Außergewöhnlicher Einsatz in der Nothilfe

Hannelore Hensle leitete 23 Jahre die Diakonie Katastrophenhilfe der EKD

Als der Stuttgarter Oberbürgermeister Wolfgang Schuster am 21. Juni 2005 das Bundesverdienstkreuz an die Leiterin der Diakonie Katastrophenhilfe, Hannelore Hensle, überreichte, da machte er aus Hensle, einfach Hensler.

Hannelore Hensle
Hannelore Hensle

Ein kleiner Versprecher, sicher, aber den Partnern von Hannelore Hensle weltweit, wäre so was nicht passiert. Zu viel hängt für sie vom Urteil und von der Zustimmung der 61-jährigen ab. Denn wenn Hensle irgendwo auf dieser Welt in einem Katastrophengebiet auftaucht, dann geht es um schnelle und effiziente Hilfe und meist auch um sehr viel Geld. Schuster lobte den "Einsatz für die Ärmsten der Armen weltweit, der weit über den Rahmen ihrer regulären Arbeit hinaus" gehe. Und in der Tat ist das Licht im Zimmer des Diakonischen Werks der EKD in der Stuttgarter Stafflenbergstraße oft bis spät in der Nacht zu sehen, und oft ist Hensle auch die Einzige, die am Wochenende in den Büroräumen anzutreffen ist. Denn Katastrophen, so pflegt sie zu sagen, richten sich nicht nach der Fünf-Tage-Woche, auch nicht nach Ferienzeiten.

Katastrophen bestimmen ihr Leben

Hannelore Hensle prägte die Katastrophenhilfe der evangelischen Kirche in Deutschland. Seit 1982 setzt die Frau, die mit ihren langen lockigen Haaren immer noch mädchenhaft wirkt, ihre Vorstellungen von Nothilfe um. Dabei achtet sie darauf, dass Hilfe immer langfristig angelegt ist, dass Menschen vor Ort beteiligt werden, dass Hilfsgüter in der Umgebung des Notfalls eingekauft werden und dass ihre Hilfe unter allen Umständen frei von politischen Bedingungen oder Einflussnahmen gewährt wird.

Manchmal, wenn man sie am Telefon verhandeln hört, wenn es etwa um Lieferung von Nahrungsmitteln geht, oder darum, dass ein Transport nicht rechtzeitig losgeschickt werden kann, dann will man eigentlich nicht am anderen Ende der Leitung sein. Hensle kann knallhart werden, wenn es um die Interessen der Notleidenden geht. Im Ausland hat ihr dies auch schon den Spitznamen "John Wayne" eingetragen.

Dabei ist das "Harte" nicht ihr einziges Markenzeichen. Unvergessen ist unter den Journalisten, die damals dabei waren, eine Pressekonferenz im großen Saal des Diakonischen Werks, als Hannelore Hensle von einer Reise nach Eritrea zurückgekehrt war. Sie wollte vor den Medienvertretern auf die katastrophalen Zustände hinweisen in dem ostafrikanischen Land, wo täglich Hunderte von Menschen, vor allem Kinder, an Hunger starben. Da ist dieser erfahrenen Frau bei der Schilderung der Zustände und der Situation der leidenden Kinder die Stimme weggeblieben und sie konnte über das Erlebte nur noch weinen.

Das hat ihrer Professionalität keinen Abbruch getan. Im Gegenteil, Hensles Name wurde und wird bis heute mit effizienter und schneller Nothilfe verbunden. Auch ihre Partner im Ausland, allen voran die gemeinsame Katastrophenhilfe des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) und des Lutherischen Weltbundes (LWB), Action by Churches Together (ACT) schätzen die resolute Frau und vertrauen ihrem Rat. Denn rund 150 Projekte sind es jedes Jahr, die mit Hilfe von ACT oder auch mit Hilfe von der katholischen Partnerorganisation Caritas-international durchgeführt werden. Gerade zu Caritas hat Hensle ein vorbildliches Ökumenisches Miteinander aufgebaut, um das viele andere Hilfswerke die evangelische Kirche beneiden.

Eigentlich wollte Hensle ganz ruhig ihren Abschied aus dem Berufsleben vorbereiten. Sie wollte in aller Gelassenheit ihren Nachfolger einlernen und dann überlegen, wie der Ruhestand zu gestalten wäre. Aber dann kam der Tsunami, dann kamen riesige Mengen an Spenden und noch größere Aufgaben vor Ort in Indonesien und den anderen betroffenen Ländern. Deshalb gab es keine Ruhe. Und deshalb hat sie kaum Zeit gehabt, sich auf ihre Verabschiedung am 7. September vorzubereiten. So wird eben auch dieser Abschied ausfallen, wie ihr gesamtes Berufsleben gestaltet war: Die Katastrophen bestimmten ihr Leben und Sie hat sich darauf eingelassen.

Klaus Rieth


Weiterführende Links


zurück

Tagung für Adoptiveltern

Bindung in unterschiedlichen Alters- und Entwicklungsstufen
16. bis 17. Oktober 2010 in der Evang. Akademie Bad Boll

Cascade

Der Newsletter der Evangelischen Frauen in Württemberg erscheint zweimal jährlich.

Hier finden Sie die aktuelle Ausgabe vom Frühjahr 2010 als PDF.