Kommentar zur Sprache von Politiker/innen nach der Bundestagswahl

von Dina Maria Dierssen

Die Würde des Menschen ist unantastbar.
Gewalttätige Worte  hinterlassen keine sichtbaren Spuren, aber sie sind ebenso grausam und verwerflich wie die Handlungen, die sie ankündigen. Drohungen sind eine Form verbaler Gewalt. Gewalt bedroht die Würde des Menschen immer. Die Politikerinnen und Politiker unseres Landes, die wir wählen, haben dem grundlegendsten Wert unseres Grundgesetzes unbedingt zu entsprechen. Es ist ihr Auftrag, eine Gesellschaft zu bilden, in der genau das gewahrt ist. In diesem Zusammenhang sind sie unaufgebbar Vorbilder. Wenn der Staat und seine Repräsentant*innen alles zu unterlassen haben, was die Würde des Menschen beeinträchtigen kann, gilt das auch für ihre Art des respektvollen Umgangs und Redens. Gemeinsam sind Regierung und Opposition verantwortlich für ein tragfähiges Miteinander und sind sie das zentrale Beispiel für ein gelingendes Ringen um gute Lösungen für ein ganzes Land.
Wenn unsere Politikerinnen und Politiker wollen, dass wir alle zu einem gelingenden Zusammenleben beitragen, d.h. das in Familien, in Schulen, in öffentlichen Räumen und während der Arbeit ein gewaltfreier und würdevoller Umgang gepflegt wird, dann haben sie die erste Verantwortung hier mit entsprechendem Beispiel voran zu gehen.
Akzeptierte und unwidersprochen verbale Gewalt bereitet den Boden für physische Gewalt. Wir wissen, welche katastrophalen Folgen diese annehmen kann. Auf diesem Wissen und in dieser Verantwortung gründet der erste Artikel unseres Grundgesetztes: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“. Im sind wir verpflichtet – als Staatsbürger*innen und zuallererst als Politiker*innen. Wenn diese Grundlage entgleist, wenn verbale Gewalt im politischen Raum zum Scherz verniedlicht wird, dann gibt mir das sehr zu denken.

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