Mariane Kraut //

Namensgeberin für Frauenförderpreis


Mariane Kraut steht für die Anfänge der Frauenarbeit, die 1923 als Zusammenschluss "mutiger und herausragender Frauen-Initiativen" gegründet wurde. Sie ist die erste Vorsitzende des "Bundes evangelischer Frauenvereine Württembergs".


Nur wenige Dokumente sind uns aus den Anfangsjahren erhalten. Es ist immer wieder erstaunlich, mit wie wenig Organisation und Apparat unsere Vorgängerinnen auskamen. Ihre große Arbeit - das waren sie selbst. Die erste und jahrelange "Geschäftsstelle" der Frauenarbeit war das Wohnzimmer der Familie Kraut in der Olgastraße in Stuttgart. Dort kamen die verantwortlichen Frauen zusammen, dort wurde beraten und entschieden, von dort aus leitete Mariane Kraut den stetig wachsenden Dachverband in schwieriger Zeit, ausgestattet mit dem uneingeschränkten Vertrauen der evangelischen Frauen Württembergs und mit einem hohen Ansehen bei der Kirchenleitung und in der Öffentlichkeit.

Aus dieser Verbindung von "Frömmigkeit und Tatkraft" heraus schrieb sie 1934 im Kirchenkampf jenen eindrucksvollen Brief an Landesbischof Wurm, in dem es heißt: "Das Frauenwerk der Evangelischen Landeskirche in Württemberg nimmt innerlichst Anteil an den Sorgen und Kämpfen, in denen unsere württembergische Landeskirche steht. Das evanglische Frauenwerk steht fest auf dem Boden der bekennenden Gemeinde und will an seinem Teil mithelfen an der Erneuerung unserer Kirche im Sinne biblisch-reformatorischen Glaubens...". Und kurz danach telegrafierte sie nach Berlin an Reichsbischof Müller, an die Reichskanzlei, an das Reichsinnenministerium: "Frauenwerk der Evangelischen
Landeskirche in Württemberg, das sämtliche Frauenverbände umfaßt, bittet dringend um Abstellung der ungerechtfertigten und schädlichen Eingriffe in unsere Landeskirche. Mariane Kraut"

1935 gelang es der Frauenarbeit unter der Leitung von Mariane Kraut, 6.000 evangelische Frauen aus dem ganzen Land in Stuttgart zu einem öffentlichen Bekenntnis zum Evangelium und zur Kirche in den großen Kirchen der Stadtmitte zu versammeln.

1935 war auch das Jahr, in dem Mariane Kraut - 70jährig - die Leitung der Frauenarbeit weitergab an ihre Nachfolgerin Maria Raiser. Ihr Engagement für die evangelische Frauenarbeit gab sie aber auch weiter an ihre Tochter, die damals bereits promovierte Juristin Antonie Kraut. Sie wurde Geschäftsführerin, Stellvertretende Vorsitzende und Vorstandsmitglied der Frauenarbeit und ist im März 2002 im 97. Lebensjahr verstorben.

Mariane Kraut starb 1966 im Alter von 100 Jahren nach einem erfüllten und segensreichen Leben. Für mich ist es erstaunlich und beglückend zugleich, daß wir Frauen in der Frauenarbeit heute - trotz all der großen Veränderungen im Leben von Frauen, in Kirche und Gesellschaft - in einer ungebrochenen Tradition stehen, und daß wir am Anfang unserer Verbandsgeschichte eine Frau wissen, die uns bis heute vorbildlich erscheint - vorbildlich in ihrem Vertrauen in Gottes Führung, in ihrer Klugheit, in ihrem Mut zur Leitung, in ihrer Leidenschaft für die Sache der Frauen und für die Sache der Kirche. Sie war fromm und politisch zugleich.

Ein Portrait von Gertrud Hahn, Vorsitzende der Frauenarbeit von 1992 – 2000

Mariane-Kraut-Förderpreis für Frauen

Die Frauenarbeit, eine der Vorgängerinstitutionen von EFW, hat anlässlich ihres 70-jährigen Bestehens dieses Bemühen auf besondere Weise fortgesetzt: 1993 setzt die Mitgliederversammlung den MARIANE KRAUT FRAUENFÖRDERPREIS ein. Der Preis ist mit 1.500 € dotiert, wird alle vier Jahre verliehen und von Mitgliedern, Freundinnen und Unterstützerinnen der Evangelischen Frauen in Württemberg getragen.

Mit diesem Preis werden Frauen/Mädchen ausgezeichnet, die sich in besonderer Weise für die Sache der Frauen/Mädchen einsetzen und eingesetzt haben. Auf diese Weise soll Frauensolidarität bekanntgemacht und gefördert werden. Die Mitgliedschaft in der Evangelischen Kirche Württemberg stellt für die Teilnahme keine Voraussetzung dar.

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