Liselotte Steiner, Stellvertretende Vorsitzende des Mesnerbundes

Ein Leben lang der Kirche verbunden

"Als Kind war ich immer die Kirchentante", klagt Liselotte Steiner heute noch ein kleines bisschen über ihren Spitznamen von damals, "das war schrecklich."

Liselotte Steiner
Liselotte Steiner

Weit über 2000 Gottesdienste hat sie in ihrem Leben besucht. In 32 Jahren als Mesnerin in Esslingen hat sie jeden Winkel ihrer Kirche mit dem Putzlappen durchzogen und hat lange noch nicht genug von der Kirche. "Ein Sonntag ohne Gottesdienst ist kein Sonntag für mich", sagt die heute 66-Jährige und lächelt aus dunklen Augen durch die Brille.

In Liselotte Steiners Familie hat der Mesnerberuf Tradition. Ihr Vater war Mitbegründer des württembergischen Mesnerbundes, dem Berufsverband der Mesner und Hausmeister. Der Vater habe die Kinder immer mit in die Kirchenarbeit einbezogen. Da sei sonntags nur noch die Frage geblieben, wer von den Kindern in die Kirche geht und wer zuhause kocht. Als Jugendliche habe sie bereits öfter ihren Vater beim Dienst in der Kirche vertreten. Und als 1967 die Mesnerstelle an der Esslinger Südkirche ausgeschrieben war, griff sie zu.

Sorge um die Zukunft des Mesnerberufes

Die lange Zeit im Mesnerberuf beschreibt sie kurz und prägnant: "Mesnerin sein ist nicht leicht, es gab gute und schlechte Zeiten, aber es gab nichts, was ich nicht gern gemacht habe, auch Toiletten putzen und Garten pflegen."

1970 wurde sie in den Ausschuss des Mesnerbundes gewählt, für den Versand des Mesnerblattes war sie fortan zuständig. "Da lag die ganze Bank voll" erinnert sich Steiner lachend mit einer ausschweifenden Handbewegung an die Papierberge im heimischen Esszimmer. Heute arbeitet sie am PC mit Flachbildschirm und kabelloser Tastatur. Seit 1999 führt Steiner als zweite Vorsitzende die Kasse und ist für Lehrgänge zuständig. Für ihr Engagement bekam Liselotte Steiner die bronzene Brenzmedaille.

In den Seminaren übt Steiner mit den Mesnern die Praxis, lässt sie beim Kircheschmücken anpacken und beantwortet ihre Fragen. Etwa, welche Temperatur das Taufwasser haben sollte. Sie gibt den Teilnehmenden Tipps zum Abendmahl und hilft, wenn andere Referenten mal ausfallen. Sie mag die Gemeinschaft und "dass ich von ehemaligen Kursteilnehmern zu den Jahrestreffen so freundlich begrüßt werde". Aber Liselotte Steiner ist besorgt, dass nur noch wenige junge Leute den Mesnerberuf ergreifen wollen.

Als sie im Jahr 2000 aufhörte zu arbeiten, zog sie sich schweren Herzens, aber ganz bewusst für einige Wochen aus der kirchlichen Arbeit zurück. Damals habe sie in Esslingen gestanden und zu ihrer Kirche rüber geblickt: "Geweint habe ich, so schwer fiel es mir, nicht hinzugehen", erinnert sich Steiner. "Aber es war gut, dass ich eine Pause gemacht habe, sonst heißt es: Die kann sich nicht lösen!". Lange hat die Atempause nicht gedauert. Steiner engagiert sich außer im Mesnerbund im Kirchenchor und hält alle vierzehn Tage Frauenkreise in der Gemeinde, sucht Referenten und bäckt Kuchen.

Aktiv sein, so scheint es, gehört zu ihrem Wesen. Aber manchmal braucht auch sie mal ein wenig Ruhe. Dann macht sie es sich mit der Zeitung am Frühstückstisch gemütlich oder legt bei einem Glas Wein vor dem Fernseher die Füße hoch. "Ich genieße es, einfach auch mal allein zu sein." Bis die Nachbarin mit der schmutzigen Wäsche zu ihr kommt, und Liselotte Steiner selbstverständlich mit ihrer Waschmaschine aushilft. "Das ist die Frau, zu der man immer kommen kann" sagt die junge Nachbarin über Steiner und zieht mit der frischen Wäsche im Arm die Tür hinter sich zu.

Beate Dreinhöfer


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