Erika Budday, Verbandsrätin im Verband für Evangelische Kirchenmusik in Württemberg

Die Musik zum Beruf gemacht

Als 15-jährige hat Erika Budday ihren ersten Chor geleitet. Mittlerweile hat sie die Musik zu ihrem Beruf gemacht und engagiert sie sich seit über zehn Jahren im Verband für Evangelische Kirchenmusik in Württemberg.

Erika Budday
Erika Budday

Der russische Musikerkollege von Erika Budday sitzt noch am Tisch, in der Küche klappert eine Haushaltshelferin mit den Tellern. Erika Budday verabschiedet freundlich aber bestimmt den Kollegen, schließt die Tür zur Küche und hat Zeit fürs Interview.

Als Mutter von drei Kindern begann sie gleich nach dem Mutterschutz wieder mit der Arbeit und ließ ihre Kinder zu Hause betreuen. Heute sind die Kinder groß, die Haushaltshilfe geht bald in Ruhestand. „Sich neu organisieren bringt auch immer Chancen mit sich“, sagt Erika Budday. So ist die Bezirkskantorin inzwischen Kirchenmusikdirektorin, tritt im In- und Ausland als Organistin auf, hat einen Orgelförderverein initiiert und engagiert sich im Verband für Evangelische Kirchenmusik.

Musik spielt seit ihrer Kindheit eine große Rolle. Die Mutter hat zuhause viel gesungen. Als ihre Schwester Klavier spielen lernte, übte Erika Budday immer für sich selbst einfach mit. Da war sie gerade mal fünf Jahre, wollte aber nicht in den Klavierunterricht. Später kam ein Hilferuf aus der Nachbargemeinde. Dort suchte der Pfarrer dringend Nachwuchs für das Orgelspiel. Erika Budday nahm nun doch Klavier- und später Orgelunterricht, half mit 14 als Organistin aus. Ein Jahr darauf kam der nächste Hilferuf und ehe sie sich versah, leitete sie fünfzehnjährig den Chor in ihrer Heimatgemeinde Aldingen. Beim „neu organisieren“ reifte in ihr der Wunsch die Musik zum Beruf zu machen. Sie studierte Kirchenmusik an der Hochschule in Stuttgart und schloss 1979 das Studium mit der A-Prüfung für Kantoren ab.

Singen für die gemeinsame Basis

Im gleichen Jahr wurde sie Bezirkskantorin in Maulbronn. Der dortige Pfarrer wünschte einen Kinderchor. Zur ersten Probe begrüßte Erika Budday 80 Kinder. Heute sind es 120. Fast nur Mädchen. Doch der Chor hat es ihr angetan und so sucht sie immer wieder Möglichkeiten, auch die Älteren zu begeistern. Leidenschaftlich erzählt sie von den Musicals, die sie aufführen. Von der Freude der Teilnehmenden, von Eltern, die Kostüme nähen und dem Publikum, das weit größer ist als die Elternschar. Die älteren Mädchen „lassen sich durch das Theaterspiel gut bei der Stange halten“, so die Chorleiterin. Sonst war meist im Konfirmandenalter Schluss mit Singen.

„Wir brauchen wieder eine gemeinsame Basis, sonst kann die junge Generation mit der älteren nichts mehr gemeinsam machen“. Dazu müsse man auch das Liedgut, die Traditionen und Rituale pflegen und nicht immer nur zu Neuem tendieren. „Haben wir nicht die Aufgabe unsere Kultur zu tradieren?“ gibt Budday zu bedenken. „Christliche Inhalte prägen sich mit dem gesungenen und gespielten Wort oftmals besser ein.“ Sogar die Kleinsten könnten sich an die Geschichten erinnern, die sie aufgeführt haben.  Im Verband für Evangelische Kirchenmusik in Württemberg, in dem sie seit über zehn Jahren tätig ist, hat sie mit einer Arbeitsgruppe ein Heft „Singen mit Kindern“ erstellt, um das geistliche Lied zu fördern. Es enthält Anregungen, wie Erwachsene Liedgut mit Kindern erarbeiten können. Dunkelheit, Licht  und ein Gespräch über Orientierung: eine andere Art, das Lied „Ein Licht geht uns auf“ zu erlernen. Die Kinder sollen durch eine Geschichte oder ihre Spielwelt ins Singen eintauchen.

Nur die Jungs vermisst sie schmerzlich im Chor. Sie hofft, dass sich durch das nächste Musical etwas ändert. In „Des Kaisers neue Kleider“ soll ein Chor von Gassenjungen vorkommen. Vielleicht bleiben da einige am Ball. „Eine Jungengruppe, das wär schon was“, schwärmt Erika Budday.

Beate Dreinhöfer
(April 2007)


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