Ehrenamtliches Engagement gehöre einfach zu ihr, sagt Heidi Fritz. Dabei könne sie ihre Schwerpunkte selbst bestimmen und sich dort einsetzen, wo Kirche in der Gesellschaft wirksam werden kann.

Eine Sitzung bei der Erzieherinnen-Stiftung, Termine mit dem Arbeitskreis „Friedensauftrag der Kirche“ oder mit dem landeskirchlichen Dekade-Ausschuss, die Familie – es ist gar nicht so einfach einen Termin bei Heidi Fritz zu bekommen. Letztendlich hat es doch geklappt – die 56-jährige Diplom-Pädagogin sitzt in ihrem geschmackvoll eingerichteten Heim in unmittelbarer Nähe zum Leonberger Schloss und berichtet von ihrem vielfältigen Engagement.
Sie ist Vorsitzende des Trägervereins der Familienbildungsstätte Leonberg, Mitglied im kirchlich-politischen Arbeitskreis in Leonberg und in der Flüchtlingsarbeit aktiv. Im Moment liegt der zweiten Vorsitzenden des Vereins evangelischer Ausbildungsstätten für Sozialpädagogik die Erzieherinnen-Ausbildung besonders am Herzen.
Der Verein betreibt die Ausbildung zur Erzieherin bzw. zum Erzieher an vier Standorten in Württemberg: in Stuttgart-Botnang, Herbrechtingen, Reutlingen und Schwäbisch Hall. Das Ausbildungskonzept geht von der christlichen Überzeugung aus, dass jeder Mensch als Geschöpf Gottes einen unverwechselbaren Wert besitzt. Deshalb hat die religiöse Dimension in der Ausbildung einen besonderen Stellenwert. Heidi Fritz und ihre Kollegen versuchen, der Ausbildung ein explizit evangelisches Profil zu geben. So sollte den Lernenden neben einer qualifizierten Ausbildung auch umfassende Möglichkeiten zur Persönlichkeitsentwicklung geboten werden.
Heidi Fritz wurde 1950 in Nürnberg geboren, 1970 begann sie ihr Pädagogik-Studium im benachbarten Erlangen. Ein Jahr später wechselte sie nach Tübingen, weil sie Erziehungswissenschaften dort durch die Fächer Soziologie und Psychologie ergänzen konnte. Dort lernte Heidi Fritz auch ihren späteren Mann, den Theologen Hartmut Fritz, kennen, mit dem sie zunächst in Reutlingen und Tübingen lebte. Im Jahr 1994 ist die Familie Fritz nach Leonberg gezogen.
Heidi Fritz begann ihre kirchliche Mitarbeit im Kinder-Gottesdienst ihrer Heimatgemeinde in Nürnberg. Mit ihrem damaligen Pfarrer habe sie viele Gespräche über die Verbindung von Kirche und Gesellschaft geführt. Dieser Austausch habe ihr geholfen, den Blick über den eigenen Kirchturm hinaus zu werfen, so Heidi Fritz heute. So ginge ihr heutiges Interesse für gesellschaftspolitische Themen auf diese Zeit zurück. Deshalb ist Heidi Fritz unter anderem auch in der Flüchtlingsarbeit und als Leiterin des AK Asyl Leonberg aktiv. Die Begegnung von Menschen unterschiedlicher Herkunft und Kultur bereichere unser Leben. Außerdem öffnet sie ihr Haus gerne für Gäste.
Ihr Wunsch, sich „über den eigenen Kirchturm hinaus“ zu orientieren, veranlasste Heidi Fritz in ihrer Tübinger Zeit, sich der Gruppierung der „Offenen Kirche“ anzuschließen. Aus diesem Engagement heraus kandidierte sie 1989 erfolgreich für die 11. Landessynode und später, diesmal für den Wahlkreis Ditzingen / Leonberg, für die 12. Landessynode. Die zierliche Frau mit den wachen Augen beschreibt diese Jahre von 1989 bis 2001 als „unheimlich wichtige Zeit“: Sie habe gelernt, mit „gelassener Beharrlichkeit“ Ziele zu verfolgen.
Einen wichtigen Platz im Leben von Heidi Fritz spielt die Familie. Neben ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit ist sie auch Mutter von vier, inzwischen erwachsenen Kindern – zwei davon hat das Ehepaar Fritz aus Korea adoptiert. Seit kurzem ist Heidi Fritz außerdem stolze Großmutter von zwei kleinen Mädchen. Hausarbeit und Kinderbetreuung sind für die motivierte Pädagogin schon immer nur ein Teil ihres Lebens gewesen. Was sie darüber hinaus zum ehrenamtlichen Engagement bewegt? Heidi Fritz überlegt nicht lange: „Es gehört einfach zu mir“, meint sie bestimmt und vergnügt; „dabei kann ich meine Schwerpunkte selbst bestimmen und mich dort einsetzen, wo die Kirche in der Gesellschaft wirksam werden kann.“
Auch heute legt Heidi Fritz bei ihrer Arbeit Wert darauf, wirklich etwas zu bewegen und nicht nur „darüber zu sprechen, was getan werden müsste“. Weil ihr Kinder besonders am Herzen liegen, träumt Heidi Fritz von einem „Kinderhaus“, von dem aus benachteiligte Kinder gefördert und ihre Bildungschancen verbessert werden können.Ein gutes pädagogisches Konzept könnte hier einiges bewirken. Vielleicht ein kommendes Projekt für die engagierte Leonbergerin? Heidi Fritz schmunzelt: „Es ist mein Traum.“ Heidi Fritz hätte genügend Energie, um ihn Wirklichkeit werden zu lassen.
Simone Scheps
(Juli 2007)
Bindung in unterschiedlichen Alters- und Entwicklungsstufen
16. bis 17. Oktober 2010 in der Evang. Akademie Bad Boll
Der Newsletter der Evangelischen Frauen in Württemberg erscheint zweimal jährlich.
Hier finden Sie die aktuelle Ausgabe vom Frühjahr 2010 als PDF.