„Es ströme aber das Recht wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach.“ Amos 5,24 (Luther)
Recht und Gerechtigkeit – so lebensnotwendig wie Wasser
Wasser ist für unser Leben lebensnotwendig. Und einen nie versiegenden Bach brauchen wir dringend, vor allem in Hitzewellen wie im Juni oder in den bevorstehenden Sommerferien.
Der Schäfer und Prophet Amos spricht die o.g. Worte ca. 760 v.Chr. zum Volk Israel, hinein in eine Blütezeit voller Wohlstand. Aber die Gier nach mehr treibt die Reichen dazu, Schwache und Arme zu unterdrücken (z.B. durch hohe Kornabgaben). Richter und falsche Zeugen lassen sich bestechen. Es herrscht Unrecht und Ungerechtigkeit in der Gesellschaft.
Gott beauftragt Amos, dieses Unrecht deutlich anzusprechen. Amos drückt mit den o.g. Worten aus: Gott muss Recht schenken und schaffen. Es braucht Gottes Gerechtigkeit, die hilft, diese Missstände zu beseitigen. Gottes Gerechtigkeit ist so lebensnotwendig wie Wasser, um die Menschen wieder weg vom Baalskult hin zu ihm zuRECHT zu bringen.
Amos ruft die Menschen auf: Sucht das Gute. Sucht Gott, ehrt ihn, sprecht mit ihm, hört auf ihn. Das soll sich dann auch auswirken auf ein funktionierendes Rechtssystem, darauf, Verantwortung für den Nächsten zu übernehmen und nicht nur sich selbst im Blick zu haben.
Das ist auch heute noch aktuell: Gott nicht aus den Augen verlieren, ihn suchen, auf ihn hören. Gott redet auch heute noch. Er will die Quelle sein für das, was recht ist. Sein Recht, seine Gerechtigkeit, sein Reden sind für uns lebensnotwendig wie das Wasser zum Leben. Sie führen dazu, dass wir auch unseren Nächsten sehen.
Wo nehmen wir Unrecht / Ungerechtigkeit wahr, in unserer Gesellschaft, in unserem Umfeld? Ist es recht, dass die Elterngeldmonate insgesamt nicht erhöht werden, um mehr Gleichberechtigung in der Erziehung zu ermöglichen? Ist es recht, dass die Reichensteuer nur minimal erhöht wird statt gleich einen „großen Wurf“ zu machen? Ist es recht, dass Care-Arbeit immer noch vor allem Frauen erledigen? Ist es recht, wenn der Chef die Angestellten nach verschiedenen Maßstäben behandelt? Ist es recht, hinter dem Rücken über Andere schlecht zu reden?
Ich ermutige uns, dass wir Unrecht ansprechen, wo es uns dazu drängt. Ich ermutige uns, dass wir uns aktiv für Recht und Gerechtigkeit einsetzen, wo unser Herz berührt wird.
Ich ermutige uns, dass wir Gott suchen und auf ihn hören, die Quelle von Recht und Gerechtigkeit.
Auch der Weltgebetstag, die weltweit größte, ökumenische Frauenbewegung, setzt sich für Gerechtigkeit ein mit: Gott suchen und mit ihm reden (Gebet) und mit Handeln (finanziert über 100 Hilfsprojekte weltweit). 2027 wird er 100 Jahre alt. Herzliche Einladung an alle Interessierten mitzufeiern am 21.11.26 (Infos und Anmeldung unter Weltgebetstag – Evangelisches Bildungswerk).
Gebet
Gott,
du Quelle von Recht und Gerechtigkeit,
du Quelle des nie versiegenden Baches,
du schenkst uns dein Reden, deine Liebe.
Wir sind gerecht gesprochen durch dich,
durch deine Liebe in Jesus Christus.
Gott,
öffne unseren Mund, Unrecht anzusprechen,
berühre unser Herz, mit Notleidenden mitzufühlen,
bewege unseren Arm, aktiv gegen Unrecht vorzugehen.
Dass dein Recht und deine Gerechtigkeit durch uns fließen
hin zu unseren Nächsten
und von deiner Liebe erzählen.
Amen.
Lieder
Wort des Propheten (Neue Lieder, Nr. 223)
Wenn die Armen, was sie haben, noch verteilen (Neue Lieder, Nr. 210)
Leitfragen zur persönlichen Auseinandersetzung
Marion Sailer-Spies, Referentin Weltgebetstag, Ökumene, Internationales; Ev. Bildungswerk, Fachbereich Frauen