Diakonin Sonja Berger

Keine Frau für den Trott

Die Stuttgarter Diakonin Sonja Berger ist vor allem durch ihr Engagement in der Stuttgarter Vesperkirche bekannt, die sie mit Pfarrer Martin Friz organisiert und durchführt.

Sonja Berger
Sonja Berger

Geboren ist sie in Wermelskirchen im bergischen Land bei Remscheid. Sie bezeichnet sich selbst als "kirchlich sozialisiert" und arbeitete ab dem 14. Lebensjahr in ihrer Gemeinde in der Kinder- und Jugendarbeit mit. Nach dem Fachabitur besuchte sie die dortige Fachschule für Sozialpädagogik, wurde erst Erzieherin und entschied sich dann endgültig für eine berufliche Laufbahn als Diakonin. In Remscheid arbeitete sie in der Gemeinde- und Jugendarbeit, führte unzählige Freizeiten durch und arbeitete im Team der Pfarrer in der Konfirmandenarbeit mit. Danach arbeitete sie acht Jahre in einer Senioreneinrichtung. Dort initiierte sie Anfang der 80er Jahre Gruppen von Ehrenamtlichen, die sterbende Menschen und deren Angehörige begleiteten.
 
Außerdem unterrichtete Sonja Berger in Remscheid zwei Jahre lang im Diakonenkurs die Fächer Katechetik und Jugendarbeit. Unter anderem war ihr dabei wichtig, die Studierenden an Zeitmanagement und den verantwortlichen Umgang mit ihren Ressourcen heranzubringen. 
 
Als sie vor 13 Jahren nach Stuttgart kam, war sie zunächst fünf Jahre lang in der Stuttgarter Martinsgemeinde verantwortlich für Senioren- und Waldheimarbeit. Seit nunmehr acht Jahren arbeitet sie im Team mit Diakoniepfarrer Martin Friz, ist dort zuständig für Vesperkirche, Armutsarbeit, Fachberatung für Diakoninnen und Diakone im Dekanat Stuttgart, Öffentlichkeitsarbeit, Betreuung der Ehrenamtlichen und vieles mehr. Die Aufzählung ihrer Tätigkeitsfelder ist lang. Zusätzlich arbeitet Sonja Berger zur Erweiterung ihrer fachlichen und persönlichen Kompetenz auf ihr Diplom in Themen Zentrierter Interaktion TZI) hin.
 
Sonja Berger ist in ihrem Beruf auch Anlaufstelle für Menschen mit ganz unterschiedlichen sozialen Problemen. Diese Menschen brauchen ein ganz niederschwelliges Beratungsangebot, das finden sie immer wieder im Diakoniepfarramt.
 
Langeweile kennt Sonja Berger nicht. Sie muss sich ihren Arbeitstag bewusst einteilen, Prioritäten setzen und lernen, auch manchmal nein zu sagen. Sie weiß, dass sie sich selbst nicht verzetteln darf, reflektiert ihre Arbeit aus diesem Grund immer wieder, zieht Resümee und setzt Schwerpunkte.
 
Frau Berger hat nicht nur für sich selbst Verantwortung, sondern auch für die Menschen, die sich ihr anvertrauen. Im Umgang mit ihnen ist ihr Klarheit und Verlässlichkeit wichtig. Ihr Umgang ist von Wertschätzung geprägt und oft macht sie sich zur Lobbyistin für sozial Schwächere, deren Interesse sie oft hartnäckig vertritt. Sie bleibt am Ball, informiert sich, macht sich fachkundig, auch in Gebieten, die bislang nicht in ihren Aufgabenbereich fielen. Probleme kann sie schlecht liegen lassen, sie ist immer bestrebt, so schnell wie möglich Lösungen zu finden.
 
Die Anleitung und Begleitung von Praktikantinnen der Fachhochschule Esslingen oder der Karlshöhe liegen im Aufgabenbereich von Sonja Berger. An ihrer Seite sammeln diese viel praktische Erfahrung in den unterschiedlichen Projekten, werden verantwortungsvoll angleitet und begleitet.
 
Auch Sonja Berger hat Befürchtungen und Sorgen, vor allem im Hinblick auf die sozialen Entwicklungen in unserem Land, die steigende Arbeitslosigkeit von jungen Menschen und die damit verbundene Zukunftslosigkeit. In diesem Bereich hat sie Fragen über Fragen und sucht den intensiven Austausch mit Kollegen und Pfarrer Friz.
 
Frau Berger weiß, dass die Verantwortung für die Gestaltung ihres Lebens ganz stark bei ihr selber liegt. "Ich habe nur dieses eine Leben", sagt sie eindringlich, "ich bin täglich dafür verantwortlich, es bewusst zu gestalten und zu steuern, mich zu orientieren und inne zu halten. Ich brauche Impulse von anderen. Austausch und Reflektion."
 
Beruflich möchte sie flexibel bleiben und sich ihre innere Offenheit für Neues behalten. Die Veränderungen von beruflichen Schwerpunkten, sagt sie, wirke sich positiv auf die eigene Persönlichkeit aus. "Ich bin keine Frau, die 30 Jahre das Gleiche tun möchte, also keine Frau für den Trott und das Gleichmaß. Das Leben darf schon bunt und abwechslungsreich sein."
 
Diese Lust zum Wechseln und die Spannung auf etwas Neues spiegelt sich in ihrer Reiselust wider. Von Reisen auf die Galapagos-Inseln träumt sie, sie ist fasziniert von wilden Tieren und fremden Kulturen. Sie schwärmt für Italien und hat in der Toskana viele Freunde.
 
Auch nach dem Tod ihres Lebensgefährten, mit dem sie eigentlich in Italien ein gemeinsames Leben aufbauen wollte, blieb ihre Leidenschaft für das Land und die Menschen ungebrochen. Ihre Freunde richteten ihr im Haus eine eigene Wohnung ein und boten ihr so Heimat in einem geliebten Land. "Mit einem Lottogewinn", fügt sie schmunzelnd hinzu, "würde ich dort gerne eine Trattoria eröffnen" (auch wenn sie noch nie Lotto gespielt hat). Kochen ist nämlich eine ihrer Leidenschaften. Sie kocht gerne asiatisch und italienisch, probiert oft ein Gericht so lange aus, bis es exakt so schmeckt wie es zum Beispiel in Indonesien geschmeckt hat. Sie gesteht, dass dies von ihren Mitmenschen Geduld erfordert.
 
Auf die Frage nach ihren Wünschen für die Zukunft nennt sie im beruflichen Bereich das Gelingen des Gärtnereiprojektes, an dem sie gerade arbeitet. Im Privaten möchte sie ihre persönlichen Verluste weiter verarbeiten können und gute Begegnungen mit Menschen erleben.

Juliane Högerle


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