Frauenmahl in Reutlingen - Reigen der Jubiläumsfrauenmahle endet

Prälat Rose plädiert bei Frauenmahl in Reutlingen für mehr Frauen in Führung

Reutlingen, 26.10. – Rund 90 Frauen feierten im Matthäus-Alber-Haus in Reutlingen am vergangenen Samstag das hundertjährige Jubiläum der Evangelischen Frauen in Württemberg. Die Frauen hörten bei einem festlichen Essen zwischen den Gängen kurze Reden und diskutierten darüber. Das sogenannte „Frauenmahl“ geht zurück auf Martin Luther und seine Frau Katharina, die ihre Gäste so bewirteten und unterhielten.

Brigitte Zirngibl, stellvertretende Vorsitzende der Evangelischen Frauen, begrüßte die Teilnehmerinnen und gab einen kurzen Überblick über die Geschichte der Evangelischen Frauen. Aber auch der Blick nach vorne sei wichtig, um die Zukunft gemeinsam zu gestalten.

Die Teilnehmerinnen kamen aus Reutlingen und den umliegenden Orten, von der Schwäbischen Alb und aus dem Schwarzwald. Viele sind in ihren Kirchengemeinden ehrenamtlich in der Frauenarbeit tätig. Prälat Christian Rose der Evangelischen Landeskirche betonte in seinem Grußwort die entscheidende Rolle der Frauen in der Kirche. Die Tatsache, dass auch in der Kirche immer noch deutlich weniger Frauen in Führungspositionen tätig sind als Männer, sieht er kritisch: „Da ist noch Luft nach oben.“ Und er fragt in die Runde, ob es in Anlehnung an die aktuellen Proteste von Frauen für mehr Gleichberechtigung in der katholischen Kirche mit dem Motto „Maria 2.0“ nicht auch Zeit wäre für eine evangelische Aktion „Käthe 2.0“.

Mit dem Thema Lebensmittel befasste sich Uta Maria Killgus, Landratsamt Reutlingen. Mit einem Korb voll frischem Gemüse zeigte sie, dass frische Lebensmittel alle Sinne ansprechen. „Eine Packung Pizza aus dem Tiefkühlregal regt nicht die Sinne an.“ Killgus plädierte dafür, wieder mehr selbst zu kochen und gemeinsam zu essen. Sie betonte aber auch, dass der Alltag von Frauen dazu oft wenig Zeit ließe und immer mehr Menschen als Single lebten.

Frauen seien oft davon betroffen, zu wenig Zeit zu haben, führte Lena Pilz, Trainerin und Coach, in ihrer Rede aus. Frauen würden in der Familie und im Beruf häufig „ja“ zu Anforderungen sagen, anstatt „nein“ zu sagen. Sie plädierte dafür, häufiger Grenzen zu setzen und somit mehr Zeit für wesentliche Dinge im Leben zu haben.

Heilpraktikerin Doris Braune sprach in ihrer Rede über Gesundheit von Frauen. Sie führte aus, dass Frauen besonders in den Wechseljahren häufig pathologisiert würden. Die Gabe von Hormonen würde dann als einzige Möglichkeit gesehen, um vermeintlich wieder gesund zu werden. Dabei würden häufig die Risiken von Hormonbehandlungen übersehen. Sie ermunterte die Zuhörerinnen zu einer bewussten Körperwahrnehmung und „mit 58 müssen wir auch nicht aussehen wie mit 48.“

Die Veranstaltung sei rundum gelungen, freute sich Janina Mangelsdorf, Referentin der Evangelischen Frauen. Mit einem Segen, bei dem die Frauen sich gegenseitig stärkend die Hände auf die Schulter legten, endete der festliche Abend in Reutlingen.

Mit diesem Frauenmahl in Reutlingen endete auch der Reigen der Jubiläumsfrauenmahle. So wurden in diesem Jahr bereits Frauenmahle in Stuttgart, Blaubeuren und Heilbronn gefeiert.