Heute strahlen die Christinnen in Kamerun und im Sudan Selbstbewusstsein aus. Das ist nicht zuletzt der Arbeit von Maria Schlenker zu verdanken.

Ihre erste Überseetätigkeit begann sie "im hintersten Eck von Kamerun" unter schwierigen Umständen – und löste - zusammen mit Ihren Kolleginen - eine kleine kirchliche Revolution aus.
Maria Schlenker stammt aus Heidenheim, einer Kleinstadt auf der Ostalb. Es ist eine karge Gegend, kalt, neblig, konservativ. Eine Landschaft, die Menschen prägt. Als die Heidenheimerin nach ihrer Ausbildung zur Katechetin im September 1960 in die Basler Mission eintritt, schickt das Komitee in Basel sie "ins hinterste Eck von Kamerun", wie sie sagt. Ihr erster Eindruck ist: "heiß". Der zweite ist, dass der Wald weiter reicht, als man schauen kann. Aber sie hat wenig Zeit, das Land auf sich wirken zu lassen. Kurz nach ihrer Ankunft steht sie vor der Entscheidung, wieder abzureisen, da die Missionsstation abbrennt. Aber sie bleibt und hilft, die Frauenarbeit auch in anderen Bezirken im Südwesten Kameruns zu beginnen.
Gemeinsam mit ihrer Kollegin Waltraud Haas und ab 1964 mit Anna Frank beginnt sie, eine organisierte Frauenarbeit aufzubauen. "Das meiste haben die Frauen selbst gemacht", sagt Maria Schlenker, "wir haben nur die Leiterinnen geschult und dem Ganzen Struktur gegeben". "Leiterin" – ein unerhörtes Wort in einer Kirche, die damals nur "Leiter" kannte. Die erste kamerunische Leiterin der Frauenarbeit war ab 1972 Grace Akwe-Eneme, die heute Präsidentin der Missionssynode von Mission 21 ist. 2001, beim vierzigjährigen Jubiläum, besteht die Frauenarbeit aus 400 Gruppen mit insgesamt 30.000 registrierten Mitgliedern. Man benennt heute in Kamerun Kinder nach Maria Schlenker.
Nach zwölf Jahren in Kamerun kehrt sie zurück nach Deutschland und arbeitet zwei Jahre beim Dienst für Mission und Ökumene in Ulm. Dann bittet die Presbyterianische Kirche im Sudan sie, zu kommen. Man hat im Sudan von Kamerun gehört. Auch der Sudan braucht jemand, der sich um die Frauen kümmert. 1975 reist Schlenker aus in den Südsudan. Kurz nach dem sie angekommen ist, will sie schon wieder nach Hause zurückkehren, aber nicht weil sie die Lage für aussichtslos hält. "Wir brauchen so was nicht", haben ihr die Frauen aus dem Dorf, in dem sie wohnt, über einen Übersetzer ausrichten lassen. Aber als sie das der Frau des örtlichen Pfarrers erzählt, bittet die sie inständig, zu bleiben: "Die anderen wissen nicht, was sie da ablehnen", meint sie.
Die Bedingungen im Südsudan sind ungleich schwieriger als in Kamerun. Das Arbeitsgebiet ist riesig und unwegsam. Das Land ist sumpfig und ohne Wege und Straßen. Viele Dörfer sind nur mit dem Flugzeug erreichbar. Von 1955 bis 1972 hatte Bürgerkrieg geherrscht – die Auswirkungen sind waren noch zu spüren. Maria Schlenker beginnt, eine Frauenarbeit aufzubauen. Wieder bildet sie Leiterinnen aus, schafft Strukturen. Dann beginnt 1983 der zweite Bürgerkrieg. Er macht die Menschen im Südsudan wieder zu Flüchtenden. 1985 zwingt der Bürgerkrieg Maria Schlenker zurück nach Deutschland. Als sie ausreist, ist aber trotz aller Schwierigkeiten schon eine funktionierende Frauenarbeit entstanden, die nicht mehr auf sie angewiesen ist.
Maria Schlenker wird Referentin für Südwestdeutschland und Beauftragte für den Sudan der Basler Mission. Der Krieg im Sudan hält sie nicht ab, regelmäßig zurückzukehren: So oft wie möglich reist sie in den Südsudan. Weil die Ausbildung von Mitarbeitern im Sudan aufgrund des Krieges nicht funktioniert, gründet sie zusammen mit sudanesischen Pfarrern eine Bibelschule in Kakuma, dem größten Flüchtlingslager in Nordkenia. Die ersten Jahrgänge unterrichtet sie selber. Im Lager sind nicht nur Flüchtlinge aus dem Sudan, sondern auch aus anderen afrikanischen Krisengebieten. Bald gibt es auch Schüler aus anderen Kirchen. Weil sie überkonfessionell ist, wird die Bibelschule von der UN, die das Lager betreibt, anerkannt. Die Bibelschule bildet dringend benötigte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus und trägt zum Frieden im Lager bei. Dafür ist Maria Schlenker besonders dankbar. Auch im Südsudan sollen zwei Bibelschulen gegründet werden. Doch das stellt sich wegen des Bürgerkrieges als unmöglich heraus: "Da hat man eine Bibelschule gegründet, und wenn man das nächste Mal in das Dorf zurückkam, war alles zerstört und die Menschen geflohen.”, erzählt Schlenker.
1992 wird ihr das Bundesverdienstkreuz verliehen. Sie sieht darin nicht nur eine Wertschätzung ihrer Arbeit, sondern auch eine Aufmunterung "für die vielen Frauen in Kamerun und im Sudan, die die Frauenarbeit in ihren Dörfern und Städten weiterentwickeln". Wie stark die Verbundenheit zwischen diesen Frauen und ihr ist, zeigt ein Brief aus Kamerun, in dem die Frauen ihr zum Bundesverdienstkreuz gratulieren: "Wir wären am liebsten alle dabei gewesen!" schreiben sie.
Bis heute ist die 73-Jährige aktiv für die Basler Mission. Regelmäßig arbeitet sie als Kurseelsorgerin in der Kurklinik Bad Sebastiansweiler, hält Vorträge in Gemeinden, gestaltet Gottesdienste mit. Gefragt, für was sie besonders dankbar ist, sagt sie mit einem Strahlen im Gesicht: "Was gibt es Schöneres, als zu sehen, dass die eigene Arbeit Früchte trägt."
Ulrich Bubeck
Bindung in unterschiedlichen Alters- und Entwicklungsstufen
16. bis 17. Oktober 2010 in der Evang. Akademie Bad Boll
Der Newsletter der Evangelischen Frauen in Württemberg erscheint zweimal jährlich.
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