„Eigentlich müsste das Jubiläum 500 oder 2000 Jahre Evangelische Frauen heißen“

Festgottesdienst und Festakt zum hundertjährigen Bestehen von EFW

Mit einem Festgottesdienst und einem Frauenmahl feierten die Evangelischen Frauen in Württemberg am 20. Juli in Stuttgart ihr hundertjähriges Bestehen.


Landesbischof Dr. hc. Otfried July gratulierte in seiner Festpredigt in der Hospitalkirche Stuttgart den vielen ehrenamtlichen und hauptamtlichen Frauen, die zu den Feierlichkeiten nach Stuttgart gekommen waren. July betonte, dass die Frauen in ihrer Geschichte einen langen und mühsamen Weg zurückgelegt hätten bis zur Gleichberechtigung in der Kirche. Die einzelnen Lebensgeschichten der Frauen, die die Arbeit der EFW geprägt haben, seien ihm nahe gegangen. „Das Jubiläum zeigt auch, welche wichtigen theologischen und gesellschaftlichen Veränderungen die Frauen bewegt haben“, machte er den Frauen Mut, auch weiterhin für ihre Anliegen einzustehen. Landesbischof Dr. July legte in seiner Predigt das Motto des Jubiläums aus „Gewoben in Gottes Geschichte“. Das Bild des Webens sei passend für die lange Geschichte der Frauen mit ihrer Kirche. Und „eigentlich müsste es nicht 100 Jahre Evangelische Frauen heißen, sondern mindestens 500 Jahre EFW seit der Reformation oder auch 2000 Jahre Frauen in der Kirche“, sagte der Landesbischof.

Nach dem Festgottesdienst waren die rund 150 Gäste zu einem Frauenmahl in den Hospitalhof eingeladen. Viele Partnerinnen aus kirchlichen, politischen und diakonischen Verbänden feierten mit. Ein großer Teil der Festgäste waren die ehrenamtlichen Frauen aus der Frauenarbeit aus den Kirchengemeinden und -bezirken. Gemeinsam saßen sie, wie bei einem Frauenmahl üblich, an Tischen und hörten verschiedene Tischreden. Das viergängige vegetarische Menü war eine Zeitreise durch die Jahrzehnte. Auch die beiden Musikerinnen vom Kabarett „Frauengold“ sangen Lieder aus den Jahrzehnten der Frauengeschichte.

Staatssekretärin Bärbl Mielich betonte in ihrer Tischrede, dass die kirchliche und politische Frauenarbeit eng miteinander verbunden sei. So sei es kein Zufall, dass die Jubiläen „100 Jahre Frauen“ und „100 Jahre EFW“ zusammenfielen.  Bei allen Errungenschaften der Frauenbewegung und Frauenarbeit sei es noch ein langer Weg, bis zum Beispiel der Landtag von Baden-Württemberg mit gleich viel Frauen wie Männern besetzt sei. Sie ermunterte die Frauen, nicht locker zu lassen in ihren Anliegen.
Jutta Arndt, Vorständin des vij, sprach über die langjährige Verbindung der Arbeit des vij mit der Geschichte der EFW. So sei die diakonische Arbeit ohne die Unterstützung der Evangelischen Frauen kaum denkbar. Das Fraueninformationszentrum FIZ, das bis heute besteht, wurde zum Beispiel in enger Verbindung mit EFW gegründet. Viele Themen seien bis heute sehr drängend: Gewalt gegen Frauen, Zwangsprostitution und Faire Pflege. Sie überreichte den Evangelischen Frauen als Gastgeschenk eines der ersten Plakate der Stuttgarter Bahnhofsmission.

Ruth Heß, Theologin des Dachverbands auf Bundesebene Evangelische Frauen in Deutschland, hielt einen Impuls zur Zukunft der Frauenarbeit. Sie zeigte auf, wie politische und gesellschaftliche Entwicklungen die Frauenarbeit beträfen. So ziele zum Beispiel der Rechtspopulismus darauf ab, Frauen und Frauenarbeit abzuwerten und traditionelle Rollenbilder wieder erstarken zu lassen. Es sei Aufgabe von kirchlicher Frauenarbeit, sich dagegen zu positionieren und zu handeln.

Prälatin Arnold führte in ihrer Tischrede aus, wie sehr die Themen von den EFW ganz konkret ihren Lebenslauf prägten. So habe sie zum Beispiel mit ihrer Familie über die Kampagne „Kauft keine Früchte der Apartheid“ und den Paragraph 218 diskutiert. Auch die Friedensbewegung prägte sie. Und dass sie heute Prälatin sei, hänge auch mit dem Kampf der Evangelischen Frauen für eine Gleichberechtigung der Frauen in der Kirche zusammen. Bis heute sei eine enge Verbundenheit zu den Evangelischen Frauen für sie wichtig. Ihr Appell an die Gäste war: „Bitte setzen Sie sich weiter ein!“ So sei es zum Beispiel wichtig, die Kinder und Enkel bei der Fridays for Future Bewegung zu unterstützen.

EFW, 21.7.2019

Fotos: EFW und Uta Rometsch