Miteinander essen, reden, feiern

Interreligiöses Frauenmahl im Hospitalhof Stuttgart

Anlässlich ihres 100-jährigen Jubiläums haben die Evangelischen Frauen in Württemberg am Sonntag zum Interreligiösen Frauenmahl in den Hospitalhof Stuttgart eingeladen. Unter dem Motto „Frauen weben Leben“ tauschten sich rund 300 christliche, jüdische, bahai und muslimische Frauen zu aktuellen gesellschaftspolitischen Themen aus. Landtagspräsidentin Muhterem Aras und Gabriele Arnold, Prälatin der Evangelischen Landeskirche, hielten Impulse. "Reden hören, darüber sprechen, gemeinsam essen“: so erklärte Landesfrauenpfarrerin Eva Bachteler das Prinzip des Abends. An den gedeckten Tischen saßen Frauen aus evangelischen, katholischen, muslimischen und jüdischen Gemeinden. Nach jeweils einer kurzen Rede gab es die verschiedenen Gänge des vegetarischen Menüs. Viele Teilnehmerinnen sind in ihren Gemeinden ehrenamtlich aktiv, so zum Beispiel auch Helen Katouzi von der Bahai-Gemeinde Stuttgart. Aus Stuttgart-Rohr haben sich gleich 14 Frauen gemeinsam auf den Weg zum Frauenmahl ge-macht. An ihrem Tisch sitzt auch Claudia Marx Rosenstein, Mitveranstalterin von der jüdischen Ge-meinde, sie freut sich über das gegenseitige Interesse.

Landtagspräsidentin Muhterem Aras blickte in ihrer Rede zunächst zurück. Vor 100 Jahren seien nicht nur die Evangelischen Frauen gegründet worden, sondern Frauen hatten sich das Recht er-kämpft, zu wählen und gewählt zu werden. Es sei nach einem langen, zähen Weg nun möglich, dass Frauen Kanzlerin, Ministerpräsidentin oder Landtagspräsidentin werden, aber „einzelne Bäume machen noch keinen Wald“. Aras kritisierte, dass im Landtag nur ein Viertel weibliche Abgeordnete seien und es in 26 Gemeinden in Baden-Württemberg keine Frauen in den Gemeinderäten gibt. Den evangelischen Frauen gratulierte sie zum Jubiläum, „ohne Frauen wäre die Kirche arm dran.“

„Es ist toll, dass wir uns hier kennen lernen, wir sind begeistert von den Begegnungen“, sagen drei junge muslimische Frauen, die sich gemeinsam angemeldet haben. Die Rede von Natalie Schaller, Gründerin und Geschäftsführerin eyd humanitarian clothing, hat sie am meisten beeindruckt. Die Firma eyd produziert in Indien Kleider und hilft ehemaligen Prostituierten zu einem Leben in Würde. „Es ist wichtig, auch von Frauen aus anderen Teilen der Welt zu erfahren“, betonte Gülay Cekmeci. Bei einem Verkaufsstand konnten die Teilnehmerinnen direkt die fair produzierten Kleider kaufen.

Prälatin Gabriele Arnold der evangelischen Landeskirche sieht das Frauenmahl als wichtiges politisches Signal gegen das rückwärtsgewandte Frauenbild der AfD. Es sei wichtig, dass sich Frauen zusammenschließen und klar machen: „Wir lassen uns nicht den Mund und das Denken verbieten.“ Auf dem Weg zur Gleichberechtigung sei viel erreicht worden in den vergangenen hundert Jahren und dennoch sei es noch ein weiter Weg. So sind in der evangelischen Kirchenleitung zum Beispiel seit Jahren nur zwei Frauen vertreten. Arnold fordert: „Wir wollen faire Löhne und gute Kinderbetreuung, nachts keine Angst auf der Straße haben und zum Frauentag keine Rabatte für Putzmittel“.

Für die jüdische Gemeinde sprach Barbara Traub, Vorstandsvorsitzende der Israelitischen Religi-onsgemeinschaft Württemberg. Traub beschrieb zunächst, welche Anforderungen heute häufig an Frauen gestellt werden: Liebevolle Mama, erfolgreiche Karrierefrau und Familienmanagerin. Die Realität wäre häufig ein Drahtseilakt, weil immer noch ausreichende Kinderbetreuung fehle und Frauen sich ihren Platz häufig erkämpfen müssten. Traub führt aus, dass Frauen meistens die unbezahlten Ehrenämter übernehmen würden, während die bezahlte Arbeit von Männern geleistet wird. „Ehrenamt sollte bei der Rente berücksichtig werden“, fordert sie.

Eine Teilnehmerin war mit ihren beiden jugendlichen Töchtern gekommen, ihnen hat besonders der  Poetry Slam mit Hosnijah Mehr gefallen. „Es ist toll, dass auch viele junge Frauen gekommen sind“, sagen Anna und Luisa.

Die Veranstaltung fand in Kooperation statt mit der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württemberg, der  Gesellschaft für Dialog BW e.V., dem Haus Abraham, dem Katholischen Bildungswerk Stuttgart, dem Katholischen Deutschen Frauenbund – Diözesanverband Rottenburg-Stuttgart, der Bahá‘í-Gemeinde Stuttgart und dem Evangelischen Bildungszentrum Hospitalhof.