Traute Peters

Ehemalige Geschäftsführerin der Frauenarbeit der Landeskirche

"Die Kirche braucht die Frauen" - Ein Interview mit Traute Peters

Traute Peters
Traute Peters

Traute Peters wurde 1937 in Marienburg in Westpreußen geboren. Nach der Flucht war sie dreieinhalb Jahre in Internierungslagern Dänemarks und wurde 1948 in Biberach in ein katholisches Kinderheim aufgenommen. Danach war sie Pflegetochter in einem evangelischen Pfarrhaus. Sie arbeitete als Heimerzieherin im Martinshaus in Altshausen und führte fünf Jahre den Pfarrhaushalt in Aldingen. Danach war sie sieben Jahre Katechetin in Kornwestheim und wurde 1972 zur Geschäftsführerin der Frauenarbeit der Landeskirche gewählt. 1999 ging sie in den Ruhestand.

Bei Sonne und Wind hat Traute Peters, die fast 27 Jahre Geschäftsführerin der Frauenarbeit der Evangelischen Landeskirche in Württemberg war, in einem Stuttgarter Café mit Annette Schumm gesprochen und von ihrer Arbeit erzählt. Sie blickt auf bewegte und bewegende Jahre zurück und ist im Ruhestand noch genauso aktiv.

Was sehen Sie als den Auftrag der Frauenarbeit?
Die Aufgabe war und ist, Frauen die Veränderungen in Kirche und Gesellschaft bewusst zu machen und sie an Entscheidungen zu beteiligen. Das geschieht intern in der Verbandsarbeit und nach außen in der Tagungsarbeit.

27 Jahre haben Sie mit und für Frauen in der Landeskirche gearbeitet und gestritten. Was ist Ihnen denn besonders in Erinnerung geblieben?
Zu meiner Zeit hat sich die Frauenarbeit, also der Zusammenschluss evangelischer Frauenverbände, unter anderem jahrelang mit dem Paragraf 218 auseinandergesetzt. Sie hat "Kontaktpersonen" geschult, die Schwangere begleitet und beraten haben. Wir haben uns für den "Bildungsurlaub für Hausfrauen" stark gemacht und fast 20 Jahre Bildungswochen mit finanzieller Unterstützung der Landeskirche durchgeführt. Daraus wurde ein großes Potential für die Landeskirche. Die Frauen haben sich an kirchlichen und gesellschaftlichen Vorgängen beteiligt. Viele Männer dachten ja, o Gott, jetzt wird meine Frau emanzipiert. Viele Männer hatten Angst und viele waren nachher froh, dass ihre Frauen da mitgemacht haben. Es war auch ein Lernprozess für unsere Kirchenmänner.

Kontakte zu Frauen weltweit und Netzwerke waren Ihnen immer besonders wichtig.
Ja, natürlich. Wir haben uns um Kontakte zur DDR-Frauenarbeit durch persönliche Begegnungen und Studienreisen bemüht. Aber auch weltweite ökumenische Netzwerke waren von Bedeutung. Durch Missionswerk, Gustav-Adolf-Werk und Weltgebetstag konnten und können Frauen von Frauen aus anderen Ländern viel lernen.

Was hat Ihnen bei ihrer Arbeit Freude bereitet?
Na, ich arbeite einfach gern. Und vor allem habe ich immer gern mit Menschen gearbeitet. Frauenarbeit ist spannend. Da berühren sich Schicksale und Werdegänge. Es ist ein tolles Zusammenspiel von Hauptamtlichen und Ehrenamt. Frauenarbeit ist eine interessante und wichtige Aufgabe, die hundertprozentigen Einsatz braucht.

Und wo war die Arbeit schwierig?
Schwierig war und ist es noch, dass Frauen, die die Kirche ja braucht, um Finanzen bitten und betteln müssen. Es geht ja nicht um Hochglanzbroschüren, es geht um wichtige Arbeit für die Gemeinschaft.

Wie verbringen Sie Ihren Ruhestand?
O, es ist immer was los, ich bin viel unterwegs. Ich bin Mitglied beim Förderverein des Fraueninformationszentrums und zuständig für die Spendenbuchhaltung. Beim Förderkreis "Peace People", der Frauenfriedensbewegung in Nordirland, mache ich auch die Finanzen. (Sie lacht.)

Und Kirchentag und christlich-jüdischer Dialog?
Nach meinem beruflichen Ausscheiden bin ich beim Kirchentag/Landesausschuss Württemberg als persönliches Mitglied gewählt worden. Früher war das fast ein Männergremium, heute sind die Hälfte Frauen. Diese Entwicklung kann man übrigens in vielen Bereichen sehen. Im christlich-jüdischen Dialog unterstützen Frauen aus Kirchen, Parteien, Gewerkschaften, Kunst und Medien die WIZO-Gruppe Stuttgart, die Women´s International Zionist Organization. Die WIZO unterstützt das Theodor-Heuss-Müttergenesungsheim in Israel. Da mache ich seit 20 Jahren beim Basar in der Jüdischen Gemeinde die Kasse. Ehrenamt war für mich immer wichtig. Mir ist der Ausspruch von Pfarrer Ludwig Schlaich, einem meiner Lehrer, sehr nachdrücklich geblieben. Er hat gesagt: "Jeder, der in der Kirche bezahlt arbeitet, hat mindestens ein Ehrenamt auszuüben."

Interview und Bild: Annette Schumm


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