Dorothee Jetter, geboren 1938, war Hauptschullehrerin und später Konrektorin einer Hauptschule in Reutlingen. Sie heiratete 1960, bekam drei Kinder und blieb trotzdem im Beruf.

1986 wurde sie zur ersten stellvertretenden Präsidentin der württembergischen Landessynode gewählt, zehn Jahre später zur Präsidentin. Dorothee Jetter war Kuratoriumsvorsitzender der Evangelischen Akademie Bad Boll und Mitglied im Rat des Lutherischen Weltbundes, daneben in zahlreichen anderen kirchlichen Gremien. Dorothee Jetter arbeitete in der "Zukunftskommission 2000" des Landes Baden-Württemberg mit. Im Frühjahr 2004 wurde ihr das Bundesverdienstkreuz verliehen. Sie lebt in Reutlingen und genießt gemeinsam mit ihrem Mann den Ruhestand. Die meiste freie Zeit verbringt sie mit lesen.
Sie war schon "Bruder" und "Präsident" und trotzdem ist Dorothee Jetters Verhältnis zu Männern entspannt. Die erste Präsidentin der württembergischen Landessynode wurde, neu im Amt, öfter in der männlichen Form angesprochen. In einer Andacht der Arnholdshainer Konferenz, in der sie als einzige Frau saß, wollte man sich nicht die Mühe machen, ihretwegen von "Liebe Brüder, liebe Schwester" zu sprechen. Zumindest war es dem Männergremium ungewohnt, dass eine Frau anwesend war. Dorothee Jetter freut sich, wie sie sagt, sehr, dass es heute anders ist: mit welcher Selbstverständlichkeit und mit welchem Engagement Frauen heute in ehemaligen Männerberufen und Männerämtern tätig sind.
Frauen reflektierten mehr als Männer, über sich, ihre Rolle, ihre Ämter. Sie will das nicht pauschal sagen, aber bei ihr sei das so gewesen, sie habe sehr viel nachgedacht. Was nicht heißt, dass Dorothee Jetter sich über Männer beschweren könnte. Im Gegenteil, ihr Mann hat sie ermutigt, Mutter und Lehrerin zu sein und sich für eine Haushaltshilfe zu entscheiden. Auch im Beruf und im kirchlichen Ehrenamt habe sie viel Unterstützung durch Männer erfahren.
Frauen und Männer, eigentlich ist das gar nicht mehr ihr Thema. Alte und Junge, darum geht es ihr viel mehr. "Ich ärgere mich sehr, wenn über die demografische Entwicklung geredet wird und Alte nur noch als Kostenfaktor vorkommen". Eine unglaublich Kompetenz liege brach, weil ältere Menschen nicht mehr gefragt seien. Auch mit der kirchlichen Altenarbeit ist sie nicht zufrieden: "Seniorenarbeit heißt allzu oft, alte Menschen als Objekte zu behandeln, die man mit irgendetwas unterhält". Menschen ansprechen und anregen, so wie sie es als Lehrerin Kindern und Jugendlichen gegenüber getan hat, genau das sollte man Älteren und Alten bieten. "Sie sollten anspruchsvolle Aufgaben bekommen". Eine wäre, an der Betreuung in Ganztagesschulen mitzuwirken. Umgekehrt könnten die Älteren von den Jungen profitieren, beispielsweise wenn es darum geht, neue Medien zu nutzen.
Noch heute bekommt Dorothee Jetter Besuch von ehemaligen Schülerinnen und Schülern. Sie erzählt ihnen von damals, als sie in die Schule kam und mit "Heil Hitler" grüßen musste. Sie sei als Zeitzeugin gefragt. Und von den Jugendlichen lernt sie, ihre neue Telefonanlage zu bedienen. Im Moment genießt sie den Ruhestand, sie radelt, trifft Freunde und liest - Bücher vom "Luststoß". Früher, als sie noch Lehrerin und in vielen Ehrenämtern tätig war, gab es immer zwei Stöße auf ihrem Schreibtisch, einen großen mit Pflichtlektüre und Akten, daneben einen zwei, drei Bücher hohen mit den Sachen, die sie gern lesen wollte. Zeit dafür war nur nachts. Eine Weile will sie diese Zeit noch genießen und lesen. Aber bald, wenn sich eine Möglichkeit bietet, mitzuwirken, dass junge und alte Menschen mehr miteinander zu tun haben, "dann bin ich gleich dabei", sagt Dorothee Jetter.
Astrid Günther
Bindung in unterschiedlichen Alters- und Entwicklungsstufen
16. bis 17. Oktober 2010 in der Evang. Akademie Bad Boll
Der Newsletter der Evangelischen Frauen in Württemberg erscheint zweimal jährlich.
Hier finden Sie die aktuelle Ausgabe vom Frühjahr 2010 als PDF.