Margit Hager wollte Gemeindehelferin werden, aber die Ausbildung war zu teuer. Ihr Vater war früh gestorben und die Familie hätte die 250 Mark Ausbildungskosten monatlich nicht entbehren können.

Margit Hager lernte Pfarramtssekretärin und arbeitete schließlich doch als Gemeindehelferin. Seit 14 Jahren wohnt sie nun sogar in einem Schloss. Es gehört dem Evangelischen Landesverband für Kinderkirche. Margit Hager koordiniert die Kursangebote für Kinderkirchenmitarbeiter im Haus der Kinderkirche in Beilstein. Sie wacht über Hauswirtschaft und Küche und kümmert sich um sämtliche Anliegen ihrer Gäste, wenn die Sorgen haben oder auch nur eine Kopfschmerztablette brauchen.
Jeder Kirchenbezirk der Landeskirche ist aufgefordert, seine ehrenamtlich bei der Kinderkirche Mitwirkenden einmal im Jahr an einem Kurs in Beilstein weiterbilden zu lassen. Darüber hinaus gibt es Aufbaukurse, die für alle Mitarbeiter der Kinderkirche verpflichtend sind: Der erste Kurs richtet sich an Konfirmierte. Während der sechswöchigen Grundausbildung geht es vor allem darum, Geschichten zu erzählen und die eigene Kreativität zu fördern.
Nach etwa einem Jahr Mitarbeit bei einer Kinderkirche geht es im Kurs zwei um Psychologie und Liturgie. Im dritten Kurs werden die Ehrenamtlichen ausgebildet, Kinderkirchen zu leiten.
Ein Freundeskreis von etwa 250 Mitgliedern unterstützt den Landesverband bei der Ausstattung und Erhaltung des Schlosses. So sind in letzter Zeit neue Stühle und ein Flügel angeschafft worden. Die Evangelische Landeskirche in Württemberg fördert die Arbeit durch die Finanzierung zweier Pfarrstellen beim Landesverband und einen jährlichen Gebäudeunterhaltungszuschuss.
Margit Hager wird im Januar 1945 in Frankenbach bei Heilbronn geboren, in Neckargartach wächst sie auf. Nach der Schule lernt sie Verkäuferin. Weil es mit der Ausbildung zur Gemeindehelferin nichts wird, lässt sie sich in einem nicht kostenpflichtigen Kurs im Kloster Denkendorf 1965 zur Pfarramtssekretärin ausbilden. In einer Gemeinde in Reutlingen, in die sie nach ihrer Ausbildung tätig ist, werden ihr statt Bürotätigkeit vor allem Aufgaben in der Jugendarbeit übertragen. Was Margit Hager als "unheimliches Glück" empfindet. So läuft ihre tatsächliche Arbeit schließlich auf ihren Traumberuf Gemeindehelferin hinaus. Nach einigen Jahren in Reutlingen wird sie abgeworben vom Evangelischen Landesverband für Kinderkirche.
Seit 34 ist sie nun schon für den Verband tätig. Und seit 14 Jahren wohnt sie auf Schloss Beilstein, Anfang des 20. Jahrhunderts von einem Stofffabrikanten erbaut, gehört es inzwischen dem Verband. Damit sie, wenn keine Kurse stattfinden, nicht so allein ist, hat sich Margit Hager vor Jahren schon einen Hund zugelegt, Donna, einen Golden Retriever. Auch der habe eine Aufgabe im Schloss, nämlich eine therapeutische, Gästen mit Hundeangst gegenüber. "Nehmen Sie bitte den Hund weg", hätten viele von ihnen bei ihrer Ankunft schon gesagt und Donna am Ende gern gekrault.
Astrid Günther
Bindung in unterschiedlichen Alters- und Entwicklungsstufen
16. bis 17. Oktober 2010 in der Evang. Akademie Bad Boll
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