EFW fordert eine wertschätzende und finanzielle Anerkennung der Fürsorgearbeit

Equal Care Day

Die Initiative Equal Care Day des gemeinnützigen Vereins klische*esc e.V., hat es sich zur Aufgabe gemacht, auf die mangelnde Wertschätzung und unfaire Verteilung von Care-Arbeit deutlich zu machen. Das Datum des 29. Februars als Schalttag ist bewusst gewählt worden und macht deutlich, dass die überwiegend „unsichtbare“ Care-Arbeit, wie auch der 29. Februar, oft übergangen wird.

Care-Arbeit findet überall dort statt, wo Tätigkeiten für die Lebenserhaltung ausgeführt werden. Dazu gehört die Kinderbetreuung, Pflege von alten Menschen und Angehörigen, putzen, einkaufen, kochen etc. Bezahlt und unbezahlt. Ohne Care-Arbeit wäre das Funktionieren einer Gesellschaft schlichtweg nicht möglich.

Über 80 % der beruflichen und (schlecht) bezahlten Care-Arbeit in Deutschland wird von Frauen geleistet, dazu gehört die Arbeit in Kindertagesstätten, Grundschulen, privaten Pflegediensten, Krankenhäusern und Pflegeheimen und im Reinigungswesen. Im privaten Haushalt leisten Frauen im Gesamtdurchschnitt 52,4 % mehr Familien- und Sorgearbeit als Männer. Das sind täglich 1 Stunde und 27 Minuten mehr.

Neben dem Gender Pay Gap existiert also auch der Gender Care Gap. Dass die beiden Schieflagen zuungunsten der Frauen aufgrund der schlechten bzw. fehlenden Bezahlung unmittelbar miteinander verknüpft sind, steht außer Frage. Die ungerechte Verteilung der Fürsorgearbeit hat nämlich sehr viele negative Folgen. So fehlen Frauen auf dem Arbeitsmarkt, weil sie sich um Haushalt und Familie kümmern, sie haben eine schlechtere Absicherung im Alter und geringere Rentenansprüche, wenn sie nicht oder reduziert erwerbstätig sind.

Mittlerweile hat die zeitliche Belastung von Frauen in Care-Aufgaben abgenommen, aber nicht, weil Männer mehr Verantwortung übernehmen, sondern weil die Kinderbetreuung, das Putzen und die Pflege von Angehörigen anderen (Frauen) überlassen wird. Dort, wo sich Familien die Auslagerung leisten können, verringert sich zwar der Gender Care Gap, tatsächlich hat sich aber an der Aufteilung der Care-Aufgaben zwischen den Geschlechtern nichts verändert. Die im Vergleich zu männerdominierten Berufen schlechte Bezahlung der überwiegenden Frauen, die diese Arbeit übernehmen, deutet auf eine sehr schlechte Wertschätzung dieser Arbeit in der Gesellschaft. Ein Grund, warum sich viele Männer gegen einen Beruf in der Care-Arbeit entscheiden.

Oft sind es Frauen aus dem Ausland, welche die Fürsorgearbeit für zu wenig Geld ausführen. „Schätzungsweise 200.000 bis 400.000 Frauen aus osteuropäischen Ländern wie Polen, Rumänien oder Bulgarien leben in deutschen Privathaushalten und verrichten Vollzeitpflege zu Dumpingpreisen. Diese Frauen haben häufig keine Pflegeausbildung, oft sind sie nicht einmal angemeldet.“ (Zeit 12.02.2020) An dieser Stelle kommt die Global Care-Chain, den die Soziologin Arlie Hochschild geprägt hat, zu tragen: Überall dort, wo Frauen im Ausland die Fürsorgearbeit übernehmen, hinterlassen sie eine Lücke bei der Versorgung ihrer eigenen Familie. Auch dafür muss in der Gesellschaft Sorge getragen werden.

Care-Arbeit ist für die Gesellschaft eine tragende und voraussetzende Aufgabe. Sie gebührt einer wertschätzenden Anerkennung und muss von Männern und Frauen gemeinsam getragen werden. Menschen, die Fürsorge-Arbeit in ihrer Familie leisten, müssen im Alter finanziell gut abgesichert sein und zwar vergleichbar mit Vollzeit-Erwerbstätigen. Menschen, die die Fürsorgearbeit beruflich übernehmen verdienen mehr Anerkennung in der Gesellschaft und eine im Vergleich mit anderen industriellen Sektoren vergleichbare Bezahlung. Nur so kann eine gesicherte Qualität der Fürsorgearbeit gewährleistet werden.

Elsa Böld, Referentin für Frauenpolitik, EFW


Quellen und weiterführende Informationen:

Equal Care Day

Equal Care Day. Zeit Online vom 12.02.2020

Zweiter Gleichstellungsbericht der Bundesregierung. 21 Juni 2016.

Bundesagentur für Arbeit Statistik. Blickpunkt Arbeitsmarkt Juli 2019. Die Arbeitsmarktsituation von Frauen und Männern 2018.

Care Arbeit – Wer hat eigentlich verdient gut zu leben? Zeit Online vom 11.02.2019