies erzählt. Sie weiß, dass sich zu ihren leisen Tönen eine gehörige Portion Hartnäckigkeit gesellt. Ohne die gäbe es ihre Arbeit nicht.

Beratungsmöglichkeit fehlte völlig

Annegret Braun leitet die Beratungsstelle für Pränatale Untersuchung und Aufklärung (PUA). Sie berät werdende Mütter und Eltern, die sich überlegen, eine vorgeburtliche Untersuchung machen zu lassen, und auch Frauen, deren Test einen auffälligen Befund ergeben hat. Die Stelle, die zum Diakonischen Werk Württemberg in Stuttgart gehört, hat sie vor fünf Jahren selbst geschaffen. Zuvor hatte die Kinderkrankenschwester und ausgebildete Seelsorgerin elf Jahre lang in der Abteilung für Frühgeborene des Stuttgarter Olgakrankenhauses als Seelsorgerin gearbeitet. In dieser Zeit begleitete sie über 400 Kinder beim Sterben und erlebte, "was Schwangere durchmachen, sobald sie erfahren, dass ihr Kind behindert sein wird. Sie verlieren vollkommen die Beziehung zu ihrem Kind." Es gab damals keine Angebote für Frauen, die nicht wussten, ob sie sich für oder gegen eine pränatale Untersuchung und – bei entsprechendem Befund – für oder gegen Abtreibung entscheiden sollten. Diesen Mangel hat Annegret Braun in Stuttgart behoben.

Sie berichtet von einer Frau, die sich zunächst sehr über ihre Schwangerschaft freute, auf die sie drei Jahre gewartet hatte. "Die Freude war zerstört, nachdem sie vom Arzt kam. Für ihn war sie eine alte Frau mit einer Risikoschwangerschaft, nur weil sie 37 Jahre alt war. Plötzlich befand sich die Frau in einem Konflikt. Ich helfe den Frauen, wieder Vertrauen zum eigenen Leben zu fassen, wie es auch immer weiter gehen wird, mit oder ohne Kind."
Ihre frühere Auffassung, dass es für Eltern gut ist, von einer Behinderung ihres Kindes schon vor der Geburt zu wissen, hat sich geändert. "Für das Personal ist es leichter, weil die Frauen nach der Geburt gefasst sind. Aber für die Mütter und Väter ist es viel schwerer, eine Beziehung zum Kind aufzubauen, weil es bereits während der Schwangerschaft abgelehnt wurde. Wenn die Eltern vorher nichts wissen, sind sie zwar zunächst schockiert und ungehalten, aber sie haben zu dem Kind bereits ein Verhältnis entwickelt. Ist es erst da, trägt das Kind selbst positiv zur Beziehung bei."

Apfelsaft und Kekse für die Gäste

1989 strichen die Krankenkassen das Sterbegeld. Seitdem kämpft Annegret Braun auf allen politischen Ebenen dafür, dass Eltern eines verstorbenen Neugeborenen bei der Bestattung finanziell unterstützt werden. Die Beerdigung kann bis zu 3000 Mark kosten. Ebenso setzt sie sich dafür ein, dass Fehlgeburten nicht zwangsläufig im Klinikmüll landen, sondern von den Eltern bestattet werden können.

"Zu mir kommen nicht Klienten, sondern Gäste", beschreibt die 51-Jährige ihr Beratungsverständnis. Blumen, Apfelsaft und Kekse fördern die Gesprächsatmosphäre. Die Gäste bestimmen das Ende der Beratung selbst. Zwei bis drei Stunden pro Sitzung sind keine Seltenheit. Nur am Wochenende hat Annegret Braun Zeit für Klavier, Bücher, Kinobesuche. Fasziniert spricht sie von dem Film "Brot und Tulpen": "Dort werden Menschen, die mir zunächst unsympathisch waren, so dargestellt, dass ich sie nach zwei Stunden liebe. Das ist eine Erfahrung, die ich auch in meinem Beruf immer wieder mache."

Justine Schuchardt
(aus: Diakonie Report September 2001 - Wir danken der Redaktion und der Autorin für diesen Beitrag)

So erreichen Sie PUA
Diakonisches Werk der evangelsichen Kirche in Württemberg e. V.
PUA-Beratungsstelle zu vorgeburtlichen Untersuchungen und bei Risikoschwangerschaften
Diakonin und Kinderkrankenschwester Annegret Braun
Heilbronner Straße 180
70191 Stuttgart

Telefonische Beratung:
Di - Fr, 9.00 - 12.00 und 14.00 - 16.00 Uhr
Tel: 0711 - 1656-341
Fax: 0711 - 1656-329

Termine nach Vereinbarung
Die Beratung ist kostenfrei.

pua[at]diakonie-wuerttemberg.de


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