"Beten und Tun des Gerechten." Diesen Spruch von Dietrich Bonhoeffer hat Bärbel Wartenberg-Potter zu ihrem Motto gemacht. Nicht erst jetzt, als Bischöfin der Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche, ist es ihr besonders wichtig, ihren Worten Taten folgen zu lassen.

Bärbel Wartenberg-Potter wurde 1943 in Pirmasens geboren. Fünf Jahre lang studierte sie Germanistik und Theologie und arbeitete anschließend zehn Jahre lang in den Bereichen Mission, Ökumene und Entwicklung, zunächst in der Prälatur Reutlingen, später im Zentrum für entwicklungsbezogene Bildung in Stuttgart. In dieser Zeit rückte ganz besonders das Thema Südafrika in ihren Blickpunkt, und Bärbel Wartenberg-Potter engagierte sich lange Jahre intensiv in der Anti-Apartheid-Arbeit.
Nach fünfjähriger Tätigkeit als Direktorin beim Weltkirchenrat ging sie gemeinsam mit ihrem Mann nach Jamaika, wo sie Theologiestudierende unterrichtete. Von dort aus wechselte sie 1991 in ein Gemeindepfarramt in Botnang und sechs Jahre später als Geschäftsführerin zur Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland. Seit 2001 ist sie Bischöfin im Sprengel Holstein-Lübeck der Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche. Sie ist damit eine der ersten Frauen im Bischofsamt.
In allen beruflichen Stationen ihres Lebens nahm sich Wartenberg-Potter ganz besonders der Ökumene und den Frauen an. Schon vor Jahren plädierte sie dafür, dass mehr Frauen in leitende Ämter gewählt werden, denn Frauen sind ihrer Meinung nach besser in der Lage, sich für ein entspanntes Verhältnis zwischen den Konfessionen einzusetzen. "Frauen sind mehr am Konkreten, am Praktischen orientiert", erzählt sie und begründet dies mit der Sozialisation von Frauen: "Sie hatten oftmals nicht die Möglichkeit, theologische Inhalte so zu verinnerlichen und intensiv zu vertiefen, wie es Männer in langen Jahren des Studiums tun können."
Zusammen mit vielen anderen Frauen engagiert sich Bärbel Wartenberg-Potter in der Weltgebetstagsorientierung, die neue Wege beschreitet. Frauen verschiedener Konfessionen und Nationalitäten feiern gemeinsame Gottesdienste und lernen sich gegenseitig kennen. Hier entsteht eine Annäherung der Konfessionen, während "auf der Männerebene die Ökumene da keine Fortschritte macht." Bärbel Wartenberg-Potter geht sogar soweit zu sagen, dass sie oft mehr Gemeinsamkeiten mit den Schwestern anderer Konfessionen findet, als mit ihren Brüdern aus derselben Konfession.
Besonders stark engagiert sich Bärbel Wartenberg-Potter für den Dialog zwischen Christinnen, Muslima und Jüdinnen, und initiiert beispielsweise eine Gesprächsrunde von christlichen und muslimischen Frauen. In dieser Runde können aktuelle Themen aus Frauenperspektive angeschaut werden, damit "das Kopftuch nicht nur von den Herren der Schöpfung" diskutiert wird. In diesem Punkt ist Bärbel Wartenberg-Potter nämlich nicht einer Meinung mit vielen ihrer Kollegen. Begegnung und Verständigung führt zum Verständnis füreinander. Und so hat Bärbel Wartenberg-Potter in ihrem Leben gelernt, dass man Menschen anderer Kulturen nicht das eigene Lebenskonzept "aufbrummen" kann.
Anika Küster
Bindung in unterschiedlichen Alters- und Entwicklungsstufen
16. bis 17. Oktober 2010 in der Evang. Akademie Bad Boll
Der Newsletter der Evangelischen Frauen in Württemberg erscheint zweimal jährlich.
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