Angespannte Lage im WGT-Land Simbabwe

Coronakrise bedroht Familien in Armut besonders

Ein Gespräch mit Valencia über ihre Heimat Simbabwe in der Corona-Krise

Valencia ist in Bulawayo, Simbabwe geboren und aufgewachsen und hat dort Projektleitung studiert. Sie absolvierte ein soziales Jahr in der internationalen Jugendbegegnungsstätte Himmelsfels in der Nähe von Kassel und engagierte sich in der Vorbereitung zum diesjährigen Weltgebetstag.

EFW
: Beim Kinderkirch-WGT-Workshop im Januar haben Sie uns von Ihrem Heimatland Simbabwe erzählt. Voller Erwartung haben wir auf den 6. März geschaut. An vielen Orten war der Gottesdienst zum WGT vorläufig die letzte gemeinsame kirchliche Feier, dann kamen die Kontaktbeschränkungen durch das Coronavirus. Konnte der Gottesdienst bei Ihnen noch stattfinden?

Valencia: Ja, wir haben gemeinsam gefeiert und mit den Frauen in Simbabwe gesungen und gebetet. Es war ein sehr schöner Gottesdienst mit weit über fünfzig Besucherinnen.

EFW: Weltweit bedroht die Corona-Pandemie nicht nur die Gesundheit, sondern auch das soziale und gesellschaftliche Leben. Was hören Sie von Familie und Freunden aus Simbabwe?

Valencia: In Simbabwe gibt es meines Wissens nur 34 gemeldete Fälle von Covid - 19 und ganz wenig Todesfälle im direkten Zusammenhang damit. Die Leute wurden gebeten, in den vergangenen sieben Wochen zu Hause zu bleiben. Nur Personen, die in wesentlichen Diensten arbeiten, durften sich außerhalb ihrer Häuser aufhalten. Die Schulen waren seit Ende März geschlossen. Gleiches gilt für Kirchen und sogar an Bestattungen durften nur wenige teilnehmen. Die Grenzen zu den Nachbarländern sind ebenfalls geschlossen. Es gibt jedoch einzelne Flüge, insbesondere aus England. Ankommende Personen müssen bei der Ankunft getestet werden. Es gibt auch Orte, an denen sie sich 14 Tage lang selbst isolieren müssen. Die Straßen in Bulawayo werden regelmäßig besprüht.
Bekannte von mir, die im Krankenhaus arbeiten, erzählten, dass es kaum Testmaterial, keine Schutzausrüstung und Beatmungsgeräte gibt.

EFW: Seit Ende März gilt auch in Simbabwe wie in seinen Nachbarländern eine Ausgangssperre. Welche Auswirkungen haben die Auflagen auf das tägliche Leben?

Valencia: Die meisten Menschen haben keine feste Anstellung, sondern verkaufen Lebensmittel, Obst oder andere Dinge des täglichen Bedarfs auf der Straße, um zu überleben.Da diese Leute jetzt von der Ausgangssperre betroffen sind, ist es schwierig, ihre Familien zu versorgen. Die meisten Unternehmen sind auch klein und machen nicht viel Gewinn.
Dies wird keine guten Auswirkungen auf die Gesamtwirtschaft haben, da die Einschränkungen auch unseren Handel mit anderen Ländern betreffen. Wir werden die Realität sehen, wenn die Sperre vorbei ist, wie schlimm die Pandemie für unsere Wirtschaft war. Seit dem 1. Mai 2020 werden die Menschen aufgefordert, ihre Masken aufzusetzen. Branchen und Unternehmen öffnen von 8 bis 15 Uhr. Nur öffentliche Verkehrsmittel sind erlaubt und werden zweimal täglich desinfiziert. Private Taxis sind verboten.

EFW: Welche Unterstützungen finden die Menschen?

Valencia: Viele sind auf sich selbst gestellt. Sie sind gezwungen, ihre Vorräte zu essen und auch die geringen Ersparnisse auszugeben, die sie haben. Einheimische, die selbst genug haben und es sich leisten können, spenden für andere. Diese Spenden umfassen besonders Lebensmittel, auch Reinigungsmittel, Händedesinfektionsmittel und Masken.
Die Regierung forderte die Menschen außerdem auf, im April keine Mieten zu zahlen. Die Mieten können später bezahlt werden, wenn sich die Situation verbessert.
Die Regierung stellt auch Budgets für Unternehmen und Kleinunternehmen auf, damit diese Personen nach Beendigung der Sperrung wieder Geschäfte tätigen können.

EFW: Welche Rolle spielt die Familie und die kirchliche Gemeinschaft in der Krise?

Valencia: Familienunterstützung ist das, was die meisten Menschen emotional stabil hält. Die meisten Menschen bleiben in Kontakt, rufen an und sorgen dafür, dass es ihren Freunden und Kollegen gut geht, wenn sie Hilfe benötigen. Die Familien unterstützen auch ihre Mitglieder, die positiv getestet wurden. Die Kirchen machen meistens Online-Gottesdienste. Manchmal streamen sie live auf Facebook oder speichern die Videos auf You Tube. Einige Gruppen treffen sich auch auf der digitalen Plattform Zoom.

EFW: Wie erleben Sie diese Ausnahmesituation in Deutschland?

Valencia: In Deutschland bin ich seit dem 13. März 2020 gesperrt. Ich habe nicht viele Kontakte in Deutschland, daher betrifft die Sperre nur meinen Schulbesuch und ich gehe nur in die Kirche und in die Stadt. Wenn ich einkaufen gehe, benutze ich eine Maske und Handschuhe. Ich trage auch immer meinen Handsanitiser.

EFW: Haben Sie einen Tipp zur persönlichen Bewältigung der Krise? Oder ist sie vielleicht auch eine Chance?

Valencia: Lassen Sie uns weiterhin Oberflächen desinfizieren, unsere Hände desinfizieren und auch Masken tragen, wenn wir nach draußen gehen. Lassen Sie uns auch unser Immunsystem schützen, indem wir heiße Getränke trinken und Vitamin C einnehmen.
Ich telefoniere noch mehr als vorher mit meinen Freundinnen und Familie in Simbabwe. Ich habe ein neues Hobby entdeckt: das Nähen. In den letzten Wochen habe ich viel gelesen, geputzt, gespielt und getanzt. Zum Glück wohnen noch zwei Freiwillige mit mir zusammen.

EFW: Wir wünschen Ihnen weiterhin alles Gute!  Vielen Dank für das Gespräch!

Valencia: Sehr gerne!

Das Interview führte Lore Raudonat, EFW, im Mai 2020.

Mehr zum Thema:
https://www.brot-fuer-die-welt.de/blog/2020-corona-krise-in-simbabwe-bedroht-familien-betriebe/
https://www.evangelisch.de/inhalte/169154/22-04-2020/simbabwe-friert-wegen-corona-krise-lebensmittelpreise-ein  (Artikel vom 22.04.2020)