Meta Braun 1898 - 1982

Die Arbeit hat mich reich gemacht

Meta Braun war in einer schweren Zeit – von 1934 bis 1951 – zweite Vorsitzende und anschließend bis 1976 erste Vorsitzende des Deutschen Evangelischen Frauenbundes/Ortsverband Ludwigsburg (DEF).

Meta Braun
Meta Braun

Der DEF wurde 1899 als christlicher Verband innerhalb der Frauenbewegung gegründet. Der Ortsverband Ludwigsburg war seinerzeit der größte im Bundesgebiet. Die Initiatoren waren Frauen, die es für notwendig hielten, sich als Glieder ihrer Kirche und auf der Grundlage ihres Glaubens in die geistige und soziale Auseinandersetzung ihrer Zeit einzuschalten und an sinnvollen Veränderungen mitzuwirken. Durch eine breitgefächerte Bildungsarbeit wurden damals und werden auch heute noch Orientierungshilfen vermittelt, um einen eigenen Beitrag in der Kirche, in Staat und Gesellschaft leisten zu können.

Neben der Bildungsarbeit (Vortragsnachmittage, Lehrgänge) ist die praktische soziale Arbeit der zweite Schwerpunktbereich des DEF. Die Aufgaben der Gründungszeit sind nicht mehr durchweg die Aufgaben von heute. Doch gibt es nach wie vor die Notwendigkeit diakonischer Aktivitäten, wenn man das Wort Diakonie mit Nächstenliebe übersetzt. Der DEF ist als Fachverband dem Diakonischen Werk der Evangelischen Kirche in Deutschland angeschlossen, als Mitgliedsverband der Evangelischen Frauenarbeit in Deutschland und dem Deutschen Frauenrat.

Meta Braun wurde am 11. August 1898 als Tochter eines Fabrikanten in Stuttgart geboren und ist am 20. Dezember 1982 nach kurzer, schwerer Krankheit gestorben. Nach dem Besuch der höheren Töchterschule nahm sie ein Studium an der Musikhochschule in Stuttgart auf. 1919 heiratete sie und wurde in den folgenden Jahren Mutter von zwei Söhnen und einer Tochter. Beide Söhne wurden im Zweiten Weltkrieg vermisst. Der jüngere durfte heimkehren. Soviel zum persönlichen Leben dieser Frau, deren Wirken in soziale und kulturelle Bereiche der Kirche und Gesellschaft ausstrahlte.

Gewiss war es ein tapferer Schritt von Meta Braun, ein Jahr nach der Machtergreifung Hitlers öffentliche Verantwortung für ein freies Werk der evangelischen Kirche – den Ludwigsburger Frauenbund – zu übernehmen. Und es war sicher keine einfache Aufgabe, denn der christlich orientierten Arbeit wurden mancherlei Schwierigkeiten bereitet. Aus diesem Grund resignierten damals einige Ortsverbände – auch in unserer Landeskirche – und gaben auf. So war es nur durch die mutige Initiative der beiden Vorsitzenden in Ludwigsburg möglich, in etwas kleinerem Rahmen die Frauenbundarbeit weiterzuführen und "zeitgemäße" Aufgaben zu übernehmen. Das war z.B. in den Kriegsjahren ein Näh- und Strickkreis mit dem Ziel, bedürftige Familien in der Stadt und Frontsoldaten beschenken zu können – alles nach der Devise: "Aus alt mach neu, aus zwei mach eins!" Gleich nach dem Krieg galt es für Meta Braun von neuem auf eine Notsituation zu reagieren, und so führte sie eine Schülerspeisung ein für 25 unterernährte Kinder.

Was für Meta Braun im Jahr 1934 zunächst ein Akt spontaner Solidarität mit einem durch das NS-Regime bedrohten Arbeitszweig ihrer Kirche war, wurde bald zu ihrer Lebensaufgabe. Ihr selbstloses, ehrenamtliches Engagement war immer geprägt von dem Auftrag der "Liebe zum Nächsten", einem Dienst, der nicht in die Öffentlichkeit drängte, dafür aber um so segensreicher wirken konnte.

Logo des Deutschen Evangelischen Frauenbundes
Logo des Deutschen Evangelischen Frauenbundes

Meta Braun war es ein großes Anliegen, die Gemeinschaft und Zusammengehörigkeit evangelischer Frauen zu pflegen. Diese Gelegenheit wurde geschaffen in den monatlichen Zusammenkünften, den "Frauenbund-Nachmittagen", die jeweils mit einer halben Stunde Gespräch begannen, einen interessanten Vortrag als Mittelpunkt hatten und von Kammermusik umrahmt wurden. Die Vortragsthemen waren einer reichen Palette des religiösen, gesellschaftspolitischen und kulturellen Lebens entnommen und waren vor allem in der Nachkriegszeit echte Lichtpunkte im schweren Alltag. Viele prominente Redner wären zu nennen, die den Einladungen von Meta Braun gern gefolgt sind, so z.B. Bischöfe, Prälaten und Dekane der württembergischen Landeskirche.

Ganz besonderen Wert legte Meta Braun auf die verschiedenen sozialen Aufgaben. Dabei ging es ihr nicht um das Prestige der eigenen Person oder der Organisation, sondern immer um die Wahrnehmung christlicher Verantwortung auf dem Boden der Gemeinde. Hauptsächlich in bezug auf die "Hausschwesternstation", die spätere "Haus- und Familienpflege" (1920 vom DEF in Ludwigsburg gegründet) und Meta Brauns "Lieblingskind", zeigte sich ihr diakonisches Engagement. Die Schwestern und Familienhelferinnen wurden durch Kurse und Freizeiten weitergebildet und von ihr in beispielhafter Weise betreut.

Diese Einrichtung war dann später auch für sie der Anlass, die "Arbeitsgemeinschaft Ludwigsburger Hauspflegeverbände" ins Leben zu rufen. Weitere wichtige Dienste sah Meta Braun in der "Paketaktion" in die DDR und ebenso für bedürftige, einsame und alte Menschen unter uns. Sie wollte damit materielle und ideelle Hilfe zugleich geben, als ein Zeichen christlicher Verbundenheit. Auch ein reger Besuchsdienst für Geburtstags-Jubilare und für kranke Mitglieder wurde von ihr aufgebaut. Außerdem wurden zu einer Zeit, als die "Senioren" noch bei weitem nicht so stark beachtet wurden wie heute, Kaffeenachmittage in sämtlichen Ludwigsburger Altersheimen abgehalten, mit einem jeweils sehr schönen, festlichen Programm. Dabei wurde ein Altenheim des Evangelischen Hilfswerks besonders reich bedacht: Jedes Jahr zum Christfest bekamen die etwa 200 armen Bewohner liebevoll gerichtete Päckchen, die von Meta Braun persönlich überricht wurden.

In den letzten Jahren ihres Wirkens galt ihre freundliche Zuwendung besonders den griechischen Gastarbeiterfamilien. Sie wurden zu Teenachmittagen eingeladen, die immer großen Anklang fanden. Diesen Mitbürgern in ihrer besonderen Situation beizustehen, war für Meta Braun eine selbstverständliche Christenpflicht – so wie alles, was sie tat.

Es gab für sie nicht ausschließlich die großen, sondern auch kleinere Aktivitäten, die einen festen Platz hatten, wie z.B. die Sammlungen für "Brot für die Welt", für das "Müttergenesungswerk" und manche andere. Es wären noch etliche Tätigkeiten zu erwähnen, die Meta Braun auch wichtig waren und von ihr unterstützt wurden, doch möge dieser Überblick genügen.

Wer Gelegenheit hatte, ihr "über die Schulter zu sehen", spürte deutlich eine vorbildliche Einsatzfreude und persönliche Opferbereitschaft, die ihr gesamtes Tun prägten.

Nicht umsonst wurde Meta Braun im Jahr 1968 durch die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes eine offizielle Anerkennung zuteil. Und sehr viel Lob und Dank durfte sie bei ihrer Verabschiedung 1976 entgegennehmen. Bei dieser Feier bezeichnete Altlandesbischof D. Dr. Martin Haug sie besonders freundlich und treffend als "das Herzstück und die Zierde des Deutschen Evangelischen Frauenbundes in Ludwigsburg".

Meta Braun selbst erwiderte auf so viele ehrende Worte bescheiden: "Die Arbeit hat mich reich gemacht!"

Sigrid Diem

(aus: "Initiativen - Lebensbilder evangelischer Frauen", Quell-Verlag Stuttgart 1984, Hrsg.in: Erika Stöffler für die Frauenarbeit der Evangelischen Landeskirche in Württemberg)


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