Vielen Dank, liebe Beate Breithaupt

Interview mit der bisherigen Vorsitzenden des EFW Präsidiums


Können Sie sich noch an Ihr allererstes Ehrenamt in der Kirche erinnern? Wer oder was war damals Auslöser*in?
1971 – da war ich 13 Jahre alt – habe ich mich zum ersten Mal bei den Vorbereitungen für den Weltgebetstag beteiligt: eher im Hintergrund beim Zusammenstellen von Infomaterial, Deko und beim Musizieren. Meine Mutter war in einem Frauenkreis engagiert: beim Mitarbeiterteam hatte  der Weltgebetstag einen hohen Stellenwert. Das hat mich beeindruckt. 1971 titelten Frauen aus Jamaika „Veränderte Menschen verändern die Welt“ … Mit 14 begann ich dann als Mitarbeiterin in einem CVJM-Mädchenkreis. Ein Jahre später ging es los mit Kocheinsätzen auf Zeltlagern in Frankreich.
Im Rückblick kann ich feststellen, dass sich mit diesen Anfängen bis heute ein roter Faden durch verschiedene ehrenamtliche Engagements zieht. 

Wie sind Sie auf die Arbeit der EFW aufmerksam geworden? Was hat Sie bewegt, sich bei EFW ehrenamtlich zu engagieren?
Vor 13 Jahren wurde ich für die Mitarbeit im BAF (Bezirksarbeitskreis Frauen) Schorndorf angefragt und auch gewählt. Dazu gehörte dann auch der Besuch der nächsten EFW Hauptversammlung in Stuttgart, an die Feinheiten zur Abstimmung bzw. zur Kenntnisnahme von Haushaltsplan und Jahresabschluss kann ich mich noch gut erinnern! Anregend fand ich die Begegnung und den Austausch mit anderen BAF-Frauen: bei allen Unterschieden sitzen wir doch strukturell in einem ähnlichen Boot. 

Hatten Sie noch andere Ehrenämter (in der Kirchengemeinde und/oder im Kirchenbezirk, aber auch außerhalb)? Was hat Ihnen besonders Freude gemacht.

Im Laufe der Jahre ergaben sich ehrenamtlich immer wieder (manchmal parallel, manchmal nacheinander) ganz unterschiedliche Aufgaben:
Kirchengemeinderätin, Redaktionsteam Gemeindebrief, Bezirkssynodale, verschiedene Ausschüsse im Kirchenbezirk, Delegierte und Mitarbeit beim Gustav-Adolf-Werk, CVJM-Mitarbeit vor Ort, im Vorstand des CVJM Deutschland, Vizepräsidentin des Europäischen CVJMs, stellvertr. Vorsitzende des Evang. Jugendwerks in Württemberg (EJW), Weltdienst im EJW (ökum.-internationale Arbeit), Asylbewerber-Begleitung, Deutsch-Nachhilfe für Schüler*innen mit Migrationsgeschichte, Leitung eines kommunalen Seniorentreffs, Vorträge beim Landfrauenverband, …

Neben mancherlei Gremienarbeit war und ist es mir immer wichtig, in Gruppen vor Ort zu sein: ganz gleich, ob es um „100 Jahre Frauenwahlrecht“, „Lebensträume“, „Grüne Welle in der Küche“  (Thema „Kräuter“), „Psalmen“ … ging. Das macht mir Freude, Vergnügen und Spaß!

Allein schon von den Zahlen her ist mir eine Veranstaltung in besonderer Erinnerung geblieben:
1995 fand in Peking vom 4. – 15. September die 4. UN Weltfrauenkonferenz statt. Als große internationale NGO konnte der YMCA Weltbund zum NGO-Forum in Huairou – das davor begann und parallel zur Konferenz weiterlief - zehn Frauen benennen. 35.000 Frauen waren hier 60 km von Peking entfernt bei den unterschiedlichsten Veranstaltungen mit einem sehr breiten Themenspektrum zusammen. Zu zweit konnten wir dann mit ca. 5.000 weiteren Delegierten aus 189 Ländern noch an der Konferenz teilnehmen. Wann erlebt man schon mal im Viertelstundentakt die Reden von mehr als 100 Außenministern? Zum Abschluss der Konferenz wurde eine Aktionsplattform beschlossen, um die Gleichstellung der Geschlechter voranzutreiben. UN-Generalsekretär Guterres erinnerte erst in diesen Tagen daran, dass es in diesem Bereich noch viel zu tun gebe … „Frauenrechte sind Menschenrechte“ – das war eines der Hauptthemen in Peking.

In den letzten Jahren waren Sie im Präsidium von EFW. Was hat dieses Ehrenamt besonders gemacht?

Die Landesstelle ist eine Geschäftsstelle ist eine Servicestelle …
Personal- und Finanzfragen benötigen kontinuierlich einen bestimmten Zeitaufwand.
Das wurde gleich in der Anfangszeit nach der Wahl 2012 deutlich: Eva Bachteler begann ihren Dienst als Landesfrauenpfarrerin. Der Posten der Geschäftsführerin musste erst mal ausgeschrieben werden – und im Präsidium waren wir – bis auf eine Ausnahme – alle Neulinge. Strukturfragen beschäftigten uns intensiv. Eine Visitation stand an … 

Auf der anderen Seite stellten sich im Blick auf die inhaltliche Arbeit in den Bezirken und vor Ort die Fragen: Welche Themen sind an der Reihe, welche Materialien werden benötigt, wo braucht es strukturelle Unterstützung, welche Plattformen für den Austausch können angeboten werden???
Die Bandbreite der Tagesordnungen für unsere Sitzungen war immer wieder für eine Überraschung gut! Und letztendlich ging es im Geben und im Nehmen immer auch darum, gut im Team zusammenzuarbeiten zwischen Haupt- und Ehrenamtlichen. Ein herzliches Dankeschön gilt deshalb allen, die im 3. Stock der Büchsenstr.37 für EFW mitdenken, mitplanen, diskutieren, gestalten und zuarbeiten! Auch an Gespräche bei einer Tasse Kaffee im Flur oder in der Küche denke ich gerne zurück … 

Was sind Höhepunkte aus der Zeit im Präsidium bei EFW, worauf sind Sie stolz?
Das Thema „Medien- und Öffentlichkeitsarbeit“ hatte einen besonderen Schwerpunkt. Da haben wir uns im Präsidium einige Male mehrtägig reingehängt: eine Stelle für 50% wurde in diesem Bereich besetzt – und wir haben uns in einem spannenden Prozess einem Konzept als Grundlage für den Print- und Digitalbereich genähert. Mich persönlich hat es sehr gefreut, dass das Ergebnis auf so viel Zustimmung gestoßen ist (und inzwischen auch ausgezeichnet wurde).

Das Reformationsjubiläumsjahr 2017 stellte die Frauen dieser Zeit in vielen Bezügen in den Vordergrund. Das in Zusammenarbeit mit dem Ev. Gemeindeblatt erschienene Buch: „Auf zur Reformation“ –Selbstbewusst, mutig, fromm – Frauen gestalten Veränderung war dafür ein sichtbares Zeichen.

2019 feierten wir Jubiläum: 100 Jahre Evangelische Frauen in Württemberg. Der Blick zurück nach vorn zeigt sich besonders im Jubiläumsordner. Mich persönlich hat beim Lesen des Archivmaterials besonders beeindruckt, wie hoch der politische Einsatz zum Beispiel beim Frauenwahlrecht war. Wie gesellschaftliche und diakonische Anliegen weiterverfolgt wurden, angefangen vom Ausbildungsbereich. Die „Blühaktion“ und die Frauenmahle in den Prälaturen haben sichtbare Akzente gesetzt.

Was wünschen Sie EFW für die weitere Arbeit? Was wünschen Sie den neuen Präsidiumsfrauen?

Ich wünsche EFW ein gutes Gespür für Prioritäten, eine gute Balance zwischen den Herausforderungen von außen und dem inhaltlichen Arbeiten mit Themen in Kirche, Gesellschaft und Kultur.

Den neuen Präsidiumsfrauen wünsche ich, dass sie selbstbewusst und mutig die Arbeit aufnehmen können: „Frauen gestalten Veränderung“ (s. den Titel des Reformationsbandes). Die äußeren Rahmenbedingungen sind anders als wir es uns wünschen – aber nicht alles ist abgesagt, manches
kann stattfinden: in anderer Form. Für alle Herausforderungen wünsche ich Gottes Segen und Begleitung.

Vielen Dank, liebe Beate!