"Natürlich wäre es schön, alles wäre wie früher", sagt Margit Rupp. Sie überlegt kurz, dann fährt sie fort und lächelt: "aber wahrscheinlich wär’s langweilig".

Die Direktorin des Oberkirchenrates sieht die Evangelische Landeskirche in Württemberg auf große Veränderungen zugehen. Die demografische Entwicklung, die wachsende Individualisierung, die abnehmende Ortsbindung der Menschen – "darauf müssen wir reagieren", sagt die Juristin. Die Landeskirche müsse sich den Herausforderungen stellen und "sich ausrichten auf die Zukunft".
Das geht in Zeiten sinkender Kirchensteuern nur durch "Anpassung der Ausgaben an die Einnahmen", wie die Direktorin formuliert. Mit anderen Worten, die Kirche muss den Gürtel um ein paar Löcher enger schnallen. Das betrifft auch den Oberkirchenrat selbst. Dessen Verwaltung soll schlanker werden. "Wie muss die Verwaltung ausgerichtet sein, um bei sinkenden Ausgaben effizient zu sein?", ist die Frage, die Margit Rupp gerade beschäftigt. Ende des Jahres soll das Konzept für die Strukturveränderung stehen.
Seit Sommer 2001 ist die 50-Jährige Direktorin der Kirchenbehörde und Leiterin des Dezernats für Allgemeines Recht und Interne Verwaltung. In ihren Händen liegt die Geschäftsleitung des Oberkirchenrates und sie vertritt den Landesbischof in juristischen Angelegenheiten. Sie bereitet die Kollegiumssitzungen des Oberkirchenrats vor und leitet sie gemeinsam mit dem Landesbischof. Auch viele Außenkontakte laufen über die Direktorin. Sie ist Ansprechpartnerin für die Landessynode, die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD), den Landtag oder die Landesregierung.
Ursprüngliches Studienziel von Margit Rupp war Anwältin. Das Jurastudium in Erlangen und Tübingen begann sie mit der Motivation, "andere zu unterstützen und dafür einzutreten, dass rechtmäßig gehandelt wird"; "Helfersyndrom", meint sie im Rückblick. Doch statt sich nach dem Referendariat auf den Weg in den Anwaltsstand aufzumachen, las sie eine Stellenanzeige der Landeskirche, die sie interessierte und wurde Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Referat Dienst- und Arbeitsrecht des Oberkirchenrats. Attraktiv fand sie die Verbindung von praktischer Arbeit im Dienst- und Arbeitsrecht auf der einen sowie Rechtssetzung und Strukturen auf der anderen Seite, außerdem den "Spannungsbogen zwischen Theologie und Recht", die den Oberkirchenrat in ihren Augen von anderen Behörden unterschied, zu etwas Besonderem machte und bis heute macht. Ab 1993 leitete die Juristin das Referat Dienstrecht und arbeitetete bei verschiedenen Vorhaben und Projekten wie "Personalentwicklung und Chancengleichheit", "Wirtschaftliches Handeln und dem ersten Pfarrplan mit.
Mit Margit Rupp leitet zum ersten Mal eine Frau die Geschäfte des Oberkirchenrates. Sie ist die erste Direktorin, vor ihr gab es nur Direktoren. "Ich denke, dass das nicht für alle selbstverständlich war", meint die Juristin. Großen Widerstand habe sie aber nicht gespürt, wohl weil Siei nicht die erste Frau in kirchenleitender Funktion in Württemberg war. Das Eis war bereits gebrochen. Bis zur Gleichberechtigung hat die Kirche in den Augen von Margit Rupp aber noch einen langen Weg vor sich. Die Arbeit in der Kirche werde zum großen Teil von Frauen gemacht, aber nur wenig Frauen übten leitende Funktionen aus, kritisiert sie, "das Verhältnis zwischen Engagement an der Basis und Führungspositionen stimmt noch nicht".
Einmal im Monat reist Margit Rupp nach Hannover oder Berlin zu den Sitzungen des Rates der EKD, dem sie seit Herbst 2003 angehört. Die Arbeit im Rat helfe, "in übergeordneten Strukturen zu denken", bringe einen "Weitblick" über die Grenzen Württembergs hinaus und einen manchmal hilfreichen Einblick in andere Landeskirchen, erzählt sie. "Den Umgang mit rückgängigen Ressourcen und den Optimismus dabei", nennt die Direktorin ein Beispiel, "können wir uns bei den östlichen Landeskirchen abschauen".
Margit Rupp lebt mit ihrem Mann in Tübingen. Sie pendelt täglich nach Stuttgart – der räumliche Abstand zur Arbeitsstelle habe etwas Gutes. Viel daheim ist sie nicht und deshalb froh, dass sie einen "sehr selbständigen" Mann hat, "der nicht zu Hause sitzt und wartet, bis ich ihm was koche". Durch ihren Mann, der auch Jurist ist und einen Freundeskreis mit vielen "normalen" Juristen hält Margit Rupp Kontakt zur außerkirchlichen Juristerei. Im Kreise der Kollegen diskutiert die Kircherechtlerin auch ab und zu über bekannte Justizfälle und strittige Urteile. In ihrer Freizeit spielt sie Tennis, liest Krimis – "was schnelles" – oder wandert auf der Alb oder im Schwarzwald.
Geboren und aufgewachsen ist die Direktorin des Oberkirchenrates der Evangelischen Landeskirche in Württemberg übrigens in Baden. Sie spreche zwar mit badischem Einschlag, als "Ur-Badnerin" würde sie sich aber nicht bezeichnen, sagt sie, zumal ihr Vater gebürtiger Berliner sei. Die Familie zog von einem Dorf zwischen dem badischen Bruchsal und Bretten ins württembergische Reutlingen als Margit Rupp 15 Jahre alt war. Die Spannungen zwischen Baden und Württemberg konnte sie nach ihren eigenen Erfahrungen nicht nachvollziehen. "Ich habe keine Berührungsängste", sagt sie.
Andreas Föhl
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