Barbara Hering

Gesprächskreis "Kirche für morgen"

"Alles begann mit einer Diplomarbeit", erzählt Barbara Hering, die damals noch Barbara Gehrig hieß und Sozial- und Religionspädagogik studierte.

Barbara Hering
Barbara Hering

Als sie sich für das Thema "Churchplanting" entschied, wusste Sie nicht, dass sie ein halbes Jahr später für eine Gruppe in der württembergischen Landessynode sitzen würde, von der sie bis dahin noch nicht einmal den Namen kannte.

Bei den Recherchen für Ihre Diplomarbeit, lernte die Studentin Reinhold Krebs kennen, Jugendreferent und Vorsitzender einer neu gegründeten Initiative namens "Kirche für morgen". Deren Programm für die anstehenden Synodalwahlen 2001 überzeugte sie, so dass sie sich "kurz entschlossen" als Kandidatin der "Kirche für morgen" aufstellen lies – und gewählt wurde.

"Jugendliche haben viel Energie"

Die Kirche müsse sich viel stärker auf unterschiedliche Lebenswelten einlassen, fordert Barbara Hering, wenn sie über die Ziele ihrer Arbeit in der Synode spricht. "Es muss Gottesdienste, sogar Gemeinden geben, die ganz anders sind und andere Menschen ansprechen", sagt sie. Jeder müsse eine Gemeinde finden können, die ihm entspreche. "Lebensweltgemeinden", die sich auf Jugendliche, Studenten oder junge Familien konzentrierten, sollten das parochiale System ergänzen. Barbara Hering wünscht sich Gemeinden, die "gabenorientiert funktionieren" und in denen "das Priestertum aller Gläubigen gelebt" wird. "Bisher", so die Synodalin, "fühlt sich der Pfarrer für alles verantwortlich oder wird von den Gemeinden für alles verantwortlich gemacht".

Als Zwei-Personen-Gesprächskreis sind die Möglichkeiten von Barbara Hering und ihrem Mitstreiter Markus Munzinger begrenzt, auf die Geschicke der Landeskirche Einfluss zu nehmen. Aber: "Es gibt Situationen, wo wir das Zünglein an der Waage sind", weiß die Synodale. Ohne die Stimmen der "Kirche für morgen" wäre Frank Ottfried July nicht im ersten Wahlgang gewählt worden, verrät sie. Im letzten Sommer gelang es Barbara Hering mit einem Antrag, den auch Mitglieder anderer Gesprächskreise unterstützten, für Aufsehen zu sorgen. Von der Kirche beauftragte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollen künftig Abendmahlsfeiern in Hauskreisen oder anderen Gemeindegruppen leiten können, so ihr Anliegen.

An traditionellen kirchlichen Strukturen reibt sich Barbara Hering auch außerhalb der Synode. Nach dem Studium wurde sie Jugendreferentin beim CVYM in Herrenberg und stürzte sich "mit viel Begeisterung" in die Ten-Sing-Arbeit, ein missionarisches Projekt, bei dem Jugendlich im Verlauf eines Jahres eine so genannte "Show" mit Musik, Tanz und Theater auf die Beine stellen. Aus Ten-Sing entstand die "Powerstation", eine "Mischung aus Glaubensgrundkurs und Jugendgottesdienst", wie sie sagt. Doch dann habe es "ganz starke inhaltliche Differenzen" zwischen den "charismatisch angehauchten" Jugendmitarbeitern und der Kirchengemeinde gegeben, die sich eine "klassisch orientierte Jugendarbeit" wünschte.

Barbara Hering kündigte und fand eine neue Stelle, diesmal "überhaupt nichts kirchliches". Im Projekt "Ländle go global" half sie deutschen und ausländischen Jugendlichen, sich mit ihren verschiedenen kulturellen Hintergründen auseinanderzusetzen und aufeinander zuzugehen. Seit Februar ist das Projekt zu Ende. Barbara Hering möchte auch in Zukunft wieder mit Jugendlichen arbeiten. Es macht ihr Spaß, die Fähigkeiten von Jugendlichen zu erkennen und deren Potential zu fördern. "Jugendliche haben viel Energie, aus der ganz tolle Sachen entstehen können", sagt 31-Jährige, "das finde ich das Schöne daran".

Barbara Hering war die meiste Zeit ihres Lebens katholisch. Ihre Eltern – der Vater katholisch, die Mutter evangelisch – "wollten aber, dass ich selbst entscheiden kann", erzählt sie. Und so ging Barbara Hering weder zur Erstkommunion, noch zur Firmung. Als Teenager lernte sie die evangelische Jugendarbeit in Leinfelden-Echterdingen kennen, besuchte den Jugendkreis und Freizeiten und kam zum Glauben. Nach der Schule studierte sie in Tübingen fünf Semester lang Medizin, bevor sie merkte, "dass ich wahrscheinlich nicht glücklich werde im Arztberuf". Mit ihrer Entscheidung, das Studium aufzugeben und an der Karlshöhe Sozial- und Religionspädagogik zu studieren, traf sie auch einen anderen Entschluss: Sie wurde evangelisch. Dass ein Studium an der evangelischen Fachhochschule sonst nicht möglich gewesen wäre, war für Barbara Hering der Anlass für ihren Übertritt. Das konfessionelle Lager zu wechseln, sei aber "kein schwerer Schritt" gewesen, sagt sie im Rückblick, "sondern konsequent und nahe liegend".

Seit Juli 2004 ist Barbara Hering verheiratet. "Ich genieße es, verheiratet zu sein, und ich erlebe, dass auf der Ehe ein Segen liegt", sagt sie. Die Ehe habe einen "Qualitätsschub" für ihre Beziehung gebracht, den sie nicht erwartet hätte. "Ich sehe bei anderen Beziehungen, wo sich Paare nicht zur Heirat durchringen können, dass ein Unsicherheitsfaktor bleibt", erklärt sie. Man halte sich eben doch ein Hintertürchen offen. Durch die Ehe gebe es zwar "auch mehr Reibungspunkte aber dadurch gewinnt die Beziehung auch an Qualität und Tiefe".

Andreas Föhl


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