Hanne Braun, Präsidentin des Weltbundes christlicher Frauen in Deutschland

Eine Frau im Unruhestand

Hanne Braun hat viele verschiedene Hüte: Das sagt sie von sich selbst und liefert auch sofort den Beweis dafür.

Hanne Braun
Hanne Braun

Bis vor drei Jahren war die heute 66-Jährige Sozialarbeiterin im „Verein für Internationale Jugendarbeit“ (ViJ) in Stuttgart, seit 2004 ist sie eigentlich im Ruhestand, ein Büro aber hat sie dort weiterhin. Außerdem ist sie momentan stellvertretende Bundesvorsitzende des ViJ und Präsidentin des „German YWCA“, dem Weltbund christlicher Frauen in Deutschland, der im Jahr 2004 als Verein gegründet wurde und Teil eines weltweiten ökumenischen Frauennetzwerkes ist. Und Hanne Braun ist ein Familienmensch: Sie versorgt ihre beiden Eltern und hat engen Kontakt zu ihren fünf Geschwistern und deren Kindern – und auch die sorgen dafür, dass es ihr nach dem aktiven Berufsleben nicht langweilig wird.

Sie sei im „Unruhestand“, meint Hanne Braun und grinst. Und dann erzählt sie erst mal von ihrer jahrelangen Tätigkeit für den ViJ, von den Bustouren in Pflegeheime, die sie für Migranten organisierte und von der Arbeit für die Au-Pair-Mädchen, die aus der ganzen Welt nach Stuttgart kamen und kommen. „Im Dienstleistungsbereich kann man die Folgen der Globalisierung am besten festmachen“, erklärt sie und spricht von „Menschenhandel“, bei dem in Not geratene Frauen in Deutschland ausgebeutet und missbraucht werden. Beim ViJ bekommen sie Hilfe und Unterstützung. Hanne Braun ist überzeugt von dem, was sie tut, das ist schon nach wenigen Momenten zu spüren. Überzeugt und auch begeistert – eine Begeisterung, die ansteckend ist und eine Begeisterung, die einen wirklichen Ruhestand wohl unmöglich macht.

Neugierig auf Menschen und ihre Geschichten

Momentan ist Hanne Braun im ViJ für die Mitgliederpflege zuständig und organisiert außerdem Angebote für die Ortsvereine, „alles ehrenamtlich“. Ein Ehrenamt ist auch der Job beim German YWCA- Weltbund christlicher Frauen, der sich weltweit gegen Frauenhandel einsetzt oder sich an Kampagnen gegen Aids beteiligt. Und wenn Hanne Braun von ihren Aufgaben dort spricht, dann leuchten ihre Augen. Vor allem, als sie vom „World Council 2007 in Kenia“ erzählt. Ein Kongress, der im Kampf gegen Aids ganz wichtige Zeichen gesetzt habe, „weil hier deutlich wurde, dass auch HIV-positive Frauen ihr Leben eigenverantwortlich gestalten können, wenn sie Unterstützung bekommen“. 1979 wurde die gebürtige Stuttgarterin erstmals in den Vorstand des internationalen Weltbundes christlicher Frauen gewählt, „obwohl ich als Neuling damals kaum Chancen auf ein solches Amt hatte“, erzählt sie. Acht Jahre lang beschäftigte sie sich dort dann vor allem mit den Themen Finanzen, Entwicklungspolitik und Flüchtlingen.

Flüchtlinge, Migration und die Folgen davon, das sind wichtige Themen für Hanne Braun, „vielleicht ist das Interesse familiär bedingt“, meint sie und erzählt von ihrer eigenen Migrationserfahrung. Ihr Vater ist in Indonesien geboren und ihre Mutter hat lange in Afrika gelebt. Die Familie hat sie geprägt: Ihre Mutter war jahrzehntelang die Vorsitzende des VIJ, ihr Vater, Dekan i.R., hatte als junger Pfarrer die Verteilung von Carepaketen unter sich. „Über meine Eltern bin ich zur Sozialarbeit gekommen“, ist Hanne Braun überzeugt. Zunächst lernte sie Erzieherin, anschließend besuchte sie die Evangelische Fachschule für Sozialarbeit. „Ich habe meine Neugier professionalisiert“, sagt sie heute. Eine Neugier auf Menschen und ihre Geschichten.

Vielleicht war diese Neugier auch der Grund, warum sie trotz beruflichem Stress immer wieder auch die Zeit gefunden hat, eine neue Sprache zu lernen: Englisch, Französisch, Griechisch, ein wenig Kisuaheli und Russisch kann sie bereits, „jetzt hätte ich Lust auf Arabisch“. Zum einen sei es im vereinten Europa notwendig, dass die Menschen mehrere Sprachen sprechen, erklärt sie. Zum anderen betrachte sie es als „Gedächtnisjogging“, eine neue Sprache zu lernen.

Eine eigene Familie hat die Hobby-Floristin nie gegründet. „Das habe ich einfach verpasst“, sagt sie und zuckt mit den Schultern. „Es war einfach immer etwas anderes wichtiger.“ Ob sie das bereue? Wieder zuckt sie mit den Schultern, überlegt kurz und sagt dann, „nein, eigentlich nicht“. Und es klingt überzeugend. „Ich habe ja meine Familie“, erklärt sie dann: Fünf Geschwister, fünf Neffen und zwei Nichten ist diese Familie inzwischen groß. Sie sei gerne Tante, sagt Hanne Braun und ergänzt, auf diese Weise behalte sie auch den Bezug zur jüngeren Generation. Einmal im Jahr organisiert sie ein Patenkindertreffen, bei dem die zwischen 21 und 40 Jahre alten Neffen und Nichten mit „Tante Hanne“ zusammen griechisch essen gehen.

Seit zwei Jahren versorgt die Rentnerin außerdem gemeinsam mit ihren Geschwistern Vater und Mutter. „Ich sage oft, statt Kindern habe ich jetzt eben Eltern“. Die Familie ist der 66-Jährgen wichtig: „Wir glucken ziemlich zusammen“, meint sie, „in so einer Familie muss man deshalb ständig was organisieren, Geburtstage, andere Feiern“. Und aus diesem Grund hat Hanne Braun jetzt auch keine Zeit mehr: Sie hat ihrer Schwester versprochen, bei einer Veranstaltung zu helfen und dort den Blumenschmuck zu übernehmen. Und das ist für sie Ehrenamt und Hobby zugleich.

Angelika Hensolt


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31. 07. - 03. 08 2010
im Salemer Pfleghof Esslingen
siehe auch unter http://www.frauen-efw.de/veranstaltungen/veranstaltungen-details.html?tx_desimplecalendar_pi1%5BshowUid%5D=177

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