Januar 2019

Die Jahreslosung für 2019 klingt wie ein Manifest der Friedensbewegung. Einst erwachsen aus dem Erleben zweier Weltkriege, um für das Ziel, „nie wieder Krieg“ einzutreten Die Friedensarbeit und die Heilige Schrift lehren uns, dass ohne Gerechtigkeit kein Frieden möglich ist.

Den Frieden suchen

Frieden suchen – ein guter Spruch? Doch, wo soll man ihn suchen? Unter dem Sofa, im Schrank, unterm Teppich, im Gebüsch, am Straßenrand, an der Einkaufstheke? Den Frieden suchen: Ist das wie ein Versteckspiel? Oder ist das zu gewagt und oberflächlich? Sicher, den Frieden wagen ist kein Spiel, schon gar kein Gewinnspiel. 

Was ist Frieden? Was verstehe ich unter Frieden? Was verstehen die Anderen unter Frieden? Für viele ist Frieden die Abwesenheit von Krieg oder Gewalt. Für andere und mich ist es mehr: es ist die Geborgenheit in Gott. Aus ihr erwächst mein innerer Frieden, mein Seelenfrieden, wie wir zu Hause sagen. Dieser Frieden der Seele ist etwas ganz Besonderes. Ein unbeschreibliches Gefühl des Erfüllt-Seins von tiefer Stille und Zufriedenheit, von Ausgeglichenheit und Wärme, die Körper und Geist durchflutet und nach außen strahlt.

Es ist wie das Klettern durch einen Kamin in den Bergen, an dessen Ende man auf einem Schneeplateau steht, der Blick über das Alpenpanorama streift, von einem strahlend blauen Himmel umfangen. Momente, in denen sich Stille und Frieden ausbreiten!

Als ich dies bei einer Klettertour erleben durfte, dachte ich, das muss der Schöpfungsfrieden, das Schalom Gottes sein. Ein „Urglück“ erfüllte mich in diesem Moment.

Frieden ist ohne Anstrengung nicht möglich. Und dennoch: der Frieden ist bereits vor–bereitet. So wie Gott in uns ist und wir in ihm, verhält es sich mit dem Frieden. Sobald wir ihn erkannt haben, drängt es den Frieden, sich durch uns in unserem Umfeld zu entfalten.

 

Dem Frieden nachgehen

Dem Frieden nachjagen, wie Luther übersetzt, meint nichts Zusätzliches, das auch noch getan werden soll. Frieden ist eine Haltung und Teil des Seins.

Dem Frieden mit ganzer Seele nachgehen heißt: Sehen wo Unrecht, Macht, Hass, Neid, Gier, Streit, Verletzungen oder Not Menschen an gerechter Teilhabe oder an einem Leben in Frieden behindern. Heißt, den Ursachen des Unfriedens auf den Grund gehen und gemeinsam friedfertige Lösungen zu finden.

 

Schalom: Frieden stiften

Frieden geschieht nicht automatisch, er will gestiftet werden. Jesus lobt in der Bergpredigt die Friedensstifter*innen.

Frieden im Sinne des hebräischen Schalom ist das Wohlergehen an Leib, Seele und Geist. Dieser Schalom kommt von Gott und umfasst die ganze Schöpfung. Dieser Frieden ist auf Gemeinschaft und ein freundliches Miteinander angelegt.

Die Möglichkeiten Frieden zu stiften sind mannigfaltig. Es genügt, in Begegnungen mit Menschen oder in Konflikten innezuhalten und sich zu fragen: Was braucht es in dieser Situation, um dem Frieden Raum zu geben?

Frieden kann gelingen, wenn… . Die Antwort möchte ich offenlassen. Denn, jede*r wird die eigene finden. Möge Gottes Frieden Sie begleiten.

 

Ein Text von Schalom Ben-Chorin zum Thema: „Wer Frieden sucht“, EG S. 804
Aktion „JEDE VIERTE FRAU“ des Ministeriums für Soziales und Integration Baden-Württemberg

 

 

Liederhinweise

Wenn das Brot, das wir teilen, Gottesklang Nr. 81

  

Gebet

Lass deinen Frieden unter uns erstrahlen
und befreie uns in deiner Liebe.
Amen.

  

Autorin

Sylvia Dieter / Landesreferentin EFW