Erst berichtete Sabine Völker-Krämer als Journalistin über Kirche. Mittlerweile ist sie selbst Kirchengemeinderätin. Diese Aufgabe erfülle sie mit viel Freude: "Es macht Spaß, Gemeinde mitzugestalten."

Sabine Völker-Kraemer ist eine waschechte Stuttgarterin. Die gelernte Journalistin wurde, wie sie voll Stolz erzählt, im Charlottenhaus geboren. Doch schon bald führte sie der Weg nach Sindelfingen, wo der Vater als Mitarbeiter von IBM tätig war. Dort wohnte sie in Reichweite der Kirche und dort hatte sie auch ihr erstes positives Erlebnis mit dieser Institution. Der Pfarrer, der sie konfirmierte, war offen und hatte einen Zugang zu den Jugendlichen. Das war entscheidend. Dann kamen Stationen in Magstadt und das Volontariat bei der Sindelfinger Zeitung, wo sie das Handwerkszeug der Journalistin erlernte. Später dann wechselte sie zu den Stuttgarter Nachrichten. Dort gehörte die Berichterstattung über die Kirchen zu ihren Aufgaben. In die sechs Jahre ihrer Zeit dort, fiel auch die Bischofswahl des neuen württembergischen evangelischen Landesbischofs. Noch heute erinnert sie sich an die zahlreichen Wahlgänge. An die Aufregung und Unzufriedenheit der Beteiligten. Ihre Schlagzeile damals, als Theo Sorg endlich zum Bischof gewählt war, hieß: „Retter in der Not“.
Der Beruf ihres Ehemannes führte Sabine Völker-Kraemer dann für einige Jahre nach England und danach ins hessische Gießen. Seit 2003 wohnt die Familie mit ihren beiden Töchtern Kathrin und Kristina in Nürtingen. Weil sie nach dem Englandaufenthalt ein bilinguales Gymnasium für die Kinder gesucht hat, und weil ein Autobahnanschluss für den Ehemann, der in Bayern arbeitet, notwendig war, entschied man sich für die Stadt am Neckar mit den berühmten Menschen.
Bald nach dem Einzug ins Reihenhaus in einem Neubaugebiet, suchte Sabine Völker-Kraemer mit den Kindern die örtliche evangelische Kirche auf. Die Tochter sollte konfirmiert werden und deshalb wollte sie sich der Gemeinde vorstellen. Die Art, wie sie freundlich begrüßt wurde, wie warmherzig sie dort empfangen wurde, überzeugte sie völlig. Der dortige Pfarrer fragte sie dann auch bald, ob sie vielleicht ein bisschen mithelfen könne in der Gemeinde. Am schönste war für sie, als er sie wenige Wochen vor Weihnachten anfragte, ob sie nicht die Schriftlesung am Heiligen Abend übernehmen könnte. Dieser Vertrauensbeweis habe ihr sehr gut getan und sie habe gerne zugesagt. Immer mehr sei sie dann in die Gemeindearbeit hineingewachsen. Darum hat es sie auch nicht verwundert, dass einige Frauen in der Gemeinde sie angefragt haben, ob sie nicht für einen frei gewordenen Sitz im Kirchengemeinderat zur Verfügung stünde. „Wir stehen lieber in der Küche, Du kannst gut vorne stehen, also machst Du das!“ Dem konnte und wollte sie nicht widersprechen. Jetzt ist sie seit ein paar Jahren zu gewählte Kirchengemeinderätin. Im Herbst jetzt will sie wieder antreten. Zumal es in der Gemeinde einige schwerwiegende Entscheidungen zu treffen gibt. Soll das Gemeindehaus mit Kirche verkauft werden? Wie geht es mit der Gemeinde weiter? Wird sie auch in Zukunft einen eigenen Pfarrer haben? Was sieht der nächste Pfarrplan für Nürtingen-Enzenhard vor? Es mache Spaß, Gemeinde mitzugestalten, meint die 46-jährige. Und sie nimmt das durchaus wörtlich. Sie betreut sie den Seniorenkreis. Als kein Pfarrer in der Gemeinde war, nahm sie an den Sitzungen des engeren Rates teil, sie arbeitet im Kirchenmusikausschuss mit und singt auch selbst im Kirchenchor.
Vor kurzem hat sie Mitwirkende an einer eigenen Predigtreihe gesucht zum Thema „Menschen mit besonderen Aufgaben in der Kirche“. Da hat sie dann ihre alten Verbindungen aus der Journalistenzeit wieder spielen lassen und mühelos die großen Namen in den kleinen Stadtteil geholt. Dass sie sich im Herbst wieder zur Wahl stellt, hat auch damit zu tun, dass ihre Mutter schon Kirchengemeinderätin war und sie die Arbeit kannte.
Was ihr bei aller Freude aber auch Sorgen macht, ist die Tatsache, dass sich immer mehr in der Kirche ums Geld dreht. Dass die Finanzmisere das Tagesgeschäft bestimmt. Auch die Ungerechtigkeit zwischen den Gemeinden macht ihr zu schaffen. „Wie kommt es, dass einige Gemeinden ihre Gemeindehäuser mit Millionenbeträgen sanieren und wir hier unser Haus nicht halten können?“, fragt sie. Doch aufgeben will sie nicht. Das Engagement in der Kirchengemeinde macht ihr weiterhin Spaß und mit dem neuen Pfarrer sei auch gut zusammen zu arbeiten.
Vielleicht schreibt sie ja mal wieder ein Buch. Denn auch da hat sie Erfahrung nach einer Biographie über Margarete Steiff, über die Erfahrungen mit zwei Kleinkindern und als Ghostwriterin einer Hebamme aus dem Schwarzwald, die ihre Lebenserfahrungen aufgeschrieben haben wollte. Dass es ihr einmal langweilig werden kann, traut man der temperamentvollen Schwäbin kaum zu. Und wenn, dann würde sie sich noch mehr um ihren akurat gepflegten Garten kümmern.
Klaus Rieth
(Juni 2007)
Bindung in unterschiedlichen Alters- und Entwicklungsstufen
16. bis 17. Oktober 2010 in der Evang. Akademie Bad Boll
Der Newsletter der Evangelischen Frauen in Württemberg erscheint zweimal jährlich.
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