
Irmgard Lubkoll (geb. Müller-Volbehr) - erste Vorsitzende des Beirats für die Frauenbeauftragte der evangelischen Landeskirche in Württemberg, langjährige Vorsitzende des Pfarrfrauendienstes, von 1996 - 2000 im Vorstand der Frauenarbeit der evangelischen Landeskirche in Württemberg, Mitglied der 11. und 12. württembergischen evangelischen Landessynode, Kirchengemeinderätin und Lektorin - feiert am 14. Juli 2002 ihren 70. Geburtstag.
"Frauen in der Kirche – das ist mein Thema!" mit diesem Motto ging Irmgard Lubkoll 1989 in die Landessynode. Dafür hat sie sich eingesetzt und Stellung bezogen; dafür ist sie auch unbequeme Wege gegangen, hat nachgefragt, nachgehakt, und nicht locker gelassen, wo Antworten auf sich warten ließen. Dafür hat sie manche Auseinandersetzung riskiert.
Irmgard Lubkoll, ist am 14. Juli 1932 in Bremen geboren. Die Kriegsjahre und die ersten Nachkriegsjahren verbrachte sie mit ihren beiden Geschwistern und ihrer Mutter in Neuendettelsau. Die in Neuendettelsau gelebte Frömmigkeit habe sie immer wieder dazu veranlasst, ins Weite aufzubrechen und die Freiheit eines Christenmenschen zu leben und zu suchen. Dieser Wunsch nach Freiheit zieht sich durch ihr gesamtes Leben.
Ihren Mann hat Irmgard Lubkoll bereits in Neuendettelsau kennengelernt: Er war Theologiestudent, sie noch Schülerin. Wie es damals für viele Frauen üblich war, haben die beiden bald nach ihrem Abitur geheiratet. Daran schlossen sich die gemeinsamen Jahre in verschiedenen Pfarrhäusern quer durch Deutschland an: Tettenborn, Bremen, Stuttgart, Bad Boll und schließlich Böblingen, wo ihr Ehemann, Klaus Lubkoll, bis zu seiner Pensionierung 1986 als Dekan tätig war. Fünf Kinder hat Irmgard Lubkoll zusammen mit ihrem Mann groß gezogen: vier Töchter und einen Sohn.
Als ein Schlüsselerlebnis für ihr konsequentes Engagement für Frauen in der Kirche schildert Irmgard Lubkoll ihre Erfahrungen als junge Frau eines Pfarrers in Bremen. Krank zuhause mit einem kleinen Kind seien plötzlich die Frauen des Missionsfrauenkreises im Treppenhaus gestanden: "Frau Pastor, wenn Sie nicht zu uns kommen, dann kommen wir zu Ihnen!" Dem Druck durch die Erwartungen aus der Gemeinde, den sie damals verspürt habe, ist Irmgard Lubkoll nicht ausgewichen, sie hat ihn für sich zu nutzen gewusst und in ihr ehrenamtliches Engagement eingebracht. Mit anderen Pfarrfrauen zusammen gründete sie 1971 den Pfarrfrauendienst in Württemberg, um Frauen in diesem Spagat zwischen Familie, Gemeinde und Beruf zu unterstützen. Von einer Aufbruchstimmung unter den Frauen seien diese Jahre geprägt gewesen, erzählt Irmgard Lubkoll begeistert. Sie selbst war jahrelang Vorsitzende und Mitarbeiterin des Pfarrfrauendienstes, engagierte sich bei Tagungen und war darüber hinaus zwölf Jahre im Leitungskreis des Pfarrfrauendienstes auf EKD-Ebene tätig. Daneben nahm die Arbeit in der Suizidnachsorgegruppe in Böblingen einen wichtigen Platz in ihrem Leben ein. Heute füllt sie u.a. ihre Aufgabe als Lektorin aus.
Zusammen mit Heidi Fritz war Irmgard Lubkoll als Synodalin in den 90er Jahren maßgeblich an der Errichtung des Büros der Frauenbeauftragten in der Evang. Landeskirche in Württemberg beteiligt. Bis zum vergangenen Herbst war sie die erste Vorsitzende des Frauenbeirates, der die Arbeit des Frauenbüros begleitet und unterstützt.
Aus ihren vielfältigen Lebenserfahrungen heraus wünscht Irmgard Lubkoll jungen Frauen, dass sie einen eigenen Standpunkt in ihrem Leben finden, ein starkes Selbstbewusstsein entwickeln und eigenständige Entscheidungen für ihr Leben treffen können. Dieser Wunsch hat ihr Engagement für die Frauen in der Kirche getragen. Sie hofft, dass die Frauenfrage auch weiterhin einen wichtigen Stellenwert in unserer Kirche behält.
Nach dem frühen Tod ihres Mannes 1992 haben Irmgard Lubkoll ihre vielfältigen Aufgaben den Rücken gestärkt und sie in der Zeit ihrer Trauer begleitet, so dass sie mit einem leicht veränderten Zitat von Martin Buber zu ihrem 70. Geburtstag einlädt:
"Altsein ist ein herrlich Ding,
wenn man/ frau nicht verlernt hat,
was Neuanfangen heißt."
Regina Glaser
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