Württembergische Spezialistin für den interreligiösen Dialog
England, Schweiz, Indonesien – Simone Sinn ist schon weitgereist, um im Auftrag der Ökumene tätig zu sein. Das Ziel der umtriebigen Theologin: Theorie und Praxis kirchlichen Handelns verbinden.

Ihre ökumenische „Karriere“ hat bei Simone Sinn früh begonnen. In der zehnten Klasse des Gymnasiums im hohenlohischen Öhringen hatte sie die Gelegenheit, drei Monate nach England zu gehen. Gleich nach dem Abitur suchte sie sich dann erneut eine Stelle im Ausland und wurde in Paris fündig, wo sie in einem Krankenhaus ein Freiwilliges Soziales Jahr ableistete. Danach begann sie ihr Theologiestudium zuerst in Bethel und Heidelberg. Dann zog es sie wieder über Deutschlands Grenzen hinaus nach Dublin und zum Abschluss nach Tübingen.
Nach dem Theologiestudium kam das Ausbildungsvikariat in Herbrechtingen im Dekanat Heidenheim. Dort erfuhr sie von der Möglichkeit, die unständige Zeit im Vorbereitungsdienst für das Pfarramt im Ausland zu verbringen. Konkret bot die Württembergische Evangelische Landeskirche Plätze in Bossey bei Genf, in Montbeliard in Frankreich und an der Melanchthon-Akademie in Rom an. Simone Sinn entschied sich für einen Aufenthalt im ökumenischen Zentrum beim Lutherischen Weltbund in Genf. Dort arbeitet sie seit September 2006 in der Abteilung „Theologie und Studien“. Und es gefällt ihr dort ausnehmend gut. Nicht nur, weil sie an solch außergewöhnlichen Ereignissen wie dem Treffen aller lutherischen Bischöfe im schwedischen Lund vor wenigen Wochen zum 60 jährigen Bestehen des Lutherischen Weltbundes teilnehmen konnte, sondern auch weil sie in dieser Abteilung das zusammenbringen kann, was sie seit ihrem Studium bewegt: Theorie und Praxis kirchlichen Handelns.
Interreligiöser Dialog als Spezialgebiet
Simone Sinn ist eine erfahrene Ökumenikerin. Deshalb hat sie auch ihre Vorgesetzte in Genf, die Dirketorin der Abteilung „Theologie und Studien”, Karen Bloomquist, gebeten, in sechs Wochen an einer Konferenz in Bali/ Indonesien teilnehmen zu können, bei der es um Gottesdienstformen und den interreligiösen Dialog, das Spezialgebiet von Simone Sinn, geht. Damit kehrt sie an einen Ort zurück, an dem sie bereits einmal gewirkt hat. Nämlich am indonesischen Institut für interreligiösen Dialog. Dorthin wurde sie nach dem Studium mit Hilfe des Evangelischen Missionswerkes in Südwestdeutschland für sechs Monate vermittelt. Dort lernte sie auch ganz konkret, wie es aussehen kann, wenn Christen, Muslime und Hindus sich miteinander um einen Dialog bemühen.
Geprägt haben die 32-Jährige mit der reichen internationalen Erfahrung die Erlebnisse in der Geburtsstadt. Dort war sie stark in der Jugendarbeit einer Pfingstgemeinde engagiert. Später arbeitete sie in der Kinderkirche ihrer landeskirchlichen Gemeinde mit. Dort habe sie, so Simone Sinn, auch gelernt, wie man intellektuell redlich auf die Fragen der Kinder eingehen und diese Fragen so beantworten kann, dass sie verstanden werden. Dies sei eine überaus produktive Zeit gewesen, erinnert sie sich.
"Kirche muss [...] Kirche für die Welt sein"
“Intellektuell redlich” ist ein Lieblingsbegriff von Simone Sinn. Ihre Studienzeit in Tübingen bei den Professoren Herms und Schweitzer hat sie auch deshalb so genossen, weil sie dort ihre ersten praktischen Erfahrungen mit der Theologie verbinden konnte. “Kirche muss immer Kirche für die Welt sein, Salz und Licht zugleich”, fasst sie ihre theologische Position zusammen. Wichtig sei es, “raus zu gehen, sich korrigieren zu lassen, sich verändern lassen. Ich bin noch nicht fertig”.
Derzeit arbeitet Sinn an einem Buchprojekt des Lutherischen Weltbundes. Es soll darum gehen, die Begriffe “Glaube, Hoffnung, Liebe” im Verhältnis zu anderen Religionen zu untersuchen. Diese Arbeit ist das Ergebnis einer Tagung zum christlich-muslimischen Dialog, den der L Lutherischen Weltbund im norddeutschen Breklum veranstaltet hat, und an der Simone Sinn teilgenommen hat. Es habe sich auch dort wieder bewahrheitet, dass Theologie ein “spannendes Unternehmen” sei. Und ihre Freude am Fragen komme bei solchen Gelegenheiten besonders zur Geltung.
Gefragt nach ihrem gegenwärtigen theologischen Leitsatz diktiert Simone Sinn druckreif: “Mit dem Herzen Christ sein, mit der Tat das verwirklichen und das Ganze denkerisch einholen”.
Klaus Rieth
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