Das Ehrenamt begleitet ihr Leben. Christa Maier-Johannsen engagiert sich für andere Menschen und setzt sich für Dinge ein, die sie für wichtig hält. Sie möchte, dass auch die Kirche zu gesellschaftlichen Themen Stellung nimmt.

Bei ihrem Engagement achtet sie aber darauf, dass es ihre eigene Lebensphase betrifft. "Dann ist man mehr mit dem Herzen an der Sache" meint sie.
Christa Maier-Johannsen wurde 1945 "leider nicht in Kiel" geboren. Ihre Kindheit habe sie dafür glücklicherweise in Kiel verbracht, sagt sie. Dort ging sie auch zur Schule, bis die Familie durch den Berufswechsel des Vaters nach Denkendorf zog. Christa Maier-Johannsen besuchte daraufhin das Mädchengymnasium in Esslingen. Die Schülerin konnte sich nur schwer von der Großstadt Kiel auf das Leben in dem kleinen Ort mit damals 8000 Einwohnern umgewöhnen.
Zum Studium ging sie nach Stuttgart an die Dolmetscherschule und trat 1967 eine Stelle als Fremdsprachenkorrespondentin in Esslingen an. Zwei Jahre später heiratete Christa Maier-Johannsen und bekam drei Kinder.
Als Tochter und Söhne den Kinderschuhen entwuchsen, habe sie den Entschluss gefasst, wieder zu studieren. In ihren früheren Beruf wieder einzusteigen, habe Christa Maier-Johannsen damals wie heute nicht gereizt. Sie "wollte mehr mit Menschen zu tun haben" und erarbeitete sich in den 80er und 90er Jahren entsprechende Zusatzqualifikationen durch Fernstudiengänge. Zunächst in der Eltern- und Familienbildung, dann in der Erwachsenenbildung und im Bereich Ökumene. Später wurde sie selbst Tutorin.
Das Ehrenamt begleitet ihr Leben. Ihr sei es schon immer wichtig gewesen, etwas zu machen, was die eigene Lebensphase betrifft. "Dann ist man mehr mit dem Herzen an der Sache" meint die 59jährige. So war sie z.B. im Elternbeirat ihrer Kinder, gründete 1979 eine Freizeitgruppe mit Behinderten, die sie zehn Jahre lang betreute und engagierte sich in den 80er Jahren in der Friedensbewegung. Zum kirchlichen Engagement sei sie über die kirchenmusikbegeisterten Eltern gelangt, die aber nie Druck auf die Kinder ausgeübt hätten, wie sie betont: Sie sei mit großer Freiheit zum kirchlichen Ehrenamt gekommen.
Seit 1992 ist Christa Maier-Johannsen freie Erwachsenenbildungsreferentin beim Evangelischen Kreisbildungswerk Rems-Murr. Lange Zeit war sie aktiv in der Vereinigung Offene Kirche im Rems-Murr Kreis. "Um an kirchenpolitischen Entscheidungen teilnehmen zu können" sei sie 1995 für die Offene Kirche Mitglied der Landessynode der Evangelischen Kirche in Württemberg geworden. Sie wurde in den Ausschuss für Kirche, Gesellschaft und Öffentlichkeit gewählt und übernahm 1999 den Vorsitz des Gesprächskreises Offene Kirche in der Landessynode. Die Hauptmotivation für ihr kirchliches Engagement sei, "Dinge zu bewegen und die Kirche zu verändern". Durch die Arbeit in der Synode könne sie Einfluss nehmen, damit die Kirche eine Volkskirche ist und ihre gesellschaftliche Verantwortung übernimmt, nicht nur innenorientiert handelt. Kirche solle ihrer Meinung nach "den Menschen zum Leben helfen". Wichtig seien ihr dabei vor allem die Kinder und der Bildungsbereich, bei denen man "nichts kaputt sparen" dürfe.
Das kämpfen liege ihr mehr als die Diplomatie, meint Christa Maier-Johannsen. Die Bereitschaft, "sich zu arrangieren ohne den eigenen Standpunkt aufzugeben" habe sie durch die Synodalarbeit gelernt. Sie suche den Kontakt zu den Menschen und fordert, dass Kirche zu gesellschaftlichen Themen Stellung nimmt. Aber es sei wichtig, "so zu reden, dass die Leute uns verstehen". Das wünsche sie sich auch im Hinblick auf die Bischofswahl im März 2005. Die neue Bischöfin bzw. der neue Bischof solle die Kirche nach außen gut vertreten, sich mit den Grundwerten der Kirche in den gesellschaftlichen Diskurs einmischen. Richtig zufrieden sei sie aber erst, wenn wir "wirklich eine Bischöfin haben", sagt sie schmunzelnd. Sie setzt sich für Gleichberechtigung von Frauen und Männern ein. In der Synode sei das Verhältnis ausgeglichen. Sonst seien Frauen häufig tragende Säule der Kirche im ehrenamtlichen Bereich, in der Führungsebene aber immer noch unterrepräsentiert. Auch das Qualifizierungsangebot für Ehrenamtliche müsse sich bessern.
Die Arbeit für die verschiedenen Ämter habe bisher etwa 70 Prozent ihrer Zeit beansprucht. Nun hat Christa Maier-Johannsen den Vorsitz der Offenen Kirche abgegeben. Fünf Jahre seien genug, "nun sollen Jüngere ran". Dann könne sie sich anderen Dingen widmen, z.B. einem Soziologiestudium oder der Botanik, meint Christa Maier-Johannsen zufrieden. Ihr Lieblingsbibelwort verrät, dass sie sich nicht zurücklehnen wird: "Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit" (2. Timotheus 1,7). Ein Motto, das sie in ihrer aktiven Zeit für die Friedensbewegung gelernt hat, ist und bleibt ihr wichtig: "Dranbleiben gegen den Trend, den Mund aufmachen gegen das, was man als Unrecht empfindet".
Bindung in unterschiedlichen Alters- und Entwicklungsstufen
16. bis 17. Oktober 2010 in der Evang. Akademie Bad Boll
Der Newsletter der Evangelischen Frauen in Württemberg erscheint zweimal jährlich.
Hier finden Sie die aktuelle Ausgabe vom Frühjahr 2010 als PDF.