ANDACHT ZUM MONAT AUGUST – MARIA HIMMELSKÖNIGIN

ZUM MAGNIFICAT, LUKAS 1,46-55

Maria sagte: Meine Seele preist die Größe des Herrn,
und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter.
Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut.
Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter.
Denn der Mächtige hat Großes an mir getan
und sein Name ist heilig.
Er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht
über alle, die ihn fürchten.
Er vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten:
Er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind;
er stürzt die Mächtigen vom Thron
und erhöht die Niedrigen.
Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben
und lässt die Reichen leer ausgehen.
Er nimmt sich seines Knechtes Israel an
und denkt an sein Erbarmen,
das er unsern Vätern verheißen hat,
Abraham und seinen Nachkommen auf ewig.
(Einheitsübersetzung)

VORBEMERKUNG
In einem Jubiläumsjahr „100 Jahre Evangelische Frauen in Württemberg“ könnte sich das Thema „Maria Himmelskönigin“ gut einfügen in den festlichen Reigen. Auf den ersten Blick ist es ein „katholisches“ Fest, das im Heiligenkalender auf den 22. August gelegt wurde. Auf den zweiten Blick lädt es uns alle ein zu einem ungewöhnlichen Blick auf die Mutter Jesu und auf uns selbst. Maria ist eine Frau wie wir. Auch sie ist eingewoben in Gottes Geschichte. Gerade darum kann sie uns in wunderbarer Weise aufzeigen, mit welcher Würde wir alle bekleidet sind.

ANDACHTSTEXT
Fangen wir mit den Königinnen an, die es schon so lange in der Geschichte der Menschheit gibt. In der Bibel wird von der legendären Königin von Saba berichtet, die zur Zeit Salomos, also ca. 1000 v. Chr., gelebt haben soll. Und auch wenn es im Laufe der Zeit viel mehr männliche Könige gab, so sind uns doch die Königinnen als eindrückliche Frauengestalten gut in Erinnerung. Dies geht bis in die heutige Zeit. Denken wir an die Queen, die der englischen Monarchie ihr ganzes Leben widmet, oder an Lady Diana, die viele als Königin der Herzen bezeichnen. Königinnen sind erhaben, reich, würdevoll und schön anzusehen. Ihre Kleider sind prächtig. Mit ihnen ist „Staat zu machen“, gerade auch auf rauschenden Festen.

Dass auch Maria als Königin verehrt wird, ist erstaunlich. Das Fest „Maria Königin“ entstand in der katholischen Kirche im 19. Jahrhundert unter Papst Pius XII. Es sollte zeigen, dass Maria durch ihren Sohn zur Himmelskönigin erhoben wurde. In der Kunstgeschichte gibt es viele Bilder, die diese Krönung Mariens durch Christus zeigen. Aber wie bringen wir unsere Vorstellung von der einfachen, mittellosen Frau aus dem Volk zusammen mit dem Bild der gekrönten Herrscherin, die uns so machtvoll entgegenkommt? Das wollen wir jetzt gemeinsam herausfinden.

DIALOG (WIRD VON ZWEI FRAUEN IM WECHSEL GELESEN)
Sprecherin 1: Das Fest „Maria Königin“ ist mir sehr fremd. Was hat denn Maria mit einer Königin zu tun? Eine Königin ist in meiner Vorstellung eine erhabene Frau, die reich und mächtig ist, die würdevoll daherkommt und einen Hofstaat hat. Eine gute Königin ist gerecht, eine schlechte grausam und willkürlich. Sie regiert über ihre Untertanen und kann ihnen alles befehlen, was sie will. Maria stelle ich mir ganz anders vor.

Sprecherin 2: Wie stellst du sie dir denn vor?

Sprecherin 1: Für mich ist Maria die einfache Frau aus dem Volk. Sie war arm. Auch mit ihrem Kind hatte sie es nicht leicht. Gerade darin ist sie uns ähnlich. Sie kennt Kummer und Sorgen.

Sprecherin 2: Sicherlich war Maria keine Herrscherin in unserem weltlichen Sinn. Was aber dann? Vielleicht schauen wir in der Bibel nach. Was sagt sie eigentlich über sich selbst?

Sprecherin 1: Sie nennt sich „Magd des Herrn“. Und sie singt ihr Lied „Magnificat“. Dort beschreibt sie als Schwangere, also als Frau guter Hoffnung, ihre Sicht auf sich und die Welt.

Bibeltext Lukas 1,46-55 wird gelesen (s.o.)

Sprecherin 1: Von wegen Königin! Im Magnificat spricht Maria davon, dass Gott auf die Niedrigkeit seiner Magd geschaut hat. Maria gehört zu denen, die sie preist: zu den Armen und Rechtlosen, zu denen, die keine Macht und wenig Ansehen haben.

Sprecherin 2: Auf der einen Seite ist Maria eine ganz normale Frau ohne herausragende gesellschaftliche Stellung. Aber auf der anderen Seite ist sie ein ganz besonderer Mensch. Gott hat Maria ausgewählt, weil sie ihrem Kind so unendlich viel mitgeben kann an Glaube und Hoffnung, an Liebe und Zutrauen. Sie ist offen für Gott und sein großes Handeln an ihr.

Sprecherin 1: Das verstehe ich. Aber erkläre mir doch, warum Maria gerade die Niedrigen preist und nicht die Mächtigen.

Sprecherin 2: Maria singt davon, dass Gott die Mächtigen vom Thron stürzt und die Niedrigen aufrichtet. Dass er die Hungernden beschenkt und die Reichen mit leeren Händen wegschickt. Dass er allen, die gottesfürchtig sind und die aus dem Erbe Abrahams leben, erbarmend entgegenkommt. Gott kehrt damit alle Maßstäbe um, die Menschen sich gemacht haben. Maria singt davon, und Jesus, ihr Sohn, wird sich all den Rechtlosen, Armen und Bedürftigen zuwenden. Sie sind nicht klein, sondern groß vor Gott.

Sprecherin 1: Gott macht die Kleinen groß. Hat Maria in diesem Sinn königliche Würde?

Sprecherin 2: So kannst du es sagen. Für Gott ist Maria eine Königin. Sie hat Gott geglaubt und ihm so viel Raum in ihrem Leben geschenkt. Aber nicht nur das. An Maria sehen wir, wie Gott auch zu uns steht.

Sprecherin 1: Zu uns? Wir alle sind Königinnen Gottes?

Sprecherin 2: Wir sind es! Wir dürfen in dieser Würde, in diesem Zuspruch leben. Gerade wenn wir uns alles andere als königlich fühlen, sind wir unendlich kostbar und wertvoll in den Augen Gottes. Und das dürfen wir an alle anderen weitergeben. Jeder Mensch ist eine Königin, ein König. Wenn wir so miteinander umgehen, dann wird diese Erde neu, so wie Maria es im Magnificat besingt.

(wieder Liturgin:) In einer Zeit und Welt, in der Macht so oft missbraucht wird, tut uns der Lobpreis der Maria gut, der all unsere festgefahrenen Vorstellungen sprengt.In ihm scheint der Blick Gottes auf, der in Jesus Christus Wirklichkeit wird. Der Name „Maria Himmelskönigin“ kann uns also immer neu Anstoß geben: Wie heilsam ist es doch, wenn wir in unseren Kirchen, in unseren Frauengruppen und auch ganz persönlich unaufhörlich die königliche Würde aller Menschen hochleben lassen!

WEITERE IDEEN ZUR ANDACHT

Fürbittengebet

Gott, Lebendige, höre du unser Gebet:
Wir bitten für alle Frauen, deren Würde mit Füßen getreten wird.
Stärke in ihnen das Bewusstsein, dass sie vor dir unendlich wertvoll und würdig sind.
Wir bitten für alle, die in Armut und Not leben.
Lass uns handeln, damit deine Gerechtigkeit unter den Menschen wohne.
Wir bitten für alle, die Macht haben und diese Welt regieren.
Erfülle sie mit Weisheit, Demut und mit deiner Geistkraft.
Wir bitten für uns selbst und alle,die sich den Evangelischen Frauen in Württemberg zugehörig fühlen:
Lass uns dankbar auf 100 Jahre kirchliche Frauenarbeit blicken und mit Mut in die Zukunft gehen.
Wir bitten für unsere verstorbenen Schwestern,die vor uns gewirkt haben und denen wir so vieles verdanken:
Öffne ihnen deinen Himmel.
Gott, Lebendige, du hast uns in deine Geschichte hineingewobenund uns mit königlicher Würde ausgestattet.
Dir sei Lob und Dank, jetzt und auf ewig.
Amen.

Lieder
Magnificat (Taize-Kanon)
Den Herren will ich loben

LITERATUR
Text in Anlehnung an: Maria Himmelskönigin, Marienandacht 2017, KDFB-Arbeitshilfe, Diözesanverband Rottenburg-Stuttgart

AUTORIN
Claudia Schmidt, Geistliche Beirätin beim Katholischen Deutschen Frauenbund der Diözese Rottenburg-Stuttgart.

BEZUG ZU EFW
Gerne bin ich als Vertreterin der katholischen Schwesternorganisation KDFB den Evangelischen Frauen in Württemberg verbunden und freue mich, dass wir so lebendig und gemeinschaftlich unterwegs sind, unter anderem beim Ökumenischen Frauenkreuzweg und der Ökumenischen Frauenkirche in Stuttgart!

JUBILÄUMSWUNSCH
Ich wünsche Ihnen, den Evangelischen Frauen in Württemberg, dass Sie im Bewusstsein Ihrer – vielleicht neu entdeckten - Königinnenwürde ein wunderbares, frohes Festjahr feiern!