Beate Meinzolt, Leiterin des Fraueninformationszentrums (FIZ)

"Was nicht zur Tat wird, hat keinen Wert"

Dass Beate Meinzolt in Württemberg gelandet ist, hat sie den Bayern zu verdanken. Nach der Schule wollte sie Diakonin werden und im bayrischen Rummelsberg ihre Ausbildung machen.

Beate Meinzolt
Beate Meinzolt, Leiterin des Fraueninformationszentrums (FIZ)

Doch dort waren damals Frauen noch nicht zugelassen. Daraufhin ist sie nach Württemberg gekommen und hat 1978 auf der Karlshöhe in Ludwigsburg die Ausbildung zur Jugend- und Heimerzieherin begonnen und danach ein Praktikum bei geistig behinderten Menschen gemacht. Eine Einrichtung der evangelischen Jugendhilfe in Hochdorf war ihre nächste Station als Sozialdiakonin. Dann folgte eine Kinderpause, in der sie sich um ihre zwei inzwischen 20 und 16 Jahre alte Töchter kümmerte. Auf der Karlshöhe hat sie später Beratung für Studierende gemacht, war in der Studentengemeinde aktiv und bot Seelsorge für Studentinnen an.

1996 wird Beate Meinzolt auf einen Modellstudiengang an der evangelischen Fachhochschule in Reutlingen aufmerksam und bleibt bis 1999. Dass dort feministische Theologie und feministische Sozialarbeit gelehrt werden, gefällt ihr. "Aus Sicht der Frauen brauchen wir diese parteiliche Sozialarbeit. Frauen brauchen eben andere Angebote", so Meinzolt.

"Unrecht beim Namen nennen"

Folgerichtig handelt ihre Diplomarbeit auch von "Frauen, Kirche, Gewalt". Dieses Thema soll sie bis heute nicht loslassen. "Denn dass Frauen häufig Opfer von Missbrauch sind, auch in kirchlichen Kreisen, und dass unsere eigene Geschichte bis hin zur Opfertheologie die Gewalt gegen Frauen fördern kann, das sind nicht nur Erkenntnisse aus meiner Diplomarbeit, sondern das ist traurige Realität".
Seit dem Jahrtausendwechsel ist Beate Meinzolt beim Verein für Internationale Jugendarbeit tätig. Zusammen mit vier Kolleginnen bewältigt sie da ein Pensum von 250 Stellenprozenten. Derzeit hat sie als Leiterin des Fraueninformationszentrums FIZ vor allem mit Migrantinnen zu tun, und so mit dem Problem der häuslichen Gewalt, mit Menschenhandel und Zwangsprostitution.

Auf die Frage, wie sie diesen permanenten Umgang mit Gewalt erträgt und trotzdem so fröhlich und gelöst sein kann, antwortet sie, das sei auch ein Teil ihrer Herkunft. Beate Meinzolt stammt aus einer Familie mit fünf Geschwistern. Beide Eltern waren in der Kirche tätig. Sie hat die Atmosphäre eines protestantischen Pfarrhauses erlebt und sie war immer wieder gezwungen und hat das auch bei ihren Eltern erlebt, Stellung zu beziehen. "Was nicht zur Tat wird, hat keinen Wert", lautet darum auch einer ihrer Wahlsprüche. "Unrecht beim Namen nennen" ein anderer. Frömmelei ist ihr fremd.

Und dann ist da noch die Musik. Beide Eltern haben musiziert. Der Vater war ein bekannter Kirchenmusiker. Beate Meinzolt spielt selbst gern Klavier. "Neben dem Schweren in der Arbeit ist das etwas, was den Geist frei macht", meint sie lachend. Ihre Töchter konnten mit der Musik nicht so viel anfangen. Eine ist ins Modefach gegangen, die andere wird Floristin.

Beate Meinzolt ist eine politische Frau. "Ich will was bewegen", bekennt sie. "ich will die Situation der betroffenen Frauen verbessern, verändern". Dass sie oft genug aber auch "hilflos gegen Phänomene, die groß angelegt sind", ist, weiß sie. Sie denkt dabei etwa an die organisierten Banden, die Frauen aus osteuropäischen Ländern oft unter falschen Versprechungen nach Deutschland locken oder schaffen und sie dann in die Prostitution zwingen. "Dabei die Balance zu halten zwischen nicht frustriert sein und nicht aufzugeben, ist nicht immer leicht", so die Frau mit den kurzen schwarzen Haaren, die sich gerne auch schwarz kleidet. Doch der Schmuck um den Hals, am Handgelenk und den feingliedrigen Händen zeigt neben dem Dunklen die helle, strahlende Seite.

Bei ihrer Arbeit komme ihr hohes Unrechtsbewusstsein zugute. "Ich schaue genau hin. Ich will wissen, wer Opfer und wer Täter ist. Und Gewalt gehört bestraft". Im Gespräch mit den betroffenen Frauen will Beate Meinzolt genau hinhören. Sie nennt das den "systemischen Ansatz", den sie in ihrer Beratung anwendet. Was wollen die Frauen für ihre Zukunft, fragt sie oft, um dann gleich anzumerken: "Sie wollen halt, wie wir auch, geliebt und anerkannt werden. Sie wollen was lernen und sie wollen in ihrem Leben einen Sinn sehen können".
Bei den "Gesprächen auf Augenhöhe" mit Frauen haben sie großen Respekt gewonnen, vor allem vor den Überlebensstrategien der Einzelnen. "Das bewundere ich". Und alle Frauen fänden, wenn sie lange genug suchten, auch etwas, wobei es ihnen gut ginge. Kräfte für diese Suche will Beate Meinzolt wecken.

Klaus Rieth


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