Pfingsten ist Gottes Job

Ich will das auch. Einen ganz großen Knall. Groß rauskommen. Triumphal und spektakulär zeigen, was unser Gott Großartiges kann. Mitreißend, atemberaubend, unvergesslich, mit unglaublicher Wirkung.
Ich will das auch. Alle hören plötzlich zu. Merken wieder, wie toll das mit diesem Gott ist. Ich will meine Arbeit eindrucksvoll, fesselnd, imponierend tun können.

Pfingsten. Oder ein modernes Pfingstwunder.
Ein Kirchwunder. Ein Glaubenswunder.

Wenn ich die Pfingstgeschichte nochmal lese, lese ich mit Corona-Augen: „alle waren beieinander an einem Ort“, „die Menge kam zusammen“, „sie waren täglich einmütig beieinander“, „hielten Mahlzeiten“. Ganz großes Kino, diese Pfingstgeschichte. Öffentliches Mega-Event und heilsame Gemeinschaft. Also: überhaupt keine Corona-taugliche Geschichte. Oder?

Heute weiß ich, dass dieses großartige Ereignis sieben Wochen nach der totalen Ratlosigkeit passiert. So knüpft es an die jüdische Tradition von Pessach und Schawuot an. So feiern wir es heute im Festjahr.
Aber wie ist die Wirklichkeit der Jünger*innen nach Jesu Ermordung? Sie verstecken sich, suchen das Weite. Sie hadern mit sich und mit ihrer Angst. Sie treffen sich heimlich im engsten Kreis. Sie organisieren sich nach bestem Wissen und Gewissen und bleiben im Gebet verbunden. Keine Held*innen, eher Wartende. Dann gibt es das erstaunlichste Revival der Welt: Jesus ist plötzlich wieder da. Sie können von Neuem aufsaugen, was Gott Ihnen bietet. Dann ist er wieder verschwunden. Endgültig. Wieder zurück ins Haus und ins Gebet. Was da nun folgt mit dem sogenannten Pfingstwunder ist verheißen, aber nicht erwartbar.

Im Kirchenjahr erscheint es uns aber so: nach Ostern kommt Pfingsten. Dabei steht es schon mitten in der Geschichte: „Nicht euch kommt es zu, Zeiten und Zeitpunkte zu kennen, die der Vater in seiner Souveränität festgesetzt hat.“ (Apg 1,7/BiGS). Dieser besondere Moment, in dem ich ganz tief in mir begreife, wer Jesus, wer Gott für mich ist, ist ein Moment der Vollendung. 7 x 7 Tage, so wird es symbolisch ausgedrückt. Aber es ist ein Symbol.

Dieser Moment liegt in Gottes Hand. Dort liegt er gut und es darf mir schnuppe sein, ob und wann es ihn gibt. Ich darf leben, wie es mir möglich ist. Mit meinen Grenzen, Zweifeln und Fragen. Mit meiner Angst, mit einer Furcht, meiner Skepsis. Mit meiner Phantasie- oder Ratlosigkeit. Ich darf mich, so gut wie es geht, organisieren, darf mich zurückziehen, darf beten, mich erinnern, die Schrift studieren, darf Fragen stellen und auf Antworten warten. Sieben Tage die Woche. Woche für Woche.
Darin liegt mein Alltag mit Gott. Mein Pfingsten ist Gottes Job.

Jetzt in der Coronazeit können wir uns zerreißen im Jammer, dass „Kirche“ quasi ausgesetzt ist. Oder wir können uns überfordern mit der Erwartung, wie wir digitales Pfingsten schaffen. Oder wir können auch jetzt einen Alltagsweg einschlagen: so weit es uns möglich ist. Neugierig bleiben, ausprobieren, was geht und was uns liegt. Mal einfach annehmen, dass die Zusage Gottes „Du wirst Kraft empfangen“ für mich, für uns, für unsere Kirche gelten wird. Mir den Druck nehmen lassen und es dem „Vater in seiner Souveränität“ überlassen, wann es sein wird.

Und nein, ich glaube nicht, dass Pfingsten abhängig ist, von den Vielen in einem Raum. Von Menge und Öffentlichkeit. Ich glaube, das ist Gottes Ding mit mir. Wenn es soweit ist, werden wir miteinander rocken können, was dann gerade dran ist. Und ich darf gespannt sein, wer sich dann dazugesellen wird.Es wird der erbarmende Gott sein, der die Initiative ergreifen wird. Wieder einmal. Und so lange bin ich bei Gott einfach Zuhause. Jeden Tag. Mit und ohne andere Menschen. Sieben Tage die Woche. Woche für Woche.

GEBET

Mein Gott,
ich weiß, unter deinen Flügeln bin ich geborgen.
Du holst mich zu dir, du bist mein Schutz.
Ich weiß dich vor und hinter mir, über und unter mir.
Zu dir kann ich fliehen, wenn es mir zu viel wird.
Bei dir bin ich sicher.
Egal, was kommt, du umfängst mich.

Und wenn der Moment kommt,
werden wir fliegen, Höhenflüge erleben,
das Leben in Fülle spüren, die Kraft in jeder Phase unseres Seins spüren.

Danke Gott.
Amen

[Dina Maria Dierssen, angeregt durch Lauren Daigle/Your Wings]

LIED
Ein Corona-Song der für mich den Trost des Zuhause-Seins bei Gott wie kaum ein anderer zum Ausdruck bringt: Your wings/Jason Ingram, Paul Mabury, Lauren Daigle, Interpretin: Lauren Daigle, im Album „Look Up Child“, erschienen bei: Sony/ATV Music Publishing LLC.  Einfach reinhören: https://www.youtube.com/watch?v=bqTUPQhIEUY

Den kompletten Liedtext finden Sie hier: https://www.azlyrics.com/lyrics/laurendaigle/yourwings.html

AUTORIN
Dina Maria Dierssen, Geschäftsführerin EFW