Else Heidemann, Chefärztin am Stuttgarter Diakonie-Klinikum

Sich auf die gute Seite denken

Seit 20 Jahren ist Else Heidemann Chefärztin am Stuttgarter Diakonie-Klinikum und betreut dort Krebspatienten.

Else Heidemann
Else Heidemann

Ihr Lächeln nimmt einen sofort für sie ein. Und Professor Dr. med. Else Heidemann lächelt oft und gerne. Strahlend und mit blitzenden Augen. "Wenn sie mich anlächelt, geht es mir gleich viel besser", sagt einer ihrer Patienten, der in einem Bett auf der Station Innere Medizin II im Diakonie-Klinikum in Stuttgart liegt. Und Heidemann lacht und erwidert, "das freut mich". Positive Stimmung zu vermitteln – das betrachtet die 58-Jährige auch als eine ihrer Aufgaben als Medizinerin. "Ich suche das Positive und sage meinen Patienten, sie müssen sich auf die gute Seite denken", erklärt die große schlanke Frau.

"Meine Arbeit macht mir einfach Spaß"

Ihre Patienten, das sind Menschen mit bösartigen Krankheiten, mit Leukämie oder Knochenmarkkrebs. "50 Prozent aller Krebskranken werden dauerhaft geheilt", das ist die Botschaft, die Heidemann immer wieder wiederholt. "Ich kann meinen Patienten wirklich helfen", sagt sie entschieden, während sie mit langen Schritten über den Krankenhausflur geht. Gerade im Bereich der Krebserkrankungen habe sich in den letzten Jahren einiges getan, die Heilungschancen seien inzwischen viel besser geworden. Daraus zieht die 58-Jährige Kraft. Daraus und auch aus ihrem christlichen Glauben. "Es gibt Momente, wo ich um Kraft bete", sagt sie nachdenklich. Sie schweigt. Aber dann lächelt sie wieder und ergänzt "meine Arbeit macht mir aber einfach Spaß". Mit Menschen umzugehen, mit Patienten und Mitarbeitern, zu gestalten und zu organisieren, das liege ihr einfach.

Heidemann hat in Tübingen, Düsseldorf und Wien studiert, "ich war fleißig", sagt die Schwäbin von sich selbst und ergänzt lächelnd, sie habe immer alle Vorlesungen besucht. Und sie habe einfach immer das gemacht, was auf sie zugekommen sei: Mit 26 Jahren wird sie Stipendiatin der Deutschen Forschungsgemeinschaft am biochemischen Institut der Universität Tübingen und macht sechs Jahre später ihren Facharzt als Internistin. Nach zwei Jahren habilitiert sie und geht dann mehrfach zu Forschungsaufenthalten in die USA. Seit 1985 ist sie Chefärztin am Diakonie-Klinikum. "Gemeinsam mit einem Kollegen bin ich die dienstälteste Ärztin", meint sie. Ansehen tut man ihr das nicht.

Die Schwerpunkte ihrer Tätigkeit als Ärztin und Wissenschaftlerin waren von Anfang an: Hämatologie und Onkologie - "bösartige Krankheiten haben mich immer interessiert." Warum ausgerechnet Krebs? Eine Krankheit, die für die meisten Menschen mit schrecklichen Bildern verbunden ist? Eine, die Angst macht und die in vielen Fällen unbesiegbar scheint? "Mein Vater war Mediziner", beginnt Heidemann mit ihrer Erklärung, "in seiner Praxis gab es ein Plakat mit der Aufschrift: Keine Angst vor Krebs". Die Frage, was ist Krebs, habe ihr in ihrer Kindheit niemand befriedigend beantworten können. "Vielleicht kommt daher mein besonderes Interesse an dieser Krankheit", mutmaßt die Wissenschaftlerin. Haben Sie Angst vor Krebs? "Nein", sagt Heidemann entschieden. Für die Ärztin ist Krebs zwar eine "schreckliche Krankheit", aber eben eine, die geheilt werden kann. Und eine, deren Folgen die Mediziner inzwischen lindern könne. Zum Beispiel mit der so genannten Stammzellentherapie, die auf Betreiben von Heidemann am Diakonie-Klinikum schon seit über zehn Jahren eingesetzt wird. Für sie ein "wichtiges Instrument, um Heilung zu bewirken oder die Lebenszeit in guter Lebensqualität zu verlängern".

Um die Situation von krebskranken Menschen zu verbessern, ist Heidemann immer wieder auf der Suche nach neuen Wegen, neuen Therapien und neuen Methoden: Seit 1984 hat sie als Wissenschaftlerin immer wieder klinische Studien mit Krebskranken betreut, seit 1989 beschäftigt sie sich außerdem wissenschaftlich mit der häuslichen Versorgung schwerkranker Tumorpatienten. Und die Liste ihrer Tätigkeiten lässt sich beinahe endlos fortsetzen: Sie hat den Onkologischen Schwerpunkt Stuttgart mitgegründet, einen gemeinnütziger Verein, in dem 14 Stuttgarter Kliniken facherübergreifend zusammenarbeiten, um die Situation von Tumorkranken zu verbessern. Ebenso die interdisziplinäre Mammakarzinom-Arbeitsgruppe der Deutschen Krebsgesellschaft. Die Medizinerin sitzt in Beiräten und Ausschüssen zum Thema Krebs, in einer Ethik-Kommission und hat sich in spezieller Schmerztherapie fortgebildet.

Hobbys und Freizeit kommen da häufig zu kurz. "Zeit für Familie, das ist das einzige, was ich mir gönne", sagt sie. Zeit für ihren Mann und ihre Geschwister. Kinder hat die Ärztin keine, denn "wenn man die Medizin so betreibt wie ich, haben Kinder keinen Platz". Das sei eine Grundsatzentscheidung gewesen.

Von morgens 6 Uhr bis spät abends ist die 58-Jährige in der Klinik. "Bis ich 65 bin, will ich auf jeden Fall arbeiten", sagt sie energisch, "das mache ich gerne". Auch wenn ihr Beruf in mancher Hinsicht schwerer geworden ist: "Wir haben immer weniger Zeit für die Menschen, die zu uns kommen", kritisiert sie und spricht von einer "Ökonomisierung der Medizin", die gleichzeitig unglaublich viel Bürokratie bedeute. Ihr Blick fällt auf die drei dicken Aktenschränke in ihrem Büro, ihren vollgepackten Schreibtisch und die zahlreichen Postfächer an der Wand.

Einen großer Teil ihrer Arbeitszeit verbringt die Ärztin inzwischen damit. Aber sie nehme sich auch immer wieder Zeit für ihre Patienten: "Man muss ihnen die Möglichkeit geben, zu reden", erklärt Heidemann. Und dann hört sie einfach zu, lässt sich von ihren Ängsten, Wünschen, Schmerzen und Hoffnungen erzählen. "Natürlich gibt es dabei auch traurige Momente." Und in solchen hilft der gläubigen Christin dann auch das Gebet.


Weiterführende Links   


zurück

WGT 2012 Kampagne

Unterschriftenaktion zum Thema
„Situation von Hausangestellten in Malaysia“
Näheres auf www.weltgebetstag.de

 

EFW Unterschriftenaktion zum WGT

Frauen fordern Reformen

Weichen stellen: Pflege braucht Zukunft

Informationen und Downloads hier

Cascade

Der Newsletter der Evangelischen Frauen in Württemberg erscheint zweimal jährlich.

Hier finden Sie die aktuelle Ausgabe vom Herbst 2011 als PDF.