Regula Hermann

Projektleitung "Wirtschaftliches Handeln in der Kirche"

Regula Hermann ist württembergische Theologin und zugleich Diplom-Volkswirtin, seit vier Jahren leitet sie das Projekt "Wirtschaftliches Handeln in der Kirche".

"Wie formulieren wir Ziele, ohne dass es nach Wischiwaschi klingt?"

Regula Hermann
Regula Hermann

Regula Hermann ist Jahrgang 1962. Sie hat Theologie unter anderem in Brasilien studiert und ist dort in Kontakt mit der Befeiungstheologie gekommen. Die politische Orientierung dieser Theologie haben ihr eingeleuchtet und sie wollte verstehen, "was unsere Welt so strukturiert, dass es solche Unterschiede gibt". Neben den Analyseinstrumenten für die geistlichen Zusammenhänge, wollte sie sich auch Analyseinstrumente für die weltlichen Zusammenhänge aneignen. Sie begann neben der Theologie Volkswirtschaft zu studieren. Nach der ersten theologischen Dienstprüfung war sie von 1993 bis 1996 Vikarin in Münster am Kocher im Dekanat Gaildorf. Den unständigen Dienst versah sie auf einer halben Stelle an der Evangelischen Akademie Bad Boll, nebenbei studierte sie Volkswirtschaft zu Ende und legte ihr Diplom ab. Danach war sie drei Monate auf der Führungsakademie des Landes Baden-Württemberg, um ab 2000 die Projektleitung "Wirtschaftliches Handeln in der Kirche" zu übernehmen.

Das Projekt wurde 1997 begonnen, 2009 soll es abgeschlossen sein. Bis dahin wird in allen Kirchlichen Verwaltungsstellen und in jeder Kirchengemeinde die bisher rein kamerale Buchführung um einige Elemente der kaufmännischen Buchführung ergänzt. Das bedeutet u. a.: Kirchengemeinden und Kirchenbezirke bewerten ihr gesamtes Vermögen, auch Immobilien, und stellen es in einer Kosten-Nutzen-Rechnung dar. Sämtliche Leistungen und der dafür notwendige finanzielle Aufwand sollen sich direkt gegenüberstehen. Beispiel Jugendarbeit: Eine Kirchengemeinde bestimmt, wie viel Jugendarbeit sie haben möchte und was das Ziel dieser Jugendarbeit sein soll. Dem werden sämtliche für diese Jugendarbeit anfallenden Kosten – von den anteiligen Kosten zur Erhaltung der benötigten Gemeinderäume über Material- bis hin zu Personalkosten - gegenüber gestellt "Endlich wird deutlich, wenn von der Substanz gelebt wird", benennt Regula Hermann einen Vorteil dieses neuen Rechnungsstils. Alle Verwaltungsmitarbeiter müssen neben dem neuen Rechnungswesen auch ein neues Computerprogramm lernen.

Regula Hermann spricht von Steuerungsmechanismen für die Kirche und davon, dass es bisher kaum welche gab. Deshalb vollziehe sich der Prozess "Wirtschaftliches Handeln in der Kirche" auch so langsam. "Wie formulieren wir Ziele, ohne dass es nach Wischiwaschi klingt?", das sei eine der entscheidenden Fragen. Damit verbunden die Frage: Wie gehen wir mit Fehlern um? Die Angst vor Kontrolle sei immer noch größer als der Wunsch nach Steuerung. Die Peinlichkeit ist groß, wenn Ziele nicht erreicht werden. "Wir sind darin unsicher, weil wir noch keine Erfahrungen damit haben, uns inhaltlich so genau festzulegen", meint Regula Hermann. Den Zwang, wirtschaftlicher zu denken und zu handeln, empfindet sie nicht als unangenehm, im Gegenteil. Sie ist froh, dass inhaltliche Anliegen nun genauer als bisher formuliert werden müssen.

Konzeptionelle Überlegungen, wie sie beispielsweise die von der Arbeitsgemeinschaft "Bildung" in den vergangenen Jahren angestellt wurden, seien Schritte in die richtige Richtung. "Aber wenn wir dafür fünf Jahre brauchen …", sagt Regula Hermann, lässt den Satz unvollendet und fährt fort: "Wir müssen lernen, kontinuierlich konzeptionell zu denken".
In diesem Herbst verlässt Regula Hermann die Projektstelle, sie wird Pfarrerin in Großgartach im Dekanat Heilbronn. Gottesdienste halten und die Begegnung mit Menschen, das ist es, worauf sie sich freut. Und darauf, gemeinsam mit anderen ein Projekt vorzubereiten, zu veranstalten und abzuschließen - innerhalb von zwei Wochen und nicht von zehn Jahren.

Astrid Günther


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