Brigitte Rachel, Vorsitzende des Evangelischen Berufstätigenwerks Württemberg

"Ich steig halt ein, wenn's nötig ist."

Schneiderin oder Verkäuferin wollte sie nicht,  Tankwart durfte sie nicht werden. Das sei nichts für Mädchen, hieß es. Sie aber wollte anpacken, mit ihren Händen arbeiten, und so entschied sie sich für eine Gärtnerlehre. Inzwischen hat sie mehrere Berufe durchlaufen und auch im Ruhestand noch einmal richtig angepackt: Brigitte Rachel, die Vorsitzende und Geschäftsführerin des Evangelischen Berufstätigenwerks in Württemberg (EBW). „Ich hatte keine Ausrede und steig’ halt ein, wenn’s nötig ist“, sagt sie.

Brigitte Rachel
Brigitte Rachel

In Mannheim 1942 geboren und aufgewachsen, arbeitet sie nach ihrer Lehre noch zwei Jahre als Gärtnergehilfin, bis sie im Alter von 21 Jahren ein 18-monatiges Haushaltspraktikum in Schömberg anschließt, um sich auf die Bibelschule in Bad Liebenzell vorzubereiten.  Dort wird sie am 3. September 1963 in die Schwesternschaft aufgenommen. Sie besucht vier Semester lang die Bibelschule und übernimmt im Anschluss gleich die Leitung der Gärtnerei im Missionswerk.

1969 scheidet sie aus gesundheitlichen Gründen aus und wechselt zu einem Schnittblumenbetrieb in Korntal-Münchingen. Auch dort zwingt sie ihre Gesundheit zur Aufgabe. Sie hängt ihren erlernten Beruf nun endgültig „an den Nagel“, wie sie sagt, und wird Kontoristin in einem angesehenen Stuttgarter Werkzeugmaschinenbetrieb, bis sie 1973 in die Zentrale Gehaltsabrechnungsstelle (ZGAST) beim Oberkirchenrat wechselt. Dort rechnet sie zunächst Angestellte und dann 30 Jahre lang Pfarrer und Beamte ab und wird Anfang der 90er Jahre Mitglied im EBW.       

Auch im Ruhestand gefragte Ansprechpartnerin

Das Evangelische Berufstätigenwerk bietet allein lebenden Frauen Urlaubsgemeinschaften, biblische Seminare, Studientage, Tagungen, Wanderungen, und Gesprächskreise. Es berät und begleitet Frauen der Zielgruppe in Krisensituationen und möchte offen sein für lebendige Spiritualität.  Brigitte Rachel engagiert sich in Fragen des Haushaltsplans und ist gefragte Ansprechpartnerin, wenn es um Personalfragen geht. Sie ist noch nicht lange im Ruhestand, als sie 2005 gebeten wird, den Vorsitz des EBW zu übernehmen. In dieser Funktion verhandelt sie den Kooperationsvertrag zur Eingliederung des EBW ins Evangelische Frauenwerk (EFW) und übernimmt auch noch die EBW-Geschäftsführung. Innerhalb von drei Jahren soll die Eingliederung vollzogen sein.

Heute seien allein lebendede Frauen nicht mehr so sehr auf das EBW angewiesen wie das noch vor zehn bis 15 Jahren gewesen sei, meint sie. Damals seien die Angebote der Kirchengemeinden noch sehr auf Familien, Kinder und Senioren zugeschnitten gewesen, allein lebende Frauen kaum vorgekommen. Dennoch werde das EBW gebraucht, so Brigitte Rachel. Und dann erzählt sie von der Kirche, die sie zusammen mit dem evangelischen Jugendwerk (ejw) im österreichischen Gmünden gebaut haben und von dem Altenheim, das sie in Indien unterstützen. Sie spricht von Begegnungen in Rumänien, Polen, der Slowakei und Brasilien und davon, wie wichtig gegenseitige Begleitung sei.  Sie erzählt von den Kreisen zur Predigtvorbereitung, von Bibel- und Studienreisen, ihren Vorträgen zu Elisabeth von Thüringen oder Paul Gerhard, der traditionellen Weihnachtsfeier in Herrenberg und sagt: „Ich sehe uns immer als Baum, der wächst, Jahresringe bildet, Blätter und Früchte, die es zu ernten gilt.“ Sie empfinde einfach große Dankbarkeit, dass Gott ihr auch noch im Ruhestand die Kraft gebe, an diesen Aufgaben zu wachsen.

Stephan Braun


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