"Ja, wenn es dem Bund dient", dann will sie gerne Auskunft geben auch über sich, sagt Elfriede Wruk am Telefon. Sie ist die württembergische Ansprechpartnerin des deutschlandweit organisierten Pfarrfrauenbundes.

Inzwischen sei der Pfarrfrauenbund ein "überalterter Kreis". Das liegt vor allem daran, dass es die klassischen Pfarrfrauen kaum noch gibt, die auf einen eigenen Beruf verzichten zugunsten von Gemeinde und Familie, wie Elfriede Wruk. Ihr Wahlspruch, als ihr Mann noch im Dienst und sie Frau Pfarrer war: Die Tür des Pfarrhauses ist immer offen. Außerdem hat sie immer selbst Gruppen betreut: Mädchenjungschar, Frauenkreis, Singkreis, Altenkreis. Sie hat ihren Mann unterstützt bei der Krankenhausseelsorge und bei vielen anderen Aufgaben. Dabei habe sie sich nie als Anhängsel ihres Mannes gefühlt. "Ich habe mich doch voll entfalten können", sagt Elfriede Wruk im Rückblick und es klingt, als hätte sie auch damals, als sie noch all diese Aufgaben ausfüllte, genau so empfunden.
Elfriede Wruk wurde 1942 in Lauffen am Neckar geboren, aufgewachsen ist sie in Neckarwestheim, sie legt die mittlere Reife ab und besucht eine Höhere Handelsschule in Heilbronn. Um ihre Fremdsprachenkenntnisse aufzubessern, geht sie ein halbes Jahr in die französischsprachige Schweiz und ein halbes Jahr in die Vereinigten Staaten von Amerika. Als klar ist, dass sie einen angehenden Pfarrer heiraten wird, lässt sie sich in Stein bei Nürnberg im Gemeindehelferinnenseminar auf ihre künftigen Aufgaben als Pfarrfrau vorbereiten.
1968 heiraten Arnold und Elfriede Wruk und ein Jahr später ziehen sie mit ihrer drei Monate alten Tochter Daniela nach Brasilien, in eine deutsche Gemeinde in der südlichen Provinz Santa Catarina. Arnold Wruk ist für 6000 Gemeindeglieder zuständig, die in einem Umkreis von 100 Kilometer verstreut wohnen. Später wechselt das Ehepaar in eine eher industriell geprägte Kommune weiter im Norden Brasiliens. Zwei weitere Töchter kommen in Brasilien zur Welt. Nach zehn Jahren kehrt die Familie zurück nach Schwaben und hat seitdem Heimweh nach Brasilien.
Richtige Trauerarbeit habe sie leisten müssen, um die Trennung von dem südamerikanischen Land und seinen Menschen zu verwinden, erinnert sich Elfriede Wruk. Das Leben in der Kirchengemeinde sei wie das in einer riesigen Familie gewesen. In dieser Zeit der Traurigkeit kommt eine Einladung zum Pfarrfrauenbund im Dekanat Calw wie gerufen: "Dem schließe ich mich an, ich brauche wieder etwas, wo ich mich verwurzeln kann", das habe sie sich damals gesagt.
Bibelarbeiten und Gebetsgemeinschaften gehören zum Miteinander im Pfarrfrauenbund. Freud' und Leid werden geteilt. Im Alltag halten sie Kontakt durch die monatlich erscheinende Broschüre des Bundes "Wegweisung und Aussprache". Die Frauen wissen, wenn eine unter ihnen Schweres zu ertragen, Großes zu leisten hat, schließen die anderen sie ganz besonders in das persönliche Gebet ein. Das habe ihr geholfen, sagt Elfriede Wruk, gerade in der Zeit, als ihre Mutter schwer krank und pflegebedürftig war und gleichzeitig eine Pflegetochter aus dem Iran zur Familie gehörte.
Mandana, das Mädchen dessen Eltern unter Chomeini verfolgt wurden, ließ sich, nach all der Zuwendung, die sie in einer christlichen Familie erfahren hatte, taufen und ist inzwischen Studentin der evangelischen Theologie. Das Pfarrerehepaar hatte sogar die deutsche Staatsbürgerschaft für Mandana vor Gericht erwirkt. Auch Mandanas Mutter ließ sich taufen. Bei einem Besuch in Württemberg hatte die psychisch und physisch angeschlagene mehrfache Mutter allein in einer Kirche Trost gefunden. Ein Wunder für Elfriede Wruk, ohne dass sie dieses Wort benutzen würde.
In diesem Jahr feiern die knapp 70 Mitglieder des Pfarrfrauenbundes in Württemberg dessen 90-jähriges Bestehen. "Mir hat der Bund sehr viel Weite und Verwurzelung gebracht", so Elfriede Wruk. Eine Erfahrung, die jüngere Pfarrfrauen heute nicht mehr machen, weil sich der Großteil beruflich selbst verwirklichen möchte. Die Vierundsechzigjährige kann verstehen, dass ihr Bund Nachwuchssorgen hat, allein, wenn sie an ihre eigenen Töchter und deren berufliches Engagement denkt: die älteste Oberärztin, die mittlere Fachärztin für Kinderheilkunde, die jüngste Diplomingenieurin: "Ich hab noch nicht mal einen Enkel, so emanzipiert sind die."
Astrid Günther
Bindung in unterschiedlichen Alters- und Entwicklungsstufen
16. bis 17. Oktober 2010 in der Evang. Akademie Bad Boll
Der Newsletter der Evangelischen Frauen in Württemberg erscheint zweimal jährlich.
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